Panaschierstatistik

Wer auch viele Stimmen bei der Konkurrenz holt und wer die treusten Wähler hat

Walter Wobmann (SVP)  muss auf seine Stammwählerschaft setzen, Franziska Roth (SP) und Kirt Fluri (FDP) punkten auch überparteilich.

Walter Wobmann (SVP) muss auf seine Stammwählerschaft setzen, Franziska Roth (SP) und Kirt Fluri (FDP) punkten auch überparteilich.

Von den gewählten Solothurner Nationalräten ist FDP-Mann Kurt Fluri der Panaschierkönig. Er holte mehr als 37 Prozent seiner Stimmen von fremden Parteilsten oder auf Wahlzetteln ohne Listenbezeichnung. Generell weniger Fremdstimmen als andere holen SVP-Kandidaten.

Wer punktet bei Wahlen auch ausserhalb der eigenen Stammwählerschaft, wer geniesst als Politiker ein breites Vertrauen? Anhaltspunkte liefert hier die Panaschierstatistik.

Und die zeigt auf den ersten Blick ein vielleicht überraschendes Bild: In der Solothurner Nationalratsdelegation ist die neu gewählte SP-Präsidentin Franziska Roth Panaschierkönigin, noch vor dem Freisinnigen Kurt Fluri und Mitte-Vertreter Stefan Müller-Altermatt. Wobei: Franziska Roth kandidierte auf der Liste SP Süd-West, über 900 ihrer gut 3600 Panaschierstimmen kamen von Parteigenossen, die ihren Namen statt eines anderen Kandidaten auf die SP-Liste Nord-Ost setzten. Umgekehrt hatte zum Beispiel alt Regierungsrat Peter Gomm aus Olten ebenfalls 900 Stimmen von SP-West-Wählern. Für ein punkto überparteilicher Akzeptanz repräsentativeres Bild konzentrieren wir uns deshalb hier auf die um die parteiinternen Panaschierstimmen bereinigten Zahlen plus die Stimmen, die auf Wahlzetteln ohne Listenbezeichnung abgegeben wurden.

Dann sieht die Sache ein kleines bisschen anders aus: Unter den Gewählten ist wie vor vier Jahren Kurt Fluri Panaschierkönig, über 37 Prozent seiner Stimmen holte er von ausserhalb der freisinnigen Stammwählerschaft. Auf Platz zwei folgt dann aber tatsächlich schon Franziska Roth gleichauf mit CVP-Nationalrat Stefan Müller-Altermatt. Beide holten über 34 Prozent Fremdstimmen.

Mit ebenfalls 34 Prozent Fremdstimmen weit über die eigene Stammwählerschaft hinaus Akzeptanz geniesst auch der Grüne Felix Wettstein, wie sich das auch bei den Ständeratswahlen zeigte, wo er trotz kleinerer Hausmacht sogar FDP-Präsident Stefan Nünlist überflügelte. Nünlist seinerseits wurde übrigens besonders oft parteiintern panaschiert, das heisst anstelle eines anderen Kandidaten auf die Liste «FDP-Freiheit» mit Spitzenkandidat Kurt Fluri gesetzt. Ohne Bereinigung um diese Stimmen läge sein Fremdstimmenanteil bei schon fast rekordverdächtigen (Grünen-Präsidentin Laura Gantenbein käme auf noch mehr) 40 Prozent, sonst bei etwas über 23 Prozent.

Was im links-grünen Lager spielte, war der gegenseitige Support für die Listenverbindungspartner. Franziska Roth holte um die 1200 ihrer Panaschierstimmen auf Listen der Grünen, Felix Wettstein rund 900 von der SP.

SVP-Kandidaten punkten (fast) nur bei SVP-Stammwählern ...

Was vielleicht nicht sonderlich überrascht, aber dennoch ins Auge sticht: Die SVP-Kandidaten sind noch stärker als andere auf eine maximale Mobilisierung ihrer Stammwählerschaft angewiesen, sie holen deutlich weniger Fremdstimmen ab als Vertreter anderer Parteien. Dank der grossen Hausmacht erzielte SVP-Nationalrat Christian Imark diesmal noch vor Walter Wobmann das beste Ergebnis der Solothurner Nationalratsdelegation überhaupt, obwohl er nur 16 Prozent Fremdstimmen machte. Bei Walter Wobmann waren es sogar bloss 14 Prozent.

Noch viel deutlicher ist der Effekt bei den SVP-Kandidaten auf den hinteren Rängen.  Kantonsrat Josef Fluri aus Mümliswil, der sich überraschend als erster Ersatzmann in Position brachte, holte gerade knapp acht Prozent seiner Stimmen von fremden Listen oder parteiungebundenen Wählern, die einen Wahlzettel ohne Listenbezeichnung einwarfen. Beim Oltner Kantonsrat und Gewerbeverbandspräsident Christian Imark waren es sogar weniger als sieben, bei Kantonsrat Rémy Wyssmann aus Kriegstetten nur sechs Prozent.

... und SVP-Stammwähler gehen weniger fremd als andere

Wie die Wahlergebnisse zeigen, kann man sich in der SVP aber auch wie in keiner anderen Partei auf eine geschlossene Unterstützung verlassen, keine andere Partei hat eine so treue Wählerschaft. Fast 10 000 SVP-Listen wurden unverändert in die Wahlurne geworfen, von den gut 115 000 Kandidatenstimmen stammen über 51 Prozent von unveränderten Wahlzetteln. Solche Werte werden von anderen Parteien nicht annähernd erreicht. Bei den Grünen sind es gut 37 Prozent der Kandidatenstimmen, bei der SP 33 Prozent, bei der CVP weniger als 29 Prozent und bei den Freisinnigen sogar nur gut 24 Prozent. (mou)

Autor

Urs Moser

Urs Moser

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