CVP-Nationalratslisten
Oberstes Gebot der Wahlkampfleitung: auf 2 gleich starke Listen setzen

Zwei Sitze hat die Solothurner CVP im Nationalrat, und zwei sollen es auch in den nächsten vier Jahren bleiben. Um dieses Ziel zu erreichen, schickt die Partei zwölf Kandidaturen ins Rennen, verteilt auf zwei Stammlisten.

Christian von Arx
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Laut Stefan Berger, Wahlkampfleiter, wurden zwei ausgewogene Listen gebildet. (Archiv)

Laut Stefan Berger, Wahlkampfleiter, wurden zwei ausgewogene Listen gebildet. (Archiv)

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Zwei Sitze hat die Solothurner CVP im Nationalrat, und zwei sollen es auch in den nächsten vier Jahren bleiben. Um dieses Ziel zu erreichen, schickt die Partei zwölf Kandidaturen ins Rennen, verteilt auf zwei Stammlisten; dazu kommen noch zwei Listen der Jungen CVP und eine Liste CVP 60+.

Doch eine Partei, die ihre Kandidaten auf zwei oder mehr Listen verteilt, schafft sich ein Problem. Die CVP kennt es: Bei den Nationalratswahlen 2011 erzielte die Liste «CVP – verlässliche Mitte» (mit Pirmin Bischof) weit mehr als doppelt so viele Stimmen wie die Liste «CVP liberal-sozial». Das Ergebnis: Beide CVP-Sitze gingen an die Bischof-Liste, die Kandidaten der anderen Liste gingen leer aus.

Das hinterliess Frust. Hinter den Kulissen war von Manipulation die Rede, denn dieser Ausgang sei vorhersehbar gewesen. Die damalige Partei- und Wahlkampfleitung habe die Kandidaten der Liste «liberal-sozial» verheizt.

Wer gewinnt bei nur einem Sitz?

Diesmal gibt es auf den Nationalratslisten der CVP zwar keinen Bischof mehr. Doch damit ist nur das Risiko gestiegen, dass die Partei nach dem Rückgang der Solothurner Nationalratssitze von 7 auf 6 nur noch einen einzigen Sitz gewinnen könnte. Und in diesem Fall wäre von den beiden Bisherigen, Stefan Müller und Urs Schläfli, derjenige auf der schwächeren Liste automatisch abgewählt, unabhängig von seiner persönlichen Stimmenzahl.

Oberstes Gebot für die CVP musste deshalb sein, Schläfli und Müller auf zwei etwa gleich starke Listen zu setzen. Mit sechs Kandidierende aus dem oberen Kantonsteil und sechs aus dem unteren Kantonsteil und dem Schwarzbubenland wäre bei der CVP die übliche regionale Verteilung möglich gewesen. Doch das hätte Stefan Müller klar bevorteilt: Er wäre mit fünf aktiven Kantonsräten zusammen auf einer Liste gewesen, Urs Schläfli dagegen mit nur einer amtierenden Kantonsrätin.

Die jetzt von der CVP gewählte Verteilung folgt auf den ersten Blick keinen erkennbaren Kriterien. «Die Wahlkampfleitung hat das Wählerpotenzial der Kandidierenden abgeschätzt, um zwei ausgewogene Listen zu bilden», erklärt Wahlkampfleiter Stefan Berger, Gemeinde- präsident von Aeschi, auf Anfrage.

Dem Beobachter scheint zwar auch so die «Liste Müller» mit einer Reihe bekannter Mitglieder der Kantonsratsfraktion das grössere politische Gewicht in die Waagschale zu werfen. Zudem verfügt sie dank der einzigen Vertreterin aus dem Schwarzbubenland über eine bessere regionale Abdeckung. Doch indem die CVP ihre beiden Bauern Urs Schläfli und Edgar Kupper, die Favoriten der Katholischen Bauernvereinigung («es fliesst kein Franken, nur persönlicher Einsatz», wie Schläfli betont), auf die gleiche Liste setzt, schafft sie eine Art «Bauernliste». Und die lange Tradition von Solothurner CVP-Bauernvertretern im Nationalrat, zuletzt mit Elvira Bader (Mümliswil), zeigt, dass dies ein Erfolgsrezept sein kann. Die «Liste Schläfli» wird zudem ergänzt durch den einzigen expliziten Gewerbevertreter und die Präsidentin der römisch-katholischen Synode.

«Ich möchte nicht wetten, welche Liste mehr Stimmen macht»: Das sagt nicht nur die zur Neutralität verpflichtete Parteipräsidentin (und Kandidatin) Sandra Kolly. Eine Prognose zum Resultat der beiden Listen am 18. Oktober schiene tatsächlich gewagt.

«Vor- und Nachteile gleichen sich aus»

Die beiden Bisherigen der CVP zeigen sich jedenfalls zufrieden mit der getroffenen Lösung, an der sie selbst nicht beteiligt gewesen seien. «Für mich war wichtig, dass beide Bauern auf der gleichen Liste sind», sagt Urs Schläfli. «Edgar Kupper und ich bekämpfen uns nicht, wir ergänzen uns.» Stefan Müller spricht von einer Variante, bei der die Vor- und Nachteile für die beiden Bisherigen ausgewogen verteilt seien: «Dass nicht beide Thaler auf der gleichen Liste sind, ist ein Nachteil, den ich eingehen musste.» Zwar würden so nicht alle Thaler CVP-Wähler die Liste Müller einwerfen – «aber vielleicht werde ich von ihnen panaschiert, das hilft mir auch.»

Nur geringe Bedeutung misst Wahlkampfleiter Berger übrigens den Bezeichnungen der beiden Listen zu. Die 2011 schlecht aufgenommene Bezeichnung «liberal-sozial» liess die CVP diesmal fallen, dafür kopierte sie die damals erfolgreiche Variante «verlässliche Mitte» quasi auf beide Listen: Mit den Bezeichnungen «Die Mitte» und «Sichere Werte» sei dabei kein programmatischer Unterschied der Kandidaten verbunden, so Berger.

Zwei CVP-Stammlisten: Die Verteilung

Liste 16: CVP – Die Mitte: Susanne Koch Hauser, Erschwil; Sandra Kolly-Altermatt, Neuendorf; Matthias Meier-Moreno, Grenchen; Stefan Müller-Altermatt, Herbetswil (bisher); Georg Nussbaumer, Hauenstein-Ifenthal; Susan von Sury-Thomas, Solothurn. – Liste 17: CVP – Sichere Werte: Konrad Imbach, Biberist; Edgar Kupper, Laupersdorf; Gaudenz Oetterli, Solothurn; Bernadette Rickenbacher, Starrkirch-Wil; Urs Schläfli, Deitingen (bisher); Pascal Walter, Solothurn.