Quartett-Prozess
Oltner Millionenbetrug: Bundesgericht bestätigt das Urteil des Obergerichts

Letzter Akt im Oltner Millionenbetrugsfall: Das Bundesgericht hat die Strafen gegen zwei der vier Treuhänder bestätigt, die Anleger um über 15 Mio. Franken erleichtert haben. Die anderen beiden Angeklagten haben das Ersturteil nicht angefochten.

Lucien Fluri
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Das Bundesgericht in Lausanne (Archiv)

Das Bundesgericht in Lausanne (Archiv)

Keystone

Sie zogen ihren Anlegern Millionen aus der Tasche und verjubelten das Geld. Vier «Vermögensverwalter» aus dem Raum Olten holten sich bei ihren Kunden während zehn Jahren über 15 Mio. Franken. 2008 ist der Fall aufgeflogen. Jetzt hat das Bundesgericht das letzte Wort gesprochen: Es hat die Urteile gegen einen heute 46-jährigen Deutschen und einen 44-jährigen Aarburger bestätigt.

Kopf der Betrügerbande war der Deutsche. An bester Adresse in Zürich empfing er die Kunden in einem eigens gemieteten Büro, legte ihnen aufwendig gestaltete Prospekte vor und soll sich gar mit einem falschen Doktortitel geschmückt haben, um Seriosität vorzuspiegeln.

Den Kunden versprach er eine hohe Rendite. Tatsächlich legte er die ihm anvertrauten Gelder aber nie an. Mit einem Schneeballsystem holte der Mann neue Gelder rein, um andere ausbezahlen zu können. 78 Personen bezahlten über 25. Mio. Franken ein. Am Ende verloren 58 Anleger 15,5 Mio.

Behörde erkannte Betrug nicht

Sein Lügengebäude baute der Deutsche derart raffiniert auf, dass ihm nicht einmal die damalige Eidgenössische Bankenkommission auf die Schliche kam, als sie eine seiner Firmen 2003 erstmals unter die Lupe nahm.

Erst 2008 fiel der Betrug auf, als die Kommission erneut ein Verfahren einleitete. Das Bundesgericht bestätigte nun die sieben Jahre Haft, die das Solothurner Obergericht wegen Geldwäscherei, Urkundenfälschung und gewerbsmässigem Betrug gegen den vorbestraften Deutschen gefällt hatte.

Geld, um Rohdiamanten zu kaufen

Nur Gehilfe war ein heute 44-jährigen Schweizer. Das Amtsgericht Olten-Gösgen hatte dem Aarburger attestiert, als Schwiegersohn eines weiteren Angeklagten in den Fall hineingerutscht zu sein, und hat ihn zu zwei Jahren bedingt verurteilt.

Er habe «Denkarbeit» geleistet, damit das Konstrukt nicht aufflog, und sein Fachwissen zur Verfügung gestellt, so das Gericht. Der Buchhalter erstellte Depot- und Steuerausweise, die den Kunden periodisch zugestellt wurden.ge

Und der Familienvater profitierte auch selbst vom Betrugsunternehmen: Er liess sich von der Firma ein Darlehen über 100 000 Franken ausbezahlen. Mit dem Geld, das eigentlich den Kunden gehörte, wollte er Rohdiamanten kaufen.

Auch in seinem Fall sah das Bundesgericht keine Zweifel an der Richtigkeit des Solothurner Urteils. Die Lausanner Richter bestätigten die bedingte zweijährige Gefängnisstrafe. Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege lehnte das Bundesgericht ab. Der Buchhalter verdiene über 100 000 Franken pro Jahr, heisst es im Lausanner Urteil.

Die beiden anderen Mitglieder des betrügerischen Quartetts, ein weiterer Deutscher und ein heute 74-jähriger Oltner, haben die Urteile des Obergerichts nicht ans Bundesgericht weitergezogen.

Sie haben ihre Strafen akzeptiert. Im Falle des Deutschen waren dies dreieinhalb Jahre unbedingt. Drei Jahre Freiheitsstrafe, wovon 26 Monate bedingt, hatte der Oltner Rentner kassiert.