Lehrerlöhne

Oberste Solothurner Lehrerin ist zufrieden mit den Löhnen

Dagmar Rösler, Präsidentin des Solothurner Lehrerverbands (LSO): «Ein guter Lohn ist ein Zeichen von Wertschätzung.»

Dagmar Rösler, Präsidentin des Solothurner Lehrerverbands (LSO): «Ein guter Lohn ist ein Zeichen von Wertschätzung.»

Seit Tagen sorgt die Forderung des Schweizer Lehrerverbands nach bis zu 20 Prozent mehr Lohn für hitzige Diskussionen. Im Unterschied zu anderen Kantonalverbänden verzichtet der Solothuner Lehrerverband darauf, höhere Löhne zu verlangen.

Im interkantonalen Vergleich ist Solothurn bei den Löhnen der Volksschullehrer weit oben angesiedelt – ich nehme an, Sie sind damit zufrieden?

Dagmar Rösler: Ich denke, dass im Kanton Solothurn die Volksschullehrpersonen derzeit keine schlagkräftigen Argumente haben, um höhere Löhne zu verlangen. Im Unterschied zu anderen Kantonalverbänden verzichtet der Solothurner Lehrerverband auf eine entsprechende Forderung. Aufgrund des aktuellen Spardrucks wären solche Forderungen auch gar nicht angebracht.

... Solothurner Lehrer müssen wegen des Spardrucks wahrscheinlich eher um ihre Löhne zittern?

Wir haben bis jetzt noch nichts von Lohnkürzungen gehört. Wenn das Thema angesprochen wird, werden wir uns darum bemühen, dass wir unsere Löhne halten können.

Der Schweizer Lehrerverband fordert bis zu 20 Prozent mehr Lohn. Was sagen Sie dazu?

Es geht hier längst nicht um eine Forderung, die alle Kantone gleich betrifft. Der Schweizer Lehrerverband hat damit jene Kantone im Blick, die ihre Hausaufgaben nicht richtig gemacht haben. Und Solothurn gehört hier nicht dazu. Zudem beansprucht der Verband auch nicht 20 Prozent auf einmal, sondern verteilt auf die nächsten fünf Jahre.

Wie rechtfertigen sich solche Forderungen?

Unter anderem machen Studien des Bundesamtes für Statistik deutlich, dass in etlichen Kantonen die Löhne im Unterrichtswesen der allgemeinen Lohnentwicklung weit hinterherhinken. Unter anderem etwa bei den Einstiegslöhnen. Ich möchte aber nochmals betonen, dass dies auf Solothurn nicht zutrifft.

Lehrpersonen haben im Vergleich zu vielen anderen Berufen immer noch mehr Gestaltungsspielraum und auch mehr Ferien. Muss man das nicht einbeziehen?

Aufgrund der Reaktionen könnte man meinen, dass der Lehrerverband mit seinen Lohnforderungen ein Verbrechen begangen hat. Und aus meiner Sicht tragen auch die Medien eine gewisse Mitschuld, wenn ich die Kommentare in den letzten Tagen dazu betrachte. Ich habe zum Beispiel noch nie fünf Wochen am Stück Ferien gehabt. Viele sehen nur die Präsenzzeit der Lehrerinnen und Lehrer im Schulzimmer. Dazu kommt aber fast ebenso viel Arbeitszeit für die Unterrichtsvorbereitung. Und auch zahlreiche Sitzungen, Absprachen mit anderen Lehrern und Gespräche mit Eltern. Mit den zunehmenden Aufgaben, welche die Schule heute erfüllen muss, steigt die Arbeit ausserhalb des Schulzimmers an.

Trotzdem: In vielen anderen Branchen können Arbeitnehmende nur träumen von solchen Lohnerhöhungen ...

Hand aufs Herz: Jeder einzelne Arbeitnehmende und auch die Arbeitnehmerverbände haben die Möglichkeit, Lohnforderungen zu stellen, und sie machen das ja auch. Mich stört, dass man jetzt so massiv auf den Lehrerverband einprügelt, nur weil er dieses Recht wahrnimmt.

Weshalb kommt diese Forderung gerade jetzt?

Ein wichtiger Grund ist sicher der Lehrermangel. Im Kanton Solothurn spürt man diesen zurzeit noch nicht so stark. In der Folge der grossen Pensionierungswellen werden aber auch wir damit konfrontiert werden. Und wir haben noch lange nicht genug Nachwuchs, auch wenn gerade die Pädagogische Hochschule Nordwestschweiz hohe Anmeldezahlen verzeichnet. Zudem haben wir, und zwar auch im Kanton Solothurn, zu wenig angemessen ausgebildete Lehrpersonen, vor allem bei den Heilpädagoginnen und auch auf der Sekundarstufe I.

Der Lehrermangel ist in Solothurn noch nicht so stark spürbar – auch wegen der guten Löhne?

Das ist sicher ein Grund. Wir stellen allerdings keinen Exodus fest von Berner Lehrkräften in den Kanton Solothurn. Ein Blick in unsere Mitgliederkartei zeigt aber, dass in den letzten Jahren doch etliche Berner Lehrer zu uns gekommen sind. In Bern sind die Löhne der Volksschullehrpersonen bekanntlich besonders tief. Generell denke ich aber, dass die meisten Lehrpersonen dort unterrichten wollen, wo sie zu Hause sind und ihre Ausbildung gemacht haben.

Lässt sich der Lehrermangel allein mit besseren Löhnen auffangen?

Das ist sicher nur ein Aspekt, aber ein wichtiger. Gerade auch, wenn es darum geht, mehr Männer für den Lehrberuf zu begeistern. Zudem bezweckt der Verband mit dieser Lohnforderung eine politische Sensibilisierung. Wir wollen deutlich machen, dass es zusätzliche Anstrengungen braucht, um die Attraktivität des Lehrerberufs zu stärken. Die hohen Erwartungen an die Schule schrecken potenzielle Lehrpersonen häufig ab.

Auffallend ist, dass alle Gruppen der Solothurner Volksschullehrkräfte gut verdienen. Wie erklären Sie sich das?

Ich muss präzisieren: Die Solothurner Volksschullehrkräfte haben im interkantonalen Vergleich gute Einstiegslöhne. Gerade junge Lehrpersonen müssen einen grossen Arbeitsaufwand leisten, bis sie das Unterrichten im Griff haben. Während 16 Jahren steigen die Löhne sukzessive an. Dann aber bleiben sie stabil. Bei den Maximallöhnen schwingt Solothurn nicht mehr obenaus. Und: Im interkantonalen Vergleich sind nicht nur die Lehrerlöhne gut, sondern auch jene des Spitalpersonals und anderer Berufsgruppen. Möglicherweise hat das etwas mit der Wertschätzung für diese Berufsgruppen zu tun.

Wie rechtfertigen Sie die guten Solothurner Löhne – gerade auch mit Blick auf die anstehende Sparrunde?

Vonseiten der Wirtschaft und auch der Politik heisst es immer wieder, die Bildung sei unser wichtigstes Gut. Lehrpersonen erfüllen eine wichtige Rolle in unserer Gesellschaft. Ich bin überzeugt, dass die Wertschätzung für diese Arbeit bis zu einem gewissen Grad auch über den Lohn erfolgen muss. Es wird von allen Berufsgruppen, auch von den Lehrern, viel verlangt. Die Schule ist heute mehr und mehr eine Reparaturwerkstatt der Gesellschaft.

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