Kein Geld, aber gewaltig Lust auf Drogen - da beschloss das Paar Doris B.* und Anton M.* am Abend des 31. Juli 2010, ihre Sucht durch einen Raubüberfall zu finanzieren. Doris B. hielt einem jungen Mann bei einem Bankomaten in der Solothurner Altstadt einen Pfefferspray vors Gesicht und verlangte das gerade bezogene Geld. Anton M. stand daneben und markierte Präsenz, um der Drohung den nötigen Nachdruck zu verleihen. So rückte das Opfer 80 Franken heraus. Das Paar flüchtete mit dem Geld und kaufte umgehend illegale Drogen.

Die Polizei konnte zunächst nur die Frau ermitteln und das Amtsgericht Solothurn-Lebern verurteilte Doris B. 2012 zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von 15 Monaten wegen Raubes, wobei die Gefängnisstrafe zugunsten einer Massnahme für Suchtkranke aufgeschoben wurde.

«Therapie war erfolgreich»

Erst bei ihrer Gerichtsverhandlung gab die Räuberin endlich den Namen des Komplizen bekannt. Dann bekam auch Anton M. zu spüren, wie die Mühlen der Justiz zu mahlen begannen. Seither habe er aber den Entzug von den Drogen geschafft, erzählte er vor Gericht. «Die stationäre Therapie war sehr erfolgreich, ich habe viel gelernt über meine Sucht und meine psychischen Probleme. Ärger und Trauer überwältigen mich manchmal. Dann habe ich früher nicht immer richtig gehandelt. Aber ich habe jetzt gelernt, mir rechtzeitig Hilfe zu holen.»

Da der heute 35-jährige Schweizer die Tat sofort gestanden hatte, sich bei den Ermittlungen immer kooperativ verhielt und auch noch nicht vorbestraft war, erfüllte er alle Voraussetzungen, um in den Genuss eines abgekürzten Verfahrens zu kommen. So musste Einzelrichter Yves Derendinger am Dienstag nur noch entscheiden, ob der zwischen der Verteidigung und der Anklage ausgehandelte «Deal» korrekt ist.

Er übernimmt Verantwortung

Eine gewisse Differenz habe es schon gegeben, erklärte Rechtsanwalt Michel Meier in seinem Plädoyer. Während die Staatsanwaltschaft den Angeklagten als Mittäter des Raubes beschrieb, gehe er als Verteidiger davon aus, dass sein Mandant nur als untergeordneter Gehilfe gehandelt hatte. «Aber mein Mandant ist bereit, die Verantwortung zu übernehmen und er will nicht darüber diskutieren, ob es sich nun um eine Gehilfenschaft oder um Mittäterschaft handelt», erklärte Meier, wie es trotzdem zum «Deal» gekommen ist. Die Weisung, dass er sich einer psychotherapeutischen Behandlung zu unterziehen habe, sehe dieser sogar positiv. «Die geforderten Therapien sind entsprechend aufgegleist, und er hat sie bereits freiwillig aufgenommen.»

Angesichts der positiven Prognose für den Angeklagten erklärte Einzelrichter Derendinger das Urteil mit der zur Bewährung ausgesetzten Freiheitsstrafe von 11 Monaten, einer Busse von 150 Franken und der Weisung, sich in psychotherapeutische Behandlung zu begeben, im abgekürzten Verfahren als rechtskräftig. «Der Fokus der therapeutischen Arbeit ist auf der Behandlung von Traumata, einer Depression und einer Suchtproblematik zu legen», sagte der Richter in der Urteilsbegründung.

*Namen von der Redaktion geändert.