Luxory-Mord
Obergericht bestätigt: Freund des Luxory-Mörders muss ins Gefängnis

Ein Freund des Luxory-Mörders wurde vom Solothurner Obergericht zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von 26 Monaten verurteilt. Er hatte den niedergestochenen Türsteher angegriffen.

Simon Binz
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Die Tat ereignete sich vor dem «Luxory»-Club in Grenchen.

Die Tat ereignete sich vor dem «Luxory»-Club in Grenchen.

Felix Gerber

Lange hat es gedauert, jetzt aber dürfte eines der letzten Kapitel der Mordnacht im Grenchner Luxory Club geschrieben sein. Das Obergericht verurteilt Besim H.*, einen Freund von Messerstecher Saban B.* (siehe Box), wegen Angriffs auf den niedergestochenen Sicherheitsangestellten zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von 26 Monaten.

Damit reduziert das Obergericht das erstinstanzliche Urteil des Amtsgerichts Solothurn-Lebern um vier Monate. Bei der Verurteilung wegen Angriffs blieb es, weil das Obergericht, gleich wie die Vorinstanz, der einzigen Zeugin, die vor Amtsgericht die «Mauer des Schweigens» durchbrochen hatte, Glauben schenkte.

Verteidigung verunglimpfte Zeugin

Besim H. hatte das Urteil des Amtsgerichts von Anfang Dezember 2013 ans Obergericht weitergezogen, weil er nach wie vor bestreitet, in der Tatnacht vom April 2011 vor dem Nachtclub auf den bereits tödlich verletzten Türsteher eingeschlagen zu haben. Seine Verteidigerin, Sabrina Palermo, hielt darum auch vor Obergericht an der Strategie fest, die einzige Zeugin zu verunglimpfen, die vor Amtsgericht den Mut hatte, ihre Aussagen zu wiederholen und den Angeklagten damit zu belasten.

Die Tatnacht

Am 3. April 2011 um 3 Uhr morgens wurde ein 22-jähriger Sicherheitsangestellter vor dem Luxory-Club in Grenchen von einem Kosovaren brutal niedergestochen. Dem Tötungsdelikt gingen Drogengeschäfte und ein Angriff mehrerer Personen auf den Türsteher voraus. Deswegen mussten sich insgesamt fünf Personen strafrechtlich verantworten. Der Messerstecher Saban B. wurde bereits im Dezember 2012 wegen vorsätzlicher Tötung zu 16 Jahren und 3 Monaten Gefängnis sowie lebenslanger Verwahrung verurteilt. Im Mai dieses Jahres wandelte das Obergericht Solothurn die Verwahrung in eine stationäre Therapie um. (sbi)

Obwohl Dutzende Personen vor Ort gewesen seien, habe nur Mona V.* ihren Klienten gesehen, führte Palermo aus. «Sie sagte aus, sie habe sich etwa zehn Meter vom Tatort entfernt aufgehalten, in Wirklichkeit waren es aber 25 bis 30 Meter, zudem war sie betrunