Region

Obstbauern fürchten nach Kälteeinbruch um ihre Ernte – die Aprikosen sind schon verloren

Der Schnee und das kalte Wetter machen den Obst- und Gemüsebauern in der Region zu schaffen. Besonders für die Aprikosen ist der Schnee schlecht.

Optimisten haben ihre Winterschuhe schon Ende März im Schrank verstaut oder gar auf den Dachboden verbannt. Dafür wurden sie am Mittwoch mit kalten Füssen bestraft. In der Region schneite es so, wie es sich die meisten jeweils in der Weihnachtszeit wünschen.

Was die Optimisten in den dünnen Frühlingsschuhen lediglich ärgert und schlimmstenfalls mit einem Schnupfen bezahlt wird, hat für andere ernsthafte Auswirkungen. So müssen Obst- und Gemüsebauern um ihre Ernte fürchten.

Aprikosenernte ist zerstört

«Es ist schon nicht das, was man sich wünscht», sagt Obstbauer Mathias Anderegg aus Wangen bei Olten lakonisch. Für seine Aprikosenernte sieht er seit dem Kälteeinbruch vom Mittwoch schwarz, rund 50 Kilo Aprikosen hat er verloren. «Steinobst ist leider noch empfindlicher als Kernobst», so Anderegg. Der Verlust schmerzt ihn aber nicht stark, seine wichtigste Einnahmequelle sind seine Apfelbäume.

Diese schützt er mit Frostschutzgebläsen vor der Kälte. Die drei Maschinen haben jeweils einen Radius von 70 Metern und blasen warme Luft über die Bäume. Damit kann Anderegg einen grossen Teil seiner Apfelernte retten. Offene Blüten leiden aber trotzdem unter dem Schnee. «Hat eine Blüte das Ballonstadium überschritten und sich geöffnet, dann kann sie sich gegen die Kälte nicht mehr schützen».

Qualität der Erdbeeren leidet

Gemüsebauer Michael Studer aus Boningen macht die Kälte ebenfalls Sorgen. Vor allem Erdbeeren, Blumenkohl und Broccoli seien kälteempfindlich, so Studer. Einen Teil seiner Erdbeerstauden hat er mit Vlies abgedeckt, damit die Früchte schneller reif werden. Das hat jetzt möglicherweise Konsequenzen, denn durch das Gewicht des Schnees wird der Stoff nach unten gedrückt. «Wenn das Vlies zu sehr auf den Blüten aufliegt, dann können sich die Früchte verformen», fürchtet Studer.

Auch die Tomaten und Gurken, die er im Gewächshaus zieht, muss Studer im Auge behalten. «Dort darf die Temperatur nicht unter fünf Grad fallen, sonst ist die Ernte hinüber». Froh ist er darüber, dass er keine Spargeln angepflanzt hat. «Das wäre eine Katastrophe. Wenn man die Spargeln jetzt abdeckt, dann brechen sie. Und wenn man sie nicht abdeckt, dann gehen sie kaputt». Ob der Schnee seinen Pflanzen geschadet hat, weiss er nicht. «Das sehe ich dann im Sommer.»

Schuld liegt bei Konsumenten

Grundsätzlich werden Gemüse- und Obstbauern von Kälteeinbrüchen im April nicht überrascht. Gemüsebauer Studer will deshalb nicht hadern: «Solche Kälteperiode im Frühling sind nichts Neues, das gibt es immer wieder», meint er. «Damit müssen wir halt leben, das ist höhere Gewalt.»

Das Hauptproblem sieht er anderswo: Es sei so, dass die Konsumenten heute die Gemüsesorten immer möglichst früh im Laden erwarten. «Damit steigt dann für uns das Risiko, dass das Wetter die Ernte ruiniert».

Das Saisonbewusstsein fehlt

Auch Hobbygärtner könnten sich dieser Tage aus einem ähnlichen Grund ärgern, fürchtet Gärtner Anton Fleischli aus Wangen bei Olten. «Viele Leute kaufen heute schon im Frühling Sommerflor, und bringen diesen dann auch bei den ersten Sonnenstrahlen nach draussen. Früher hat man damit bis im Mai gewartet.»

Während Frühlingsblumen wie Tulpen und Stiefmütterchen Schnee und Kälte trotzen, müssen Geranien nach einem Kälteeinbruch meistens entsorgt werden. «Viele Kunden wissen einfach nicht mehr, welche Pflanzen zu welcher Jahreszeit Sinn machen», so Fleischli. Saisonflor werde so immer mehr zum Wegwerfartikel.

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