Im Frühling 2017 brach Kustrim E. (Name geändert) in Grenchen zweimal im Morgengrauen in Lebensmittelgeschäfte ein, um Bargeld, Zigarettenstangen und Glückslose zu stehlen. Das Amtsgericht Solothurn-Lebern sprach ihn am Dienstag des mehrfachen Diebstahls, der Sachbeschädigung und des Hausfriedensbruchs schuldig. Weil er nun auch noch eine zur Bewährung ausgesetzte Freiheitsstrafe aus dem Jahr 2012 verbüssen muss, führte dies zu einer happigen Gesamtstrafe von 28 Monaten.

Pikant am Fall: Der heute 35-jährige Kosovare war zur Tatzeit bereits mit einer fünfjährigen Einreisesperre belegt, die das Staatssekretariat für Migration nur wegen einer Ausnahmeregelung für zwei Monate suspendiert hatte. Trotz Landesverweis durfte Kustrim E. seine drei leiblichen Kinder besuchen.

Alleine im Kosovo

Seit dem Landesverweis lebt Kustrim E. alleine im Elternhaus im Kosovo. «Ich kenne nicht viele Leute, ich war ja vorher nie länger dort. Es war nicht einfach für mich», erklärte er dem Gericht. Die Sprache sei kein Problem, aber Arbeit habe er trotzdem nie gefunden. Er sei von seiner Mutter und Freunden finanziell unterstützt worden.

In den Schulferien besuchten ihn jeweils die Kinder. «Aber ich möchte wieder hier leben, arbeiten und für meine Kinder schauen», sagte Kustrim E. auf die Frage, wie er sich seine Zukunft vorstelle. Dieser Wunsch wäre vielleicht sogar in Erfüllung gegangen, wenn er sich an die Gesetze gehalten hätte: Im März des kommenden Jahres läuft das bestehende Einreiseverbot aus. Weshalb er diese Hoffnung mit Einbrüchen aufs Spiel setzte, konnte der Angeklagte dem Gericht nicht erklären.

Als Kind war Kustrim E. in die Schweiz gekommen, er hat die Schule absolviert und eine Lehre abgeschlossen. «Die Dauer der Freiheitsstrafe ist weniger bedeutend», führte sein Verteidiger im Plädoyer aus, «im Gefängnis kann er die Heroinsucht in den Griff bekommen und den Kontakt mit seiner Familie pflegen. Der Landesverweis würde dagegen sein Leben ruinieren. Seine Kinder müssten ohne ihren Vater aufwachsen». Es handle sich hier also um einen besonderen Härtefall.

Wenn es das erste Delikt wäre ...

Angesichts der vielen Vorstrafen, darunter sogar ein Raubüberfall, fiel die Abwägung des Amtsgerichts Solothurn-Lebern trotzdem negativ aus. «Das öffentliche Interesse daran, dass Sie das Land verlassen, wiegt schwerer als Ihr privates Interesse, bei der Familie leben zu dürfen», fasste Gerichtspräsident Yves Derendinger dies zusammen. «Dass Sie hier eine Lebenspartnerin und drei Kinder haben, würde die Bedingungen eines Härtefalls erfüllen, wenn es sich um das erste Delikt gehandelt hätte.

Aber die Rückfallgefahr ist zu gross, das beweist Ihre Vergangenheit. Der frühere Strafvollzug nützte nichts, eine Verwarnung des Migrationsamtes zeigte keine Wirkung. Sie haben zwar insgesamt 22 Jahre in der Schweiz gelebt, aber Sie halten sich nicht an unser Rechtssystem und Sie haben hohe Schulden angehäuft.» Das Gericht verfügte deshalb, dass Kustrim E. nach Verbüssung seiner Freiheitsstrafe von 28 Monaten für weitere sieben Jahre des Landes verwiesen wird.