Schulwesen

Optimierung Ja, Lehrplan 21 Nein: Das sind die Argumente für die Volksinitiative

(V. l. n. r.) René Steiner, Peter Brotschi, Beatrice Sterki, Nicole Hirt, Beat Künzli und Philippe Ebener präsentierten ihre Abstimmungs-Slogans.

(V. l. n. r.) René Steiner, Peter Brotschi, Beatrice Sterki, Nicole Hirt, Beat Künzli und Philippe Ebener präsentierten ihre Abstimmungs-Slogans.

Sie sind gegen die Einführung des Lehrplans 21, aber für eine Optimierung des jetzigen. Das Initiativkomitee brachte heute seine Abstimmungs-Argumente an einer Medienkonferenz in Solothurn vor.

«Wir müssen auf die bewährten Strategien setzen, die unsere Schulen so erfolgreich gemacht haben», sagte SVP-Kantonsrat Beat Künzli an der heutigen Medienkonferenz in Solothurn zur Initiative «Ja zu einer guten Volksschule ohne Lehrplan 21». Das Initiativkomitee hat – rund einen Monat vor der kantonalen Abstimmung – seine Argumente gegen die Einführung des Lehrplans 21 präsentiert.

Dass aber der alte Lehrplan in gewissem Masse angepasst werden muss, ist dem Komitee bewusst. Was es brauche, seien gesunde Fortschritte und nicht eine radikale Wende, die zum Abbau von Bildung führe, sagte EVP-Kantonsrat René Steiner. «Unser Schulsystem bringt auch mit dem jetzigen Lehrplan noch eine gute Performance.» Dass weitere Anpassungen den jetzigen Lehrplan zu einem Flickenteppich machen könnten, wurde vom Plenum bestritten.

Nicole Hirt, GLP-Kantonsrätin, erklärte: «Nur, weil etwas zeitgerecht den gesellschaftlichen Anforderungen entsprechend angepasst werde, ist es noch lange kein Flickwerk.» Schliesslich würden auch Verwaltungsprozesse stets optimiert.

Nachteile für schwache Kinder

Grosse Skepsis löst bei den Initianten vor allem der Ausdruck «selbstorganisiertes Lernen» aus. So befürchtet Künzli, dass ohne Lernanleitung der Lehrer durchschnittliche und schwache Schüler auf der Strecke bleiben. «Wie soll ein Primarschulkind wissen, welchen Stoff es sich nun beibringen soll?» Eine solche Verantwortung könne keinem Kind zugemutet werden, weshalb sich der SVP-Kantonsrat voll und ganz hinter den Slogan «Kinder unterrichten sich künftig selber? Nein Danke!» stellt.

Auch Beatrice Sterki, ehemalige FDP-Gemeinderätin und Wirtschaftsfrau, sieht als Hauptkritikpunkt am Lehrplan 21 das «Selbstorganisierte Lernen». «Nur ein bis zwei von zehn Kindern werden in der Lage sein, Themen selber zu erarbeiten», so die zweifache Mutter und Executive Managerin MBA.

«In der Wirtschaft wird auch heute noch mit Zielvereinbarungen und klaren Aufträgen gearbeitet», sagte Sterki. Sie widerspricht somit dem CEO des Bellacher Unternehmens Fraisa SA, Josef Maushart, vehement.

Denn dieser äusserte sich am 8. April in dieser Zeitung zum Lehrplan 21 wie folgt: «Im dualen Berufsbildungssystem haben wir längst auf das kompetenzorientierte Modell umgestellt und machen damit seit über zehn Jahren hervorragende Erfahrungen.» Als fernab der Realität bezeichnet Sterki Mausharts Aussage und versuchte deutlich zu machen, dass in den meisten ausbildenden Unternehmen sowie an den Berufsschulen zu rund 90 Prozent Wissen durch Frontalunterricht vermittelt werde.

CVP-Kantonsrat und Primarlehrer Peter Brotschi spricht von einem «Harmonisierungsbschiss». So werde die Wissenskluft zwischen den Kantonen, Gemeinden, Klassen und gar einzelnen Schülern immer grösser, wenn die Geschwindigkeit des Lehr- und Lernvorgangs frei wählbar sei.

Der einheitliche Beginn der Fremdsprachen in der Primarschule werde durch den Lehrplan 21 ebenfalls nicht geregelt, so Brotschi. Der Kanton Solothurn sei als Grenzkanton besonders betroffen, da im Aargauischen ab der dritten Klasse mit Englisch und in Solothurn mit Französisch begonnen werde.

Regierungsrat krebst zurück

Philippe Ebener, Vorstand Kreisschule Thal, Balsthal, verwies darauf, dass Lehrmittelverlage mit dem Lehrplan 21 lukrative Geschäfte auf öffentliche Kosten machen würden. Nicht zuletzt wurden aber die Lehrmittel wie das Französischbuch «Milles feuilles» und das Zahlenbuch grundlegend kritisiert. So seien in den Büchern zu wenige Übungen und keine Struktur zu finden. Laut René Steiner habe bereits der Regierungsrat eine Überarbeitung des Französischbuches in Auftrag gegeben. Und zwar: weg von der Kompetenzorientierung wieder hin zu mehr Grammatik und Vokabeln. Es stelle sich die Frage, weshalb ein Lehrplan eingeführt werden soll, dessen Methoden vom Regierungsrat bereits wieder geändert würden.

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