Pandemie
So werden die Jugendlichen im Kanton geimpft: Die wichtigsten Fragen und Antworten

Seit Ende Juni können Kinder und Jugendliche ab 12 Jahren in der Schweiz geimpft werden. Heute gab der Fachstab Pandemie bekannt, wie die Impfstrategie für die Altersgruppe der 12- bis 15-Jährigen aussehen soll.

Rebekka Balzarini
Merken
Drucken
Teilen
In einigen Kantonen stehen die Jugendlichen vor dem Impfzentrum Schlange, hier etwa im Kanton Zürich.

In einigen Kantonen stehen die Jugendlichen vor dem Impfzentrum Schlange, hier etwa im Kanton Zürich.

Gaetan Bally/KEYSTONE

Um hohe Ansteckungszahlen in Zukunft zu verhindern, sollen sich möglichst viele Menschen gegen Covid-19 impfen lassen. Die Eidgenössische Kommission für Impffragen hat die Impfung für Kinder und Jugendliche ab 12 Jahren Ende Juni empfohlen. Im Kanton Solothurn rollt die Impfkampagne für diese Altersgruppe im Juli an. Die wichtigsten Fragen und Antworten:

Welche Kinder und Jugendlichen sollen sich impfen lassen?

Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) und die Eidgenössische Impfkommission (EKIF) empfehlen die Impfung allen Kindern und Jugendlichen im Alter von 12 bis 15 Jahren, die sich impfen lassen möchten. Besonders empfohlen wird die Impfung Kindern und Jugendlichen, die an einer Vorerkrankung leiden und deshalb besonders gefährdet sind, schwer an Covid-19 zu erkranken. Ausserdem wird eine Impfung besonders empfohlen, wenn Kinder und Jugendliche mit einer Immungeschwächten Person zusammenleben.

Auch Jugendliche können sich impfen lassen.

Auch Jugendliche können sich impfen lassen.

Keystone

Wo können sich Kinder und Jugendliche im Kanton Solothurn impfen lassen?

Im Kanton Solothurn werden zwei Impftage für die 12- bis 15-Jährigen durchgeführt. Am 14. und am 21. Juli können sich Kinder und Jugendliche im Impfzentrum in Solothurn impfen lassen. Die Zeitimpfung findet im neuen Impfzentrum in Selzach statt. Am Impftag sind Kinderärztinnen und Kinderärzte vor Ort, die Eltern und Kinder bei Fragen beraten. Eine Anmeldung für die Impftage ist über die Website des Kantons möglich. Wer nicht an den Impftagen teilnehmen kann, kann sich nach den Sommerferien ebenfalls über die Website anmelden, vorerst ist kein spezieller Impftag mehr geplant.

Brauchen Kinder eine Zustimmung der Eltern, um sich impfen zu lassen?

Die Jugendlichen können selbst entscheiden, brauchen aber eine Unterschrift der Eltern.

Die Jugendlichen können selbst entscheiden, brauchen aber eine Unterschrift der Eltern.

Keystone

Grundsätzlich gilt die Regel, dass Kinder und Jugendliche bis 16 Jahre eine Einverständniserklärung an den Impftermin mitbringen müssen, die von einer erziehungsberechtigten Person unterschrieben wurde. Hat eine Person unter 16 Jahre keine Einverständniserklärung dabei, dann klärt ein Arzt oder eine Ärztin vor Ort in einem persönlichen Gespräch die Urteilsfähigkeit ab. Gemäss BAG können Personen ab 12 Jahren selber entscheiden, ob sie sich impfen lassen wollen, sofern sie urteilsfähig sind. Dass Jugendliche sich auch ohne Einverständnis der Eltern impfen lassen können oder Medikamente beziehen dürfen, ist nicht ungewöhnlich: In der Praxis kommt es etwa häufig vor, dass sich junge Frauen ohne Einverständniserklärung der Eltern die Anti-Baby-Pille verschreiben lassen dürfen. «Trotzdem empfehlen wir, dass der Entscheid für die Impfung möglichst im gegenseitigen Einverständnis zwischen den Jugendlichen und ihren Eltern gefällt wird. Es ist wichtig, dass die Eltern vorgängig mit ihren Kindern offen über die Covid-19-Impfung und über mögliche Vor- und Nachteile reden», wird Peter Eberhard, Leiter Gesundheitsamt Kanton Solothurn, in einer Medienmitteilung zitiert.

