Demoklesschwert gewichen
Ohne sie gäbe es das Sinfonieorchester vielleicht bald nicht mehr

Der Bieler Gemeinderat will das Sinfonieorchester Biel Solothurn doch nicht aus Spargründen auflösen. Das freut Teres Liechti Gertsch, die die Kampagne «Pro Orchester» lancierte - auch Solothurns Stadtpräsident Kurt Fluri ist erleichtert.

Silvia Rietz
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Teres Liechti Gertsch hat die Unterschriftensammlung angestossen.

Teres Liechti Gertsch hat die Unterschriftensammlung angestossen.

Silvia Rietz

«Wir haben es geschafft», kommentierte eine glückliche Teres Liechti Gertsch am Freitag den Erfolg, die Auflösung des Sinfonie Orchesters Biel Solothurn verhindert zu haben. Das Damoklesschwert ist gewichen, die Initiative «Pro Orchester» hat rund 14’000 Unterschriften gesammelt, eine öffentliche Trendwende ausgelöst und die Bieler Exekutive in die Knie gezwungen.

Der Bieler Gemeinderat Cédric Némitz zog den Sparantrag, das Sinfonie Orchester Biel Solothurn aufzulösen und durch ein Projektorchester zu ersetzen, zurück, noch bevor er im Stadtrat (Parlament) diskutiert wurde. Teres Liechti Gertsch vom Verein Freunde des SOBS, die Orchestermusiker und der Solothurner Stadtpräsident Kurt Fluri zeigen sich erleichtert und zufrieden. Glücklich, dass die Leistungsverträge vom Stadtrat abgesegnet und die Subvention für Tobs bis und mit 2017 gesichert wurden.

«Mit dem Beibehalten des Berufsorchesters wird die erst vor kurzem erfolgte Integration des Orchesters und die Stiftung Tobs mit Sicherheit erfolgreich weitergeführt. Eine Neuverhandlung des Leistungsauftrages hätte wieder grosse Unruhe ausgelöst», kommentiert Kurt Fluri und dankt dem Bieler Stadtrat für den «weisen Entscheid», wie auch dem Unterstützungsverein SOBS. Kurt Fluri: «Allen voran danke ich Teres Liechti Gertsch für das grosse Engagement für diesen kulturpolitisch wichtigen Schritt.»

Auf allen Kanälen

Es war knapp. Ohne Teres Liechti Gertsch und den Verein gäbe es das Sinfonie Orchester Biel Solothurn vielleicht bald nicht mehr. Die Bieler Schriftstellerin und ehemalige SP-Politikerin hat die Kampagne «Pro Orchester» lanciert und in sechs intensiven Wochen eine Solidaritätsbewegung koordiniert, die einschlug. «Als ich das Sparpaket mit dem geplanten Kahlschlag sah, war mir als Präsidentin des Vereins Freunde des SOBS bewusst: Wir sind das Volk. Wir müssen den Volksvertretern zeigen, dass wir unser Orchester behalten wollen».

Bald waren Unterstützungsflyer gedruckt, Pro Orchester in den Social Medien präsent. Auf allen Kanälen entwickelte sich eine ungeheure Dynamik, brachte Helferinnen und Helfer zusammen, stützte die Initiative breit ab.

Enormes Echo ausgelöst

Die Unterschriften-Berge wuchsen. Teres Liechti Gertsch gelang es, als Initiantin, Koordinatorin und Kommunikatorin die Solidaristätsflamme zu einem Feuerwerk zu steigern. Schon früh meldete sich der berühmte Dirigent Sir Roger Norington und appellierte, für das Orchester zu kämpfen. Weltklassegeiger Renaud Capuçon, Dirigent Thomas Zehetmair, Howard Griffiths und helvetische Musikergrössen wie Matthias Bamert bescheinigten dem Orchester eine aussergewöhnliche künstlerische Qualität. Mit Schauspieler Alex Freihart (1933), von 1972 bis 1983 Direktor des Städtebundtheaters, votierte eine helvetische Legende, welche die Vergangenheit des Theaters massgeblich mitprägte. Genau so Marc Tardue, von 1992 bis 2002 Generalmusikdirektor in Biel.

Mit Dany Dvorak meldete sich die in Genf lebende Grossnichte von Antonin Dvorak zu Wort. Jenem Komponisten, dessen Rusalka zum Publikumsrenner der aktuelle Spielzeit avancierte. Doch nicht nur Prominente und Orchestermitglieder aus der ganzen Schweiz halfen beim Unterschriften sammeln. Viele Bielerinnen und Bieler setzte sich für ihr Orchester ein: Im Restaurant Schöngrün verkündete das Wirtepaar Maria und Jesus Lopez als «Evangelium» die Nächstenliebe zu Pro Orchester.

Derweil im Salon von Coiffure Vogue das Team während dem Haareschneiden ebenfalls die Werbetrommel rührte und Unterschriften sammelte. Fast die Hälfte der Unterschriften sind aus der Region Biel-Solothurn zusammengekommen, die restlichen trugen Orchester und Kulturinstitutionen aus dem ganzen Land und angrenzenden Ausland zusammen. «Sogar aus Japan hat uns ein handgeschriebener Brief erreicht», staunt Teres Liechti Gertsch.

Alle sind zusammengerückt

Der Kampf um die Zukunft schweisste Direktion und Personal des Theaterbetriebes zusammen. Alle zogen an einem Strang, machten mit spontanen Strassenkonzerten, Publikumsappellen und weiteren Aktionen auf die Bedrohung aufmerksam. «Wir werden nun motiviert und von grosser Sympathie getragen am 6. Mai im Kongresszentrum auftreten. Auf dem Programm steht zwar Beethovens siebte und nicht die neunte Sinfonie, wir werden sie aber trotzdem als eine «Ode an die Freude» spielen», schmunzelt Flötist Beda Mast.

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