Rollstuhlmarathon
«Oensingen» – einmal mehr in einer Top-Besetzung

200 Startende in 29 Kategorien: Das sind die Merkmale des Internationalen Rollstuhlmarathons Oensingen 2013.

Drucken
Teilen
Handbiker in Aktion zvg

Handbiker in Aktion zvg

Am Sonntag, 2. Juni, findet bereits zum zwölften Mal ein Rollstuhlmarathon in Oensingen mit einem internationalen Klassefeld statt. Zum ersten Mal wird diese beliebte Veranstaltung am Sonntag stattfinden. Über 200 Startende in 29 Kategorien sind angemeldet. Einen Tag vorher kommt es im solothurnischen Recherswil zu einem Paracycling Einzelzeitfahren. Dieses Rennen mit rund 170 Startenden findet bereits zum dritten Mal statt.

Die über 200 Profiathleten starten in den Disziplinen Leichtathletik und Handbike nach Weltrangliste. Diese beiden Disziplinen unterscheiden sich folgendermassen: Der Handbiker sitzt auf Boden- und Beinhöhe und betreibt die Pedalen mit den Händen. Der Leichtathlet hingegen startet im Sport-Rollstuhl und treibt die Räder mit den Händen an. Behindertensport-Anlässe geniessen eine besondere Bedeutung und verdienen mindestens den gleichen Stellenwert wie übliche Sportwettkämpfe. Behindertensportler sind besonders motiviert und begeistert und scheuen auch längere Reisen an Wettkampforte nicht. Das widerspiegelt sich immer wieder im Teilnehmerfeld.

Grosses Aufeinandertreffen

Bei den Damen kommt es in der Rollstuhl-Leichtathletik (Marathon 42,195 km) zum grossen Aufeinandertreffen von Paralympics-Favoritinnen und der dortigen Medaillengewinnerin Amanda McGrory (USA), gegen Edith Wolf-Hunkeler (SUI), Diane Roy (CAN) und Shirley Reilly (USA). Das Rennen dürfte unter diesen vier Fahrerinnen ausgemacht werden. Die Engländerin Shelly Woods, Zweitklassierte des Paralympics-Marathons, fährt nur das 14-km-Rennen. Die Schweizerin Sandra Graf (23. in London) wird man in Oensingen im Handbike sehen.

Bei den Herren kommt es zum Aufeinandertreffen des englischen Super-Hero David Weir (4-facher Goldmedaillengewinner) und dem Schweizer Marcel Hug, welcher gerade wegen Weirs Dominanz seine Ziele im letzten Jahr nicht ganz erreichte. Das wird ein Highlight der diesjährigen Austragung des Rollstuhlmarathons werden. Aber auch die Japaner Kota und Kozo, sowie der Pole Hamerlak werden eine Spielverderberrolle einnehmen wollen. Die beiden weiteren Schweizer Cornel Villiger und Tobias Lötscher wollen mit guten Zeiten eine Selektion für die Weltmeisterschaft vom Juli in Lyon anstreben.

Eine spannende Angelegenheit wird zudem das Damenrennen über 14 km werden, wo die besagte Engländerin Shelly Woods auf die Schweizerin Manuela Schär treffen wird, welche jüngst in Padua ihr Debüt im Marathon gegeben hat und mit einer Zeit von knapp über 1 Stunde 48 Minuten für Aufsehen sorgte.

Mit internationaler Topbesetzung

Spannende Rennen mit grossen Starterfeldern wird man im Handbike vor allem bei den Herren der Kategorien MH1, MH2, MH3 sehen. Aber auch MH4 mit den Kniebikern wird wegen einer Person im Fokus stehen: Alex Zanardi – früherer Formel-1-Rennfahrer und heutiger Doppel-Paralympicssieger von London.

MH1 ist die Kategorie des Schweizer Überraschungsmannes von London Tobias Fankhauser. Er hat in den letzten Jahren kontinuierliche Fortschritte gemacht und in seinen noch jungen Jahren bereits eine Silbermedaille gewonnen! Er gehört zum engsten Favoritenkreis in Oensingen.

In MH2 treffen die starken Schweizer Lukas Weber, Jean-Marc Berset und der Solothurner Heinz Frei auf harte Konkurrenz aus USA, Italien, Frankreich, Deutschland und ... Libanon! Speziell Vittorio Podesta ist ein Garant für stete Topklassierungen. Der Amerikaner Matt Updike oder der Deutsche Max Weber sind jederzeit für Podestplätze gut. Und: Der Franzose David Franek – wenn er einen guten Tag erwischt – ist kaum zu bezwingen. Der Libanese Edward Maalouf wird mit neuem Material auf dieser Strecke ebenfalls bevorzugtes Terrain vorfinden.

Zwei Schweizerinnen im Fokus

Bei den Damenkategorien sind die Augen auf zwei Schweizerinnen gerichtet: Sandra Graf, welche ihre lange Karriere an den Paralympics London endlich mit einer Goldmedaille krönte, nachdem sie schon fast als ewige Zweite gegolten hat. Und Ursula Schwaller. Die vielfache Weltmeisterin hatte in London zwar enttäuscht. Sie schaltet jetzt im Handbike ein Zwischenjahr ein, um sich beim Rudern zu versuchen. Die Herausforderung «Oensingen» will sie aber trotzdem annehmen.

1991 ins Leben gerufen

Der Internationale Rollstuhlmarathon in Oensingen gibt es seit 1991. Er wurde von initiativen Leuten des Rollstuhlclubs Solothurn nach dem Vorbild des Rollstuhlmarathons rund um den Sempachersee geschaffen. Zwischenzeitlich hat sich «Oensingen» mehr als etabliert und lockt alle zwei Jahre die Weltelite in die Gäuer Metropole. Dieses Jahr werden erstmals auch sehbehinderte Fahrer mit Steuermann/-frau auf Tandems in Erscheinung treten. Der UCI (Union Cycliste International) schreibt ausserdem vor, dass ein Rennveranstalter eines Rennens mit Status UCI die ganze Palette der Klassifikationen durchführen muss.

Neben aller Klassen im Handbike sowie den Dreirädern sind Tandems (sehbehindert) und Cycles (Behinderungen wie Amputationen und Hirnschädigungen) am Start. Mit der Verlegung des Rennens von Samstag auf Sonntag erhoffen sich die Organisatoren auch wieder vermehrt Zuschauer entlang der Strecke (Oensingen–Oberbuchsiten–Neuendorf–Niederbuchsiten–Kestenholz–
Oensingen). Die Organisatoren schütten heute ein Preisgeld von bis zu 25 000 Franken aus. (pd)

Aktuelle Nachrichten