Logiernächte

Oltner Hotellerie bleibt Solothurn auf den Fersen

Olten lockt Touristen mit einem intakten Ensemble von Holzbrücke und Altstadt direkt an der Aare an.

Olten lockt Touristen mit einem intakten Ensemble von Holzbrücke und Altstadt direkt an der Aare an.

Seit Jahresbeginn hat sich der Abstand bei Übernachtungen bei den Städten im Kanton Solothurn verringert – Solothurn überholt derweil Biel.

Die meisten Städte in unserer Region setzen ihren Siegeszug fort: Während landesweit die Hotels seit dem Währungsschock im Januar 2015 mit weniger Übernachtungen kämpfen, legt die Stadthotellerie erneut zu. In den ersten sieben Monaten 2016 zählten fünf von acht analysierten regionalen Zentren teilweise deutlich mehr Gäste, wie die detaillierten Zahlen des Bundesamtes für Statistik zeigen.

Darüber hinaus gibt es zwei Auffälligkeiten. Die Stadt Olten holt gegenüber Solothurn mächtig auf. Mit 42 450 Logiernächten rückt die Dreitannenstadt der Ambassadorenstadt immer näher. Der Kantonshauptort zählte im Zeitraum Januar bis Juli «nur» noch 6700 Übernachtungen mehr. «Der Geschäftstourismus boomt in Olten», beobachtet Stefan Ulrich, Geschäftsführer von Olten Tourismus. Die Wirtschaftslage sei vergleichsweise stabil, das Wachstum sogar höher als vielfach vorausgesagt.

Auf das Segment «Business» entfielen 80 bis 85 Prozent aller Logiernächte. Da dieser Zweig weniger preissensibel sei, spiele auch die Wechselkurs-Problematik nur eine untergeordnete Rolle. Zudem hätten in Olten im ersten Halbjahr 2016 viele Grossanlässe und Versammlungen stattgefunden. Ferner sei es gelungen, vermehrt Freizeitreisende in die Region Olten zu locken.

Ulrich erwähnt als Beispiel den neu eröffneten Schriftstellerweg. Hochgerechnet auf das ganze Jahr sei es gut möglich, den letztjährigen Rekord von fast 69 000 Übernachtungen zu knacken. Jedenfalls ist für den Touristiker klar: «Olten bewegt sich auf Augenhöhe mit Solothurn.» Im Vergleich zum Kantonshauptort fehle Olten noch ein weiteres Hotel, zum Beispiel ein Betrieb, der einer etablierten Hotelkette angehört.

Solothurn überholt Biel

Derweil ist der Stadtsolothurner Hotellerie ein Coup gelungen. Ohne einen See – jeweils ein touristisches Highlight – ist es gelungen, das vielfach grössere Biel zu überholen. Zum ersten Mal. «Wir sind Biel schon länger auf den Fersen», freut sich Jürgen Hofer, Direktor von Region Solothurn Tourismus. Neben der positiven Entwicklung in Solothurn habe aber das Überholmanöver auch mit Biel selbst zu tun. Es seien zahlreiche Zimmer-Renovationen in den Hotels durchgeführt worden, was die Kapazität geschmälert habe.

Ob es sich also um einen Meilenstein oder ein Zufallsergebnis handle, werde sich weisen. Immerhin habe Solothurn mit der Wiedereröffnung des Hotels Krone im kommenden Jahr einen weiteren Trumpf in der Hand. Solothurn sei mit dem Geschäfts-, Seminar- und Freizeittourismus breiter aufgestellt als das Zentrum am Bielersee. «Die Altstadt inklusive touristischer Attraktionen in nächster Umgebung sei «ein touristischer Leuchtturm mit hohem Vermarktungspotenzial». Es habe sich, so Hofer, ein Tourismusbewusstsein entwickelt.

Biel dagegen habe sich in den letzten Jahren zwar stark entwickelt bezüglich Industrie, Verkehrsinfrastruktur, Stadion und Wohnen. «Touristisch ist aber eher wenig passiert.»

Biogen: Ein Plus-Faktor

Auffallend ist auch, dass in Solothurn die Zahl der Gäste aus dem Ausland um über zwölf Prozent markant gestiegen ist. Hier verweist Hofer auf die Grossbaustelle Biogen in Luterbach. Das dort tätige internationale Personal bringe spürbar zusätzliche Übernachtungen. Dieser Einfluss werde anhalten. «Ich gehe davon aus, dass im kommenden Jahr noch mehr Biogen-Mitarbeitende in unserer Region anzutreffen sein werden.»

Autor

Franz Schaible

Franz Schaible

Meistgesehen

Artboard 1