Pandemiebewältigung
Warum Solothurn die Krisenkommunikation zu Corona an eine PR-Agentur auslagert

Das Informationsbedürfnis ist gross, der Fachstab Pandemie aber an allen Ecken gefordert. Deshalb hat man sich nun Unterstützung von aussen geholt und eine PR-Beraterin als Corona-Sprecherin engagiert.

Urs Moser
Drucken
Teilen
Kantonsarzt Lukas Fenner und Gesundheitsdirektorin Susanne Schaffner an einer Medienkonferenz zur Eröffnung des Impfzentrums in Solothurn.

Kantonsarzt Lukas Fenner und Gesundheitsdirektorin Susanne Schaffner an einer Medienkonferenz zur Eröffnung des Impfzentrums in Solothurn.

Tom Ulrich

Wie viele Impfdosen stehen dem Kanton Solothurn nun zur Verfügung und warum bekommen Olten und Breitenbach ein eigenes Impfzentrum, Grenchen aber nicht? Warum schliesst Solothurn die Läden, wenn sie in anderen Kantonen (noch) offen bleiben dürfen? Und warum kann ich im Baumarkt einen Rasenmäher kaufen, im Warenhaus aber keinen Staubsauger? Ständig ändert sich die Situation, ständig gelten neue Regeln. Die Bewältigung der Pandemie stellt deshalb für die Behörden insbesondere auch hinsichtlich der Kommunikation mit der Öffentlichkeit eine grosse Herausforderung dar – wenn nicht die zentrale überhaupt.

Solothurn geht hier nun einen neuen Weg und lagert diese Aufgabe aus, soweit sie den Fachstab Pandemie, sprich in erster Linie den Zuständigkeitsbereich des Gesundheitsamts, betrifft.

Bis auf weiteres ein Vollzeit-Mandat

Das Outsourcing erfolgte Anfang Woche und für Nichteingeweihte unbemerkt. Für Rückfragen zur Mitteilung über Anpassungen in der Impf­planung aufgrund Lieferengpässen beim Coronaimpfstoff wende man sich an eine gewisse Güvengül Köz von der Kommunikation des Fachstabs Pandemie, hiess es am Montag.

Die angegebene E-Mail-Adresse liess denn auch auf eine Mitarbeiterin des Departements des Innern schliessen. Güvengül Köz ist aber Senior-Beraterin bei der PR-Agentur cR Kommunikation AG mit Hauptsitz in Zürich und Büros in Basel und Bern. Sie hat die Information in Sachen Covid-19 am 1. Februar im Mandatsverhältnis für das Departement des Innern übernommen. Allerdings in einem auf unbestimmte Zeit befristeten Vollpensum, Güvengül Köz betreut keine anderen Mandate der cR Kommunikation mehr und hat sich auch ihren Arbeitsplatz in den Räumen des Departements des Innern eingerichtet.

Verwaltungsintern fehlen die Ressourcen

Abgesehen davon, dass der Auftrag ein Sümmchen kosten dürfte: Ist es opportun, eine so zentrale Aufgabe der behördlichen Informationspflicht einfach an ein PR-Büro auszulagern? Dazu sagt Andrea Affolter, die Medienbeauftragte des Regierungsrats:

«Es geht in keiner Weise um die Unterstützung des Fachstabs Pandemie in strategischen Fragen, sondern einzig um die Kommunikation im engen Sinn.»

Also zum Beispiel um das Abfassen von Medienmitteilungen und die Bearbeitung von Medienanfragen. Bis zur Verstärkung durch zwei Kollegen war die Medienbeauftragte bis vor kurzem noch die einzige hauptamtlich für Kommunikationsbelange zuständige Person in der ganzen kantonalen Verwaltung. Grundsätzlich obliegt diese Aufgabe, sofern sie nicht die Gesamtregierung betrifft, den einzelnen Departementssekretariaten um Ämtern.

Und hier seien verwaltungsintern einfach die Ressourcen nicht vorhanden, um das mit der zweiten Welle und der Verfügbarkeit eines Impfstoffs noch einmal deutlich gestiegene Informationsbedürfnis der Öffentlichkeit adäquat zu befriedigen. Insbesondere der neue Chef des Gesundheitsamts und der Kantonsarzt sind mit ihren operativen Aufgaben in der Pandemie mehr als voll ausgelastet.

Was die Kosten des Outsourcings betrifft, waren keine näheren Angaben zu erhalten. Es steht noch nicht fest, wie lange das Engagement dauern wird. Auf jeden Fall dürfte die Senior-Beraterin einer PR-Agentur einen etwas anderen Stundenansatz verrechnen als David Kummer vom Amt für soziale Sicherheit, der den Fachstab Pandemie seit Dezember in der Informations- und Kommunikationsarbeit unterstützte und nun wieder an seinem angestammten Platz in der Abteilung Sozialleistungen und Existenzsicherung gebraucht wird.

Mit bestem Draht nach Solothurn

Die Agentur cR Kommunikation ist übrigens in Solothurn bestens vernetzt. Partner und Verwaltungsratspräsident ist der Solothurner Stefan Batzli, unter anderem bekannt als früherer Präsident der Genossenschaft Baseltor.

Batzli gilt als einflussreicher Lobbyist im Umwelt- und Energiebereich auf Bundesebene, in Solothurn war seine Agentur in den Nuller-Jahren im Auftrag der Krebs- und Lungenliga massgeblich daran beteiligt, dass der Kanton die landesweit wohl schärfsten Regeln zum Nichtraucherschutz einführte.

Aktuelle Nachrichten