Solothurner Obergericht

Obergericht mildert die Strafe für Räuber vom Bellacher Bowling-Center

Beim Eingang zum Bowlingcenter in Bellach überfielen zwei Serben die Geschäftsführerin.

Beim Eingang zum Bowlingcenter in Bellach überfielen zwei Serben die Geschäftsführerin.

Er hatte 2009 die Mitarbeiterin des Bowling-Centers in Bellach ausgeraubt. Gegen das Urteil des Amtsgerichts - eine 60-monatige Freiheitstrafe - legte er Berufung ein. Das Obergericht milderte nun die Strafe für den Räuber auf 42 Monate.

Kurz vor halb zwei Uhr machte die Geschäftsführerin des Bowling-Centers in Bellach in der Nacht vom 9. Februar 2009 Feierabend. Als sie zusammen mit einer Mitarbeiterin und zwei Begleitern das Gebäude verliess, erwarteten sie in der Dunkelheit zwei Maskierte. Einer der Männer attackierte sofort die beiden Frauen. Trotz Drohungen setzten sich die Angegriffenen zur Wehr; es kam zu einem Handgemenge, in dessen Folge die beiden Täter die Flucht ergriffen.

Doch ihr Ziel hatten sie erreicht: Die Tasche der Chefin mit den Tageseinnahmen des Bowlingcenters hatten sie in ihren Besitz gebracht. Der Gesamtwert der Beute belief sich auf rund 7000 Franken, ein Grossteil davon war Bargeld. Beide Frauen trugen kleinere Verletzungen davon.

Mittäter auf freiem Fuss

Während sich der jüngere der beiden Täter, ein 37-jähriger Serbe, nach wie vor auf der Flucht befindet, war sein 39-jähriger Landsmann im April 2011 vom Amtsgericht Solothurn-Lebern zu einer fünfjährigen Freiheitsstrafe wegen Raubes, mehrfachen Diebstahls und anderer Delikte verurteilt worden. Gegen das Urteil hatte der mehrfach vorbestrafte Mann Berufung eingelegt – gestern nun konnte er vor dem Obergericht des Kantons Solothurn seine Sicht der Dinge dartun.

Zwar hat er im Laufe des Verfahrens gestanden, am Vorfall beteiligt gewesen zu sein – am Tatort war denn auch eine Maske mit seinen DNA-Spuren gefunden worden. Nach wie vor bestritt er indes seinen konkreten Tatbeitrag in besagter Nacht. Während ihm die Staatsanwaltschaft vorwarf, den Geschädigten mit einer Waffe und den Worten «ich schiesse» gedroht zu haben, behauptete er, nicht bewaffnet gewesen zu sein und sich lediglich im Hintergrund des Geschehens aufgehalten zu haben. Die Vorinstanz hatte ihn wegen Raubes mit einer Schusswaffe verurteilt. Demgegenüber machte der 39-Jährige vor Obergericht geltend, bei der Tat handle es sich lediglich um Diebstahl.

Aussagen gingen weit auseinander

Für die ungeklärten Fragen konnte nur auf die Aussagen der Beteiligten abgestellt werden – und diese gingen weit auseinander. Gemäss dem Verurteilten war ein Überfall gar nie geplant gewesen, vielmehr hätten sein Kollege und er das Auto der Bowlinginhaberin aufbrechen wollen – in der Annahme, dass sich das Geld dort befand. Zum Zusammentreffen mit dem Quartett sei es nur durch Zufall gekommen. Während der Verurteilte weiter behauptete, in einigem Abstand zum Geschehen gestanden zu haben und bei Ausbruch des Gerangels sofort die Flucht ergriffen zu haben, sagte einer der Zeugen aus, er habe dem bewaffneten 39-Jährigen einen Faustschlag verpasst und demaskiert.

Raub, aber ohne Waffe

Der Verteidiger bemängelte, die Vorinstanz habe den Grundsatz in dubio pro reo verletzt. «Wenn die Zeugen selber in einen dynamischen Verfahrensablauf involviert sind, ist die Rekonstruktion eines Deliktes stets schwierig.» Er zeigte verschiedene Widersprüche im Aussageverhalten der Zeugen auf. «Das grosse Problem ist, dass der eigentliche Haupttäter nie befragt werden konnte.» Der Verteidiger verlangte eine zweijährige Freiheitsstrafe.

Die Staatsanwaltschaft hingegen forderte 57 Monate wegen qualifizierten Raubes, weil die Aussagen der Zeugen sehr glaubwürdig seien. Das Obergericht entschied sich für den Mittelweg: Es verurteilte den 39-Jährigen zu einer Freiheitsstrafe von 42 Monaten wegen einfachen Raubes und ging davon aus, dass der 39-Jährige nicht bewaffnet war. Ihm droht jetzt eine weitere Strafe: Die Migrationsbehörde will ihm die Niederlassungsbewilligung entziehen. (rks)

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