Autobranche

Occasionen werden wegen Euroschock günstiger

Der schwache Euro drückt die Neuwagenpreise, und in der Folge werden auch Occasionen günstiger. Für die Händler schrumpfen die Margen.

Der schwache Euro drückt die Neuwagenpreise, und in der Folge werden auch Occasionen günstiger. Für die Händler schrumpfen die Margen.

Die Kunden freuts: Der Euroschock lässt die Preise für Neuwagen purzeln. Die Garagiers dagegen beklagen sinkende Margen, weil sie auch die Preise für Gebrauchtwagen nach unten anpassen müssen. Ansonsten werden diese unverkäuflich.

Der Sturm an der Währungsfront hinterlässt im Autogewerbe tiefe Spuren. Kaum hatte die Schweizerische Nationalbank den Mindestkurs Mitte Januar aufgehoben, purzelten die Preise für Neuwagen. «Eurorabatte» im zweistelligen Prozentbereich wurden zum Standardangebot.

Die Aufhebung der Wechselkursuntergrenze habe sich sofort auf seinen Betrieb ausgewirkt, erklärt Heinz Frey, der die Thal-Garage AG in Aedermannsdorf in zweiter Generation führt.

Der seit damals gewährte Euro-Rabatt von 16 Prozent auf Neuwagen werde sich auf die Umsätze auswirken. «Wir hoffen zwar, dank den tieferen Preisen leicht mehr Neuwagen verkaufen zu können. Aber den Preisrückgang werden wir nicht voll kompensieren können.»

Gleichzeitig habe er die Preise für die Gebrauchtwagen ebenfalls senken müssen. «Wenn die Preise für Occasionen zu nahe an jenen für Neuwagen liegen, kauft kein Mensch mehr Gebrauchtwagen.» Und ältere Occasionen würden nach dem Preisrutsch praktisch unverkäuflich.

Die Gebrauchtwagen müssten «deutlich günstiger sein als die Neuwagenangebote», bestätigt Philipp Vogelsang, Chef der Grenchner Garage Vogelsang AG. So habe er die Preise zwischen acht und zehn Prozent angepasst.

Es komme gar vor, dass Gebrauchtwagen mit Verlust abgesetzt werden müssen. Dies schliesst auch Dino Graf, Konzernsprecher der Amag-Gruppe, nicht aus. «Wir haben auf den Occasionen, die nicht älter als zwei Jahre sind, Europrämien von bis zu 10 000 Franken angeboten.»

Den Mechanismus zwischen Neuwagen- und Gebrauchtwagenpreis illustriert René Bobnar, Garagier in Hägendorf und Präsident der Solothurner Sektion des Automobil Gewerbe Verbandes Schweiz, anhand eines konkreten Beispieles:

Wenn ein Kleinwagen heute netto noch 12 000 Franken kostet und von der herstellereigenen Bank noch mit einem zinsfreien Leasing angeboten wird, werde es schwieriger, eine dreijährige Occasion mit 40 000 Kilometer für 9500 Franken zu verkaufen. «Ausser ich setze den Preis wesentlich tiefer an, was für den Händler dann wiederum einen Verlust darstellt.»

Eurotax, Spezialist für Fahrzeugbewertungen und Anbieter zahlreicher Marktdaten, hält fest: «Rund 55 Prozent aller Occasionsangebote, die vor dem Kurssturz des Euro publiziert wurden, wurden beim Preis reduziert.»

Wie stark die Preise für Gebrauchtwagen gesunken sind, zeigt die Auswertung der Internetplattform Autoscout24. Demnach haben sich die Preise für Vorführmodelle seit Ende 2014 um 5 und für Occasionen um knapp 2 Prozent reduziert.

Die Erhebung sei für die Branche repräsentativ, seien doch über 90 Prozent der Garagisten Kunden der Internet-Handelsplattform.

Besonders gravierend seien die nötigen Wertberichtigungen auf den Lagerbeständen, insbesondere den Occasionen, schildert Heinz Frey von der Thal-Garage AG, die in Aedermannsdorf 14 und im Zweitbetrieb in Develier JU 8 Mitarbeitende beschäftigt.

«Da verlieren wir sehr viel Geld.» Die Gewinnmarge werde sinken. Der Rückgang könne nur aufgeholt werden, wenn entsprechend mehr Autos verkauft würden. «Unser Betrieb ist bereits schlank strukturiert und weitere Rationalisierungsmassnahmen sind nicht möglich.»

Die Problematik ist grössenunabhängig, wie die Anfrage bei der Garage Gautschi AG in Langenthal ergibt; sie beschäftigt in zwei Betrieben gegen 130 Angestellte. «Im beratungsintensiven Fahrzeughandel sind weitere Rationalisierungen kaum mehr möglich», sagt Firmenchef Andreas Gautschi. Eine volle Kompensation des Margenzerfalls sei nicht realistisch.

Überraschend ist, dass die Autoverkäufe in den ersten beiden Monaten 2015 kumuliert trotz Eurorabatten nicht zugenommen haben. Landesweit wie in den Kantonen Solothurn und Bern ist der Absatz sowohl für Neuwagen wie Gebrauchtwagen gesunken.

Auf den zweiten Blick ergibt sich – zumindest bei den Neuwagen – ein anderes Bild. Nach einem schlechten Januar sind die Verkäufe im Februar über zwei Prozent gestiegen. «Die Neuzulassungen werden sich in den nächsten Monaten weiter verbessern; diverse Importeure vermelden hohe Bestellungseingänge», heisst es bei Eurotax.

Der Neuwagenverkauf verlaufe über alle vertretenen Automarken sehr positiv, bestätigt Sven Kammer, Geschäftsführer der Garage Galliker AG in Bellach. Und Philipp Vogelsang rechnet «mit einer klaren Steigerung, weil der Kunde heute für gleich viel Geld mehr Auto kriegt».

Für das ganze Jahr sind nicht alle so optimistisch. «Wir erwarten einen leicht rückläufigen Markt, weil die wirtschaftlichen Unsicherheiten nicht zu kostenintensiven Investitionen motivieren», sagt stellvertretend Amag-Sprecher Dino Graf.

Im Occasionenmarkt rechnet der Langenthaler Garagist Andreas Gautschi nicht mit preisbedingten Zusatzkäufern. «Wenn ein Käufer sich einen Preisrahmen gesetzt und entschieden hat, für 20 000 Franken einen Gebrauchtwagen zu kaufen, dann kauft er anstatt einer vierjährigen eine dreijährige Occasion.»

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