Pandemie
Zu Nebenwirkungen und Impfterminen: Diese Fragen hatte die Bevölkerung an die Experten des Kantons

Per Twitter, E-Mail oder Chat konnte die Bevölkerung am Dienstagabend den Infektiologen Matthias Hoffmann vom Kantonsspital Olten und Markus Jenal vom Fachstab Pandemie mit Fragen zum Impfen löchern. Die wichtigsten Fragen und die Antworten haben wir zusammengefasst.

Rebekka Balzarini
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Unter anderem wird im Impfzentrum in der Rythalle Solothurn geimpft.

Unter anderem wird im Impfzentrum in der Rythalle Solothurn geimpft.

Bild: zvg

Mögliche Nebenwirkungen, die Vergabe der Impftermine und die Immunität nach einer Impfung oder eine Infektion: Aus der Bevölkerung kamen am Dienstagabend viele unterschiedliche Fragen. Während rund einer Stunde nahmen sich der Infektiologe Matthias Hoffmann vom Kantonsspital Olten und der pharmazeutische Leiter Impfungen des Fachstabs Pandemie Markus Jenal Zeit, um die Fragen zu beantworten:

Wir haben die Fragerunde für Sie zusammengefasst:

Ich wurde bereits positiv auf das Coronavirus getestet. Wie lange muss ich warten, bis ich mich impfen lassen kann?

Es gibt die Empfehlung der Eidgenössischen Kommission für Impffragen, wonach man mit einer Impfung nach einer Infektion sechs Monate warten kann. Diese Empfehlung wurde aber formuliert, als die Impfstoffverteilung noch harzig lief. Mittlerweile ist es möglich, von dieser Empfehlung abzuweichen. Aus immunologischer Sicht ist es empfohlen, dass man sich drei Monate nach einer Infektion impfen lässt. Die Zeitspanne ist aber nicht in Stein gemeisselt – wichtig ist es, dass man sich nach einer Infektion überhaupt impfen lässt. Mit einer Impfung wird die körperliche Abwehrreaktion zusätzlich und damit stärker aktiviert.

Sollte man sich nach einer überstandenen Infektion einmal oder zweimal impfen lassen?

Dazu braucht es jeweils eine individuelle Beratung im Impfzentrum oder mit dem Hausarzt oder der Hausärztin. Studien weisen darauf hin, dass eine Impfung nach einer überstandenen Infektion ausreicht. Aber auch zwei Impfungen sind nicht falsch. Wer kurz nach der ersten Impfung erkrankt, sollte sich ein zweites Mal impfen lassen. Allerdings sollte der Termin für die zweite Impfung um drei Monate verschoben werden. Sonst droht eine Überstimulierung der körperlichen Abwehr, was sich negativ auswirken könnte.

Kann ich wählen, mit welchem Impfstoff ich geimpft werde?

In der Schweiz sind die mRNA-Impfstoffe von Pfizer und Moderna zugelassen. Zwischen diesen beiden Impfstoffen kann man nicht wählen.

Was, wenn ich am Impftag positiv bin?

Wer Symptome wie Fieber hat, sollte sich grundsätzlich nicht impfen lassen. Das gilt auch für andere Impfungen. Wer keine Symptome hat, der ist erst kürzlich erkrankt. Die Impfung und die Infektion gelten so als ein Kontakt mit dem Virus. Das ist unproblematisch, und der zweite Impftermin kann wie geplant wahrgenommen werden.

Ist es möglich, dass ich einmal mit dem Impfstoff von Moderna und einmal mit dem Impfstoff von Pfizer geimpft werde?

In der Schweiz wird nur mit dem jeweils gleichen Impfstoff geimpft. Ein anderes Verfahren ist nicht zugelassen, auch wenn es in anderen Ländern wie Spanien bereits Erfahrungen damit gibt.

Wie viel ist zu möglichen Nebenwirkungen bei den zugelassenen Impfstoffen bekannt?

Nebenwirkungen können auftreten. Sie zeigen, dass der Körper auf die Impfung reagiert. Jede zehnte Person bemerkt nach einer Impfung Nebenwirkungen, zum Beispiel Fieber, Gliederschmerzen oder eine allgemeine Müdigkeit. Am Impftag sollte man sich deshalb einen ruhigen Abend einplanen. Auch am Arm kann es lokale Symptome geben: Rötungen und Schwellungen sind ebenfalls Abwehrreaktionen, am Arm können diese auch noch eine Woche später auftreten. Diese Nebenwirkungen gehen schnell wieder weg und sind nicht gefährlich. Der Impfstoff verbleibt nur während rund zwei Tagen im Körper, zurück bleibt die Abwehrreaktion des Körpers. Wenn man von möglichen späteren Nebenwirkungen der Impfung spricht, dann ist damit eine fehlgeleitete Abwehrreaktion des Körpers gemeint. Diese fehlgeleiteten Abwehrreaktionen des Körpers sind sehr selten. Auch eine Infektion kann zu einer fehlgeleiteten Abwehrreaktion führen. Das Risiko dafür ist bei einer Infektion fünf Mal höher.

Was ist wichtig, wenn man an starken Nebenwirkungen leidet?

Wenn man starke Nebenwirkungen vermutet, dann sollte man den Hausarzt aufsuchen. Falls nötig, wird dieser Sie an einen Spezialisten weiterleiten.

Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass man in Zusammenhang mit einer Impfung stirbt?

Im Kanton Solothurn ist bisher kein solcher Fall aufgetreten.

Was müssen Frauen in Bezug auf eine mögliche oder bestehende Schwangerschaft beachten?

Bisher gibt es dazu wenige Daten. Es wird empfohlen, sich in den ersten drei Monaten einer Schwangerschaft nicht impfen zu lassen. Wenn eine Schwangerschaft in einem frühen Stadium und nicht bekannt war, muss deswegen kein Schwangerschaftsabbruch in Erwägung gezogen werden. Dass eine Impfung in den ersten Monaten nicht empfohlen ist, ist lediglich eine Vorsichtsmassnahme. Später sollten sich Schwangere mit ihrem Hausarzt oder der behandelnden Gynäkologin absprechen. Grundsätzlich gilt eine Impfung auch bei schwangeren Frauen als sicher. Bei stillenden Müttern werden die Antikörper der Mutter ausserdem über die Muttermilch an das Kind weitergegeben. Mütter schützen also sich selbst, gleichzeitig aber auch ihr Kind. Wenn eine schwangere Frau geimpft wird, dann wird der Impfstoff im Körper nicht auf das ungeborene Kind übertragen. Übertragen wird lediglich die Abwehrreaktion der Mutter, also die Antikörper. Diese Antikörper sind etwas Natürliches und schaden dem Kind nicht.

Wie lange ist man nach einer Impfung geschützt?

Laut ersten Studien hält die Abwehrreaktion ein halbes Jahr. Je länger die ersten Impfungen zurückliegen, desto mehr weiss man auch darüber, wie lange der Impfschutz anhält. Es ist möglich, dass man nach einer Impfung bis zu einem Jahr geschützt ist. Dazu werden aber laufend mehr Daten gesammelt, und auch neue Virusmutationen können einen Einfluss darauf haben, wie oft eine Auffrischung nötig ist.

Kann man sich nach einer Covid-19-Impfung mit einem weiteren Impfstoff impfen lassen? Zum Beispiel mit der Zeckenimpfung.

Grundsätzlich wird zwischen Impfungen ein Abstand von einer Woche empfohlen, das gilt auch für Covid-19-Impfungen. Der Grund dafür ist, dass allfällige Nebenwirkungen so besser zugeordnet werden können.

Ich habe mich im März für eine Impfung angemeldet, ein Bekannter erst im Mai. Trotzdem kann er sich vor mir impfen lassen. Wie ist das möglich?

Es gilt das Prinzip «First come, first served». Risikopersonen werden weiter prioritär geimpft. Falls keine Risikofaktoren vorliegen, ist es möglich, dass die beiden Termine in unterschiedlichen Impfzentren vergeben worden sind. Die Wartezeiten in den Impfzentren sind unterschiedlich, weil sich nicht überall gleich viele Personen angemeldet haben.