Peter Eberhard, Vorsteher des Gesundheitsamts Kanton Solothurn, beim Besuch von Bundesrat Alain Berset im Drive-in-Impfzentrum in Grenchen.

Peter Eberhard, Vorsteher des Gesundheitsamts Kanton Solothurn, beim Besuch von Bundesrat Alain Berset im Drive-in-Impfzentrum in Grenchen.

Oliver Menge

Wieso sollen sich Kinder und Jugendliche impfen lassen? Schliesslich gehören sie nicht zu den Risikogruppen.

In der Pandemie hat sich bisher gezeigt, dass Kinder sich ungefähr gleich häufig wie Erwachsene anstecken. Das zeigen unter anderem die Zahlen der Studie «Ciao Corona», die von der Universität Zürich an Schulen im Kanton Zürich durchgeführt wurde. Allerdings erkranken Kinder weniger schwer, häufig verlaufen die Infektionen bei ihnen sogar asymptomatisch. Selten kann es aber auch bei Kindern nach einer Infektion mit dem Coronavirus zu einem schweren Verlauf kommen. In der Schweiz sind rund 100 Fälle bekannt, bei denen Kinder wegen des PIMS-Syndroms, einer Multi-Entzündungskrankheit, im Spital behandelt werden mussten. Grundsätzlich gilt: Je mehr Menschen geimpft sind, desto schlechter kann sich ein Virus ausbreiten. Auch wenn Kinder meistens nicht schwer erkranken und in vielen Fällen auch gar keine Symptome entwickeln, können sie das Virus weitergeben.

Impfpflicht soll es keine geben

Die Impfung für Jugendliche ab 12 Jahren wurde Anfang Juni von Swissmedic in der Schweiz zugelassen, am 22. Juni empfahl die Eidgenössische Kommission für Impffragen (EKIF) die Covid-Impfung für Jugendliche von 12 bis 15 Jahren. Am gleichen Tag nahm Christoph Berger, der Präsident der EKIF, an einem Webinar des Kantons Solothurn teil. Im Webinar sprach er über den Impffortschritt in der Schweiz und beantwortete auch Fragen zu Impfungen bei Kindern und Jugendlichen. Einen Impfdruck, betonte er mehrfach, gebe es für diese Altersgruppe nicht. «Wir müssen die Kinder und Jugendlichen nicht impfen, wir können sie impfen», sagte Berger. «Um aus der Pandemie zu kommen, ist es aus heutiger Sicht sinnvoll und nicht gefährlich, wenn Kinder geimpft werden.»

Berücksichtigt werden muss laut Berger ausserdem, dass gerade Kinder und Jugendliche unter indirekten Folgen der Pandemie leiden würden. Etwa unter der Quarantäne oder der Isolation, in die sich Kinder nach Kontakt mit einer positiv getesteten Person nach wie vor begeben müssen. Diese Quarantänepflicht würde nach einer Impfung wegfallen. Eltern sollen mit ihren Kindern gemeinsam über die Vor- und Nachteile einer Impfung sprechen, empfahl Berger am Webinar des Kantons Solothurn. «Wir sehen den Druck, unter dem die Jugendlichen stehen, wenn sie etwa in die Quarantäne müssen», sagte er. «Mit der Impfung wollen wir ihnen eine Möglichkeit bieten, aus diesem Druck rauszukommen. Allerdings, ohne eine Pflicht daraus zu machen.»

Anmeldung für die Impfung: https://corona.so.ch/bevoelkerung/impfen/.