Solothurn Classics
Organisatorin: «Ich will Oper jüngerem Publikum zugänglich machen»

Iris Reardon-Kofmel ist die Organisatorin des Solothurn Classics. Im Interview erklärt sie, wie schwierig die Suche nach Sponsoren ist, wie der Vorverkauf einfacher wird und warum ihr Mann gerne kocht.

Fränzi Rütti-Saner
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Iris Reardon-Kofmel (28) hatte schon im Vorfeld der Solothurn Classics eine Menge Arbeit. Ab 27. Juni gehts los.

Iris Reardon-Kofmel (28) hatte schon im Vorfeld der Solothurn Classics eine Menge Arbeit. Ab 27. Juni gehts los.

Hansjörg Sahli

Die zweite Auflage der Solothurn Classics steht bevor: Welches ist jeweils die grösste Herausforderung für Sie als Organisatorin im Vorfeld?

Iris Reardon-Kofmel: Mir scheint, dies ändert von Jahr zu Jahr. Dieses Jahr lag die Themenfindung dank dem 200. Geburtstag des grossartigen Giuseppe Verdi auf der Hand. Wagner spielen wir in Solothurn eher weniger. So stehen denn auch vier Verdi-Opern auf dem Programm 2013. «Aida», «Rigoletto», «Un Ballo in Maschera» – einmal mit dem Tenor Mario Malagnini und einmal mit Zoran Todorovich – und «Don Carlo». Den Auftakt zum Festival bildet das Verdi Requiem unter anderem mit den Solisten Noëmi Nadelmann, Zoran Todorovich und Julian Konstantinov. Es ist sicherlich jedes Jahr wieder eine Herausforderung, tolle, internationale Stars zu guten Preisen zu engagieren. Ich bin jetzt bereits für 2014 hart am Verhandeln. Es ist aber auch schön zu sehen, dass einige der internationalen Künstler das Festival unterstützen und beispielsweise an der vergangenen Kulturnacht für ein fast vernachlässigbares Salär in Solothurn gesungen haben. Dieses Jahr scheint sich der Wurm jedoch bei der Vertragsexekution eingeschlichen zu haben. Vor wenigen Tagen habe ich erfahren, dass die «Gilda», welche ich vor einem Jahr engagiert habe, gesundheitliche Probleme hat, und deshalb nicht in Solothurn singen wird. Glücklicherweise konnte ich innert kurzer Zeit Natalia Roman für die Rolle verpflichten. Sie hat als «Gilda» in Italien bereits Erfolge gefeiert.

Welches sind die grössten Veränderungen zur Ausgabe 2012 fürs Publikum?

Eine wichtige Neuerung stellt sicherlich der Vorverkauf dar, den wir nun selbst organisieren. Die Zuschauer können übers Internet ihren eigenen Platz und sogar Zusatzleistungen wie ein Cüpli für die Pause oder ein Parkticket per Mausklick bestellen. Im Bezug auf das Vorjahr wurde der Vorverkauf per Internet vereinfacht und benutzerfreundlicher gestaltet. Selbstverständlich ist es immer noch möglich, die Tickets samt Zusatzleistungen per Telefon zu bestellen oder im Tourismus Büro in Solothurn.
Auf musikalischer Ebene bieten die Solothurn Classics 2013 an den Wochenenden zum ersten Mal auch Matinee-Konzerte an. So werden die Besucher des Festivals auch den Tag über mit musikalischen Leckerbissen versorgt.

Wie lief und läuft der Vorverkauf?

Im Vorverkauf 2013 wurden 20 Prozent mehr Tickets abgesetzt als im Jahr zuvor. Dies ist erfreulich. Es sind aber für alle Vorstellungen immer noch Tickets erhältlich.

Sind abgesprungene Sponsoren zurückgekehrt, oder haben Sie «Ersatz» gefunden? Wie sieht die Sponsoren-situation für Solothurn Classics aus?

Es ist kein Geheimnis, dass es zurzeit schwierig ist, Sponsoren zu akquirieren. Diesbezüglich wurden die Budgets überall gekürzt. Wir freuen uns aber, dass alle Sponsoren von 2012 uns auch für die Ausgabe 2013 unterstützen und danken ihnen herzlich.

Von aussen betrachtet, versuchen Sie die «klassische Opernschiene» in Solothurn aufzubrechen. Stimmt das? Was sind Ihre Überlegungen dahinter?

Meine Idee ist nicht einfach, die «klassische Opernschiene» aufzubrechen. Es liegt mir jedoch am Herzen, die Oper einem grösseren und jüngeren Publikum zugänglich zu machen. Daher führe ich auch die Romantic Night, welche im letzten Jahr grossen Anklang fand, wieder durch. Alt- und Jungverliebte sollen von den Opern- und Operettenarien verzaubert werden und finden so vielleicht einfacheren Zugang als beim Besuch einer 3-stündigen Oper. Denn häufig ist es ja so, dass Opern-«Neulinge» die Werke nicht kennen, bevor Sie zum ersten Mal eine Opernvorstellung besuchen. Da die meisten Werke in Italienisch gespielt werden, ist ein «Neuling» da verständlicherweise überfordert. Sowohl die Solistengala als auch die Romantic Night sollen dies ändern, und «Opern-Einsteigern» diese Musik in kleinen Häppchen servieren.

Ich nehme an, Sie planen bereits das Jahr 2014? Verraten Sie dazu schon etwas?

2014 ist bereits in Planung. Traditionsgemäss erhalten die Zuschauer nach jeder Vorstellung einen Flyer, der das Programm des kommenden Jahres präsentiert. Zurzeit gibt es noch einige offene Fragen. Sicher ist aber, dass 2014 «Carmen» von Georges Bizet auf dem Programm steht. Katja Lytting, die 2013 zum ersten Mal in Solothurn auftritt, wird diese Partie verkörpern. An ihrer Seite singt Mario Malagnini den Don José, eine seiner Paraderollen, die er bereits unter der Leitung keines Geringeren als Placido Domingo in Los Angeles und auf den grössten Opernbühnen der Welt interpretiert hat. Auch Michèle Crider kehrt 2014 nach Solothurn zurück, um das Publikum als Tosca zu erfreuen.

Sie haben kürzlich geheiratet. Herzliche Gratulation, nachträglich. Letztes Jahr verrieten Sie, dass Ihr Partner kein so grosses Interesse an der Oper hat. Hat sich das inzwischen geändert?

Vielen Dank! Ihre Erinnerung ist nur teilweise richtig. Es ist in der Tat so, dass mein Mann nicht mit Musik aufgewachsen ist wie ich. Er interessiert sich jedoch sehr und hat 2012 keine einzige Oper verpasst, obwohl er anschliessend jeden Morgen um 6 Uhr zurück nach Genf pendeln musste, wo er als Anwalt tätig ist. Auch dieses Jahr wird er mich und das Festival erneut unterstützen, wofür ich ihm sehr dankbar bin. Dies tut er regelmässig auch während des Jahres. Beispielsweise kocht er, damit ich noch an Verträgen, Probeplänen, oder Ähnlichem für die Solothurn Classics arbeiten kann.

Solothurn Classics, 27. 6–7. 7. 2013. Infos und Vorverkauf: www.solothurnclassics.ch