Auf einen Kaffee mit ...
Oetterli-Kaffeeröster führt einen «Kampf um jede Bohne»

Bernhard Mollet, Inhaber der Solothurner Kaffeerösterei Oetterli & Co AG, erzählt vom heutigen Kaffee-Business. «Wenn du branchenfremd bist, hast du null Chancen», so Mollet.

Wolfgang Wagmann
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Kaffeeröster Bernhard Mollet bevorzugt einen schwarzen Espresso – ohne Zucker und anderen Schnickschnack.

Kaffeeröster Bernhard Mollet bevorzugt einen schwarzen Espresso – ohne Zucker und anderen Schnickschnack.

Wolfgang Wagmann

«Am liebsten schwarz wie die Nacht. Espresso. Früher nahm ich ihn nur mit Zucker. Heute lüpfts mich, wenn ich dran denke. Ich will das Aroma des Kaffees voll spüren.» Eine klipp und klare Ansage von einem, der sich beim Thema Kaffee auskennt, auskennen muss. «Das war am 1. Februar 2010», erinnert sich der 42-jährige Bernhard Mollet noch genau an jenen Tag, als er in der Vorstadt die altehrwürdige Kaffeerösterei und Essigfabrik Oetterli & Co. betrat, um sie vor bald zwei Jahren dann definitiv zu übernehmen.

«Hubi Oetterli und ich kannten uns vorher nicht. Ich rief ihn an, weil ich wusste, dass er eine Nachfolgelösung suchte.» Mollet, damals Geschäftsführer einer Berner Kaffeerösterei, gehört nun das Geschäft mit 15 Mitarbeitenden. So etwas könne nur einer machen, der das Metier kenne – «wenn du branchenfremd bist, hast du null Chancen», räumt Bernhard Mollet unumwunden ein.

Filterkaffee kommt wieder auf

Als «Kampf um jede Bohne» bezeichnet der Kaffee-Insider heute den Markt – obwohl fast jede und jeder sich täglich eine oder mehrere Tassen gönnt. «Aber hier im Kanton Solothurn schauen wenigstens noch viele, dass sie regionale Lieferanten berücksichtigen können. Das finde ich supersympathisch. In anderen Gegenden ist das nicht selbstverständlich.» Im Kaffeegeschäft sei es auch wichtig, dass die Kundschaft den Lieferanten sehe und sie kenne.

«Zu 40 Prozent bin ich draussen». Mollet sagt nicht «an der Front». Geschäften hat für ihn auch mit Lustprinzip zu tun. «Der Chef muss ein Vorbild sein.» Selbstverantwortung sollen die Mitarbeitenden übernehmen – und auch Ferien machen. «Nach zwei Wochen Herbstferien mit der Familie bin ich wieder frisch im Kopf und im Herz und hatte zwei zündende Ideen. Diese ‹Eingebungen› hat man im hektischen Arbeitsalltag eher selten», freut sich der Geschäftsinhaber, der wieder an eine HESO-Teilnahme im nächsten Jahr denkt.

Bohnenkaffee, Mahlkaffee oder Kapselkaffee. Ist bei Bernhard Mollet alles zu haben. Er versteht sich als «Gesamtanbieter», und «etwas Neues wie die ‹Bacino›-Kaffeekapsel ist immer gut fürs Image.» Im Kaffeeland Schweiz – landesweit gibt es 80 Röstereien – sei er allerdings «zu klein, um neue Trends zu setzen». Obwohl, es gibt sie. «Filterkaffee ist beispielsweise gerade ein Thema. Oder nach 20 Jahren, in denen er eher geächtet war, der säurehaltige Kaffee.» Eine angenehme Säure, nicht aggressiv, gewonnen mit dem hellen Rösten der Arabica-Bohne. Man merkt, Kaffee ist Mollets Leidenschaft. Er nippt an seinem Espresso. Sollten wir nicht noch kurz über den Essig reden? Der sportliche Geschäftsmann winkt ab. «Essig weckt bei Weitem nicht die Emotionen wie der Kaffee! Die Lebensmittelindustrie braucht ihn. Und einmal im Jahr gehts um den Preis.»

Das wars. Trotzdem, das Label Oetterli steht für Kaffee und Essig. Erzeugt im niedrigen Flachbau mitten in der Vorstadt. «Manchmal komm ich mir hier schon vor wie Asterix und Obelix. Wenn die neue Berufsschule nebenan gebaut ist, sind alle Häuser ringsum doppelt so hoch wie unsere Fabrik.»

Bald 120 Jahre in der Vorstadt

Auch für Bernhard Mollet ist klar, dass sich die Vorstadt wie in den meisten Städten vom Gewerbe- immer mehr zum Geschäfts- und Wohnviertel wandelt. Ohne Geruchsemissionen. «Die Fabrik ist nicht das Problem der Stadt oder der Anwohner, sondern meins», stellt der Geschäftsinhaber denn auch nüchtern fest. «Aber im Grossen und Ganzen kommen wir gut zusammen aus.»

Das seit bald 120 Jahren in der Vorstadt produzierende Unternehmen «gehört zu Solothurn». Aber allein damit sei es nicht getan. Und so schaut Bernhard Mollet, was zu tun ist. Nächstes Jahr muss er auf Geheiss der Amtsstellen einen Katalysator auf dem Dach einbauen. Er klagt nicht darüber, sagt aber freimütig, dass die Auflagen immer strenger würden und auch die Probleme mit der Logistik nicht kleiner.

Die schwierigen Bedingungen im Betrieb an der Niklaus-Konrad-Strasse fasst Mollet knapp zusammen: «Ich vergleiche den Standort mit einem 40-jährigen Auto: kein ABS, keine Klimaanlage, weder Servolenkung noch ein GPS. Aber es fährt.» Vorderhand noch mit Bernhard Mollet. Der am Steuer sinniert: «Ein Standortwechsel ist vorderhand kein Thema. Doch im Hinterkopf geistert er schon herum.» Aber – Solothurn müsste es für ihn sein.

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