Solothurner Alters-Studie

Ökonom Binswanger zur alternden Region: «Diese Entwicklung schafft auch Arbeitsplätze»

Ökonom Mathias Binswanger von der Fachhochschule Nordwestschweiz.

Ökonom Mathias Binswanger von der Fachhochschule Nordwestschweiz.

Eine Studie liefert erstmals Prognosen dazu, wie sich die Gesellschaft in der Region Solothurn bis 2033 verändert. Fazit: Bis dahin soll es rund 60 Prozent mehr Senioren geben, auf Gemeinden kommen hohe Kosten zu. Der Professor Mathias Binswanger über die Dringlichkeit der Studie - und wie es nun weitergeht.

Mathias Binswanger, die Gesellschaft wird immer älter. Das weiss man schon länger. Warum jetzt diese Studie?

Mathias Binswanger: Weil die Sache immer dringlicher, das Thema immer intensiver wird. Wir können das nicht länger vor uns herschieben. In der Politik agiert man meist eher kurzfristig; wenn den Gewählten ein Thema in einer Amtsperiode nicht hilft oder es zu langfristig ist, lässt man es oft bleiben. Nun ist aber das Jahr 2033 gar nicht mehr so weit weg.

Waren Sie von den Ergebnissen der Studie trotzdem überrascht?

Ja – und zwar darüber, dass die Entwicklung in einzelnen Gemeinden wirklich sehr stark ist.

Wir haben nun jede Menge Zahlen, Probleme, die die Studie aufzeigt. Und jetzt?

Jetzt kommt die Frage: Was machen wir damit? Man kennt jetzt die Kostenentwicklungen in den einzelnen Gemeinden. Nun geht es darum, zu prüfen, wie man damit umgeht – welche wirtschaftlichen oder auch technischen Möglichkeiten man hat. Pflegeroboter etwa könnten ein Thema werden. Bevor man aber konkret handelt, muss man überhaupt abklären, welche Optionen man im Kanton hat. Der Bedarf ist nun ja erwiesen.

infogram: Pensionierte und Erwerbstätige in der Region Solothurn plus Veränderung der Einkommenssteuer von 2017 bis 2033

Besteht im Kanton die Gefahr, dass es zu Alterssiedlungen kommt, in welchen fast nur noch Senioren leben?

Diese Gefahr besteht tatsächlich. Solche soziale Veränderungen gab es zwar schon früher – etwa, wenn einzelne Berufsgruppen dominierten. Landwirte beispielsweise. Hier wurde es dann schwierig, wenn für Betriebe etwa keine Nachfolge gefunden wurde. Im Bereich Alter muss man jetzt darauf achten, dass das Thema nicht ausartet. Das beginnt etwa schon bei der Bauweise in den Gemeinden, wo bisher teilweise zu wenig überlegt wurde. So gibt es verschiedene Siedlungen mit Einfamilienhäusern. Dort ziehen ganze Generationen hin – am Schluss lebt aber nur noch das alternde Paar in der Gemeinde.

Man spricht im Zusammenhang mit Alter oft von Risiken. Bietet die Entwicklung auch Chancen?

Klar. Dadurch wird der Motor im Gesundheitswesen ja auch angetrieben. Dienstleistungen aus diesem Sektor sind gefragt. Das schafft auch Arbeitsplätze.

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