Amtsgericht

Online-Shopperin kauft Tablet billig und bezahlt dafür teuer

Auf dem Tablet waren schon einige Apps installiert. (Symbolbild)

Auf dem Tablet waren schon einige Apps installiert. (Symbolbild)

Das Schnäppchen sah zu verlockend aus: Im Internet wurde ein neues Tablet mit 64 Gigabyte Speicher und allem Zubehör für 499 Franken angeboten – bei einem Ladenpreis von 1099 Franken. Die Kundin zeigte den Verkäufer an. Dieser musste sich nun vor Gericht verantworten.

Exakt ein solches Tablet hatte sich Doris M.* gewünscht. Also klickte sie auf «kaufen» und überwies den geforderten Betrag. Tatsächlich traf wenige Tage später das Paket in Uster ein. Doch Doris M. wurde enttäuscht. Sie erkannte schon an einer beschädigten Ecke sofort, dass es sich um ein gebrauchtes Gerät handelte. Zudem waren bereits verschiedene Apps installiert.

Statt der versprochenen 64 Gigabyte verfügte es nur über einen ungenügenden Speicher von 16 Gigabyte. Es fehlten das im Internet versprochene Zubehör – Tastatur, Ständer, Gebrauchsanleitung und Garantieschein. «Ich erhielt eigentlich nur das Tablet. Alles andere musste ich mir danach noch extra im Laden besorgen», erklärte die Geschädigte nun vor Amtsgericht Bucheggberg-Wasseramt. «Als wir die Anzeige machten, überprüfte die Polizei, ob sich um ein gestohlenes Gerät handelte. Das war aber zum Glück nicht der Fall, sonst wäre das Tablet gleich beschlagnahmt worden.»

Arglistiges Vorgehen

Gestützt auf die Anzeige von Doris M. kam es zur Anklage wegen Betrugs. Aber die erste Verhandlung vor dem Amtsgericht platzte, weil der Angeklagte nicht erschienen war. Marko Z.*, ein 43-jähriger Kroate, ignorierte auch das zweite Aufgebot. «Da der Angeklagte zum zweiten Mal einer korrekt zugestellten Vorladung nicht Folge geleistet hat, werden wir nun die Verhandlung in Abwesenheit durchführen und das Urteil fällen», erklärte Amtsgerichtspräsident Ueli Kölliker die geltende Rechtslage.

Für die Beurteilung der Schwere des Falls war die Frage nach dem entstandenen Schaden bedeutend. Um das Tablet aufzurüsten, habe sie zwischen 150 und 250 Franken investieren müssen, erklärte Doris M. – jetzt funktioniere das Gerät einwandfrei. «Ich hatte dem Verkäufer zuerst angeboten, dass er die Sache in Ordnung bringen kann, indem er uns 200 Franken erstattet. Aber er hat nicht darauf reagiert.» Auch das Angebot, dass wir ihm das Gerät zurückbringen und er uns die 499 Franken zurückgibt, nahm er nicht an. Da erklärte ich ihm, dass ich ihn anzeigen werde und ich ging zur Polizei.»

Nach kurzer Beratung entschied das Gericht, dass der Sachverhalt des Betrugs erfüllt ist und Marko Z. wurde mit einer Busse von 500 Franken bestraft. Zudem muss er die Verfahrenskosten von über 1300 Franken bezahlen «Der Beschuldigte hat absichtlich und arglistig ein Tablet für einen viel zu hohen Preis verkauft, das gar nicht seinen Angaben entsprach», erklärte der Amtsgerichtspräsident das Urteil.

Ein Wiederholungstäter

Bei einer Schadensumme von unter 300 Franken wurde der Fall juristisch als geringfügiger Betrug qualifiziert. Glück für den einschlägig vorbestraften Betrüger: Weil er sich somit nur einer Übertretung schuldig gemacht hatte, erfolgte kein Widerruf seiner auf Bewährung ausgesprochenen Vorstrafe – obwohl die neue Tat ähnlich gelagert war.

«Ich finde diese Plattformen immer noch ganz toll», sagte Doris M. nach der Urteilsverkündung. «Aber ich habe aus dem Fall etwas gelernt. Wenn es sich um einen grösseren Geldbetrag handelt, bestehe ich nun auf einer persönlichen Übergabe und bezahle bar.» Das Geld habe sie abgeschrieben. «Ich habe mich über den Mann informiert. Offenbar macht der das nicht zum ersten Mal und er hat viele Betreibungen am Hals. Solche Betrüger gibt es viele, und die rechnen einfach damit, dass die Leute wegen kleiner Beträge nicht zur Polizei gehen.»

* Namen von der Redaktion geändert.

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