Lockerbie-Attentat
Oberstaatsanwalt Felix Bänziger ermittelt in heiklem Fall

Es geht um Geheimdienste, um einen Schweizer Bundespolizisten, und letztlich um einen Anschlag mit 270 Toten. Felix Bänziger, der frühere Solothurner Oberstaatsanwalt, hat einen neuen Fall.

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Felix Bänziger ermittelt zu Schweizer Verwicklungen ins Attentat von Lockerbie.

Felix Bänziger ermittelt zu Schweizer Verwicklungen ins Attentat von Lockerbie.

Hanspeter Bärtschi

Die Bombe, die am 21. Dezember 1988 über dem schottischen Lockerbie explodierte, riss nicht nur 259 Flugpassagiere des US-Jumbos in den Tod, sondern auch elf Menschen am Boden.

Jetzt, 25 Jahre später, beschäftigt sich der frühere Solothurner Oberstaatsanwalt Felix Bänziger mit dem Fall. Er soll untersuchen, welchen Einfluss Schweizer Akteure beim Bombenattentat hatten. Dies berichtet die «NZZ am Sonntag».

Im Fokus von Bänzigers Ermittlungen steht ein ehemaliger Bundespolizist, der heute für den Nachrichtendienst arbeitet. Ihm wird vorgeworfen, Beweise manipuliert zu haben.

Mann der heiklen Fälle

Zur Vorgeschichte: Ein libyscher Geheimdienstangehöriger war schuldig gesprochen worden, das Attentat verübt zu haben. Die benutzte Schaltuhr, die er benutzte, soll laut dem amerikanischen Geheimdienst CIA von einem Zürcher Elektronikhändler nach Libyen geliefert worden sein. Dieser hatte mehrere Schaltuhren nach Libyen geliefert und soll auch mit der Stasi in der DDR zusammengearbeitet haben.

Der Händler bestreitet allerdings, die Schaltuhr geliefert zu haben. Er bezichtigt den früheren Schweizer Bundespolizeimitarbeiter, den angeblichen Beweis im Nachhinein beschafft zu haben und ihm die Schuld untergejubelt zu haben. Denn die Beschichtungsmaterialien des gefundenen Zünders seien zur Zeit des Attentats noch nicht verwendet worden.

Aktenkundig sei, so die «NZZ am Sonntag», dass er damalige Bundespolizeimitarbeiter im Juni 1989 eine Leiterplatte im Laden des Händlers mitnahm, wie sie später an der Absturzstelle entdeckt wurde. Weil sich die Vorwürfe gegen einen früheren Bundespolizei-Mitarbeiter richten, hat die Bundesanwaltschaft den Fall wegen möglicher Befangenheit an Bänziger abgetreten.

Nicht zum ersten Mal stellt sich Bänziger als Mann für heikle Fälle heraus. Ende der 90er-Jahre war er Stellvertreter der damaligen Bundesanwältin Carla Del Ponte. Nach den Wirren bei der Solothurner Staatsanwaltschaft wurde Bänziger 2010 als Oberstaatsanwalt in den Kanton berufen, wo er bis zur Pensionierung im Mai 2013 wieder für Stabilität sorgte. Bereits 2013 führte Bänziger in der Waadt eine Administrativuntersuchung in Zusammenhang mit der Tötung der 19-jährigen Marie durch einen verurteilten Sexualstraftäter. (lfh)