Berufsbildung oder Matura
Ohne Sek P nicht ins Gymnasium? «Wir wollen Sek-E-Schülern die Angst nehmen»

Im Kanton Solothurn ist der Anteil der Progymnasiasten zu hoch. Das kantonale Volksschulamt legt Wert darauf, Eltern den Weg über die Sek E zur Matura aufzuzeigen.

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Ein neues Schuljahr beginnt auch in der Kantonsschule Solothurn. (Archiv)

Ein neues Schuljahr beginnt auch in der Kantonsschule Solothurn. (Archiv)

Felix Gerber

Die Tendenz ist so eindeutig wie unerwünscht: Der Anteil an Schülerinnen und Schülern, die nach der Primarstufe an die Sek P (Progymnasium) wechseln, ist im Kanton Solothurn zu hoch. Der Befund ist nicht neu.

Bereits seit 2011, als nach der Sek-I-Reform erstmals der Übertritt in die völlig neu gestaltete Oberstufe erfolgte, gibt es zu viele Progymnasiasten. Die Planzahlen (Richtgrössen) sehen 15 bis 20 Prozent eines Jahrgangs in dieser Stufe vor. Im beginnenden Schuljahr beträgt der Anteil 25,7 Prozent, wie die Grafik verdeutlicht.

Im Gegenzug sind die Übertritte in die Sek E (Erweiterte Anforderungen) eher zu tief. Dort betragen die Richtgrössen 40 bis 50 Prozent. Diese Vorgabe wird dieses und vorgängiges Schuljahr knapp erreicht, in den Jahren zuvor waren die Anteile zu niedrig. Im Lot sind die Übertritte in die Sek B (Basisanforderungen), wo 30 bis 40 Prozent eines Jahrgangs vorgesehen sind.

Im kantonalen Volksschulamt erklärt man die hohen Sek-P-Anteile mit dem Streben nach der Matura. «Oft wollen Eltern für schulisch erfolgreiche Jugendliche den gymnasialen Weg offen halten», sagt die stellvertretende Amtschefin Yolanda Klaus. Die Sek P führt nach zwei Jahren und vier Jahren Gymnasium auf dem kürzesten Weg zur Matura. Da die Übertritte in den jeweiligen Sekundarschulkreisen erfolgen, könne das Volksschulamt vor allem informieren.

«Wir versuchen, die Schulen zu sensibilisieren, dass an den Elterninformationsabenden in der Primarschule die verschiedenen Wege im Bildungssystem aufgezeigt werden und den Eltern den Weg in die Berufsbildung, der über drei Jahre Sek E führt, zu erklären», so Klaus.

Ab diesem Schuljahr wird der Weg zur Matura über die Sek E erleichtert. «Das soll die Angst nehmen, dass man ohne Sek P nicht ins Gymnasium übertreten könne.» Wer nach drei Jahren Sek E nicht eine Berufslehre, sondern eine Hochschule anvisiert, kann ab Sommer 2018 mit den erforderlichen Notenschnitten prüfungsfrei an die Kanti übertreten. Voraussetzung ist ein Notenschnitt von mindestens 5,2.(crs)