Ein obligatorischer Kurs für Hündeler soll zu weniger Bissvorfällen führen. Das war die Idee hinter dem Sachkundenachweis, der 2008 eingeführt wurde. Letztes Jahr wurde er auf Bundesebene wieder abgeschafft. Der Grund: Die Bissvorfälle nahmen nicht ab. Zudem kontrollierte auch nicht jeder Kanton, ob die Hundehalter die Kurse wirklich besuchten.

Die Hundetrainer verdienten aber gutes Geld mit den Kursen. Theorie- und Praxisteil kosteten je rund 150 Franken. Das kriegen einige Trainer nun zu spüren. Danielle Boschung bietet die Kurse im «Hundeobedience» in Lüterswil weiterhin an. Aber: «Die Kurse sind gar nicht mehr gefragt», berichtet die Trainerin. Freiwillig hat dieses Jahr noch kein Hündeler den Kurs gebucht.

Vor der Abschaffung sei jeder vierte durchgeführte Kurs am «Hundeobedience» ein Sachkundenachweis-Kurs gewesen, so Boschung. Wie viel weniger die Hundeschule nun einnehme, kann sie nicht sagen. «Wir merken das aber», so Boschung.

Freiwillige Alternativen

Susan Röthlisberger arbeitet ehrenamtlich für den kynologischen Verein Niederamt. Mit den Kursen, die sie dort gibt, verdiene sie sich zwar ein «Sackgeld», mache aber nicht das grosse Geld. Dementsprechend schmerze die Abschaffung den Verein finanziell nicht. Zudem bietet der Verein einen «Junghundeerziehungskurs» an, der ziemlich identisch mit dem Sachkundenachweis sei und weiterhin besucht werde.

Auch Sabina Baumann aus Gerlafingen ist finanziell nicht auf ihre Hundeschule «Rägeboge» in Koppigen angewiesen. Diese führe sie als Hobby. Sie bietet den Sachkundenachweis weiterhin an, sobald Besucher ihrer Hundeschule Interesse anmelden. Ansonsten setzt sie aber auf Lernspaziergänge in der Gruppe und Einzellektionen für Neuhündeler. Die Sachkundenachweis-Kurse waren auch für Sabine Spiegel aus Bellach vom Verein KV Wengi «nicht lukrativ». «Ich habe deshalb keine grossen Einbussen.» Zudem biete der Verein stattdessen einen Familienhundekurs an, welche dem Sachkundenachweis praktisch gleichkomme.

Kurse verhindern keine Bisse

«Oftmals wollen Halter nicht eingestehen, dass sie Probleme mit ihrem Hund haben, und buchen deshalb auch nicht von sich aus einen Kurs», sagt Boschung vom «Hundeobedience». Mit einigen «Problemhunden» habe man in den Kursen arbeiten können – als diese noch obligatorisch waren.

Es komme gar nicht darauf an, welchen Kurs ein Hundehalter besuche: «Die Hauptsache ist, dass sich ein Halter mit seinem Hund beschäftigt», meint Röthlisberger. Auch wenn das die Anzahl Bissunfälle nicht senken könne. Solche Unfälle werde es immer geben – schliesslich gebe es auch immer mehr Menschen und Hunde auf immer engerem Raum.

«Es wird nun wohl mehr Hündeler geben, die sich aufs Geratewohl einen Hund anschaffen», meint Baumann. In der Hundeschule «Rägeboge» habe man mit dem Kurs gute Erfahrungen gemacht: «Die Hundehalter, die einen Kurs besucht haben, gehen viel rücksichtsvoller mit Joggern oder Velofahrern um.»

Boschung vom «Hundeobedience» würde es begrüssen, wenn es irgendwann wieder Pflichtkurse gäbe. «Viele Hundehalter fallen negativ auf, weil ihre Hunde Passanten belästigen oder Wildtiere reissen.» Sie glaube aber nicht daran, dass ein Obligatorium nach der Abschaffung nochmals durchkommen werde.

Spiegel aus Bellach sagt zudem klar: «Die Hundehalter, die den Kurs nicht machen wollen, tun das auch nicht, wenn er obligatorisch ist. Punkt.» Der Grundgedanke der Kurse sei aber «nicht so verkehrt» gewesen. Tipps und Tricks seien sowohl für Neuhundehalter als auch langjährige Hündeler wichtig.

Das bestätigt Baumann. «Hundehalter lernen in so einem Grundkurs, wie sie sich mit ihrem Hund im öffentlichen Verkehr oder bei einem Waldspaziergang verhalten sollen.» Denn, das sei das Wichtigste bei den Kursen: «Wir müssen nicht die Hunde erziehen. Sondern die Hundehalter.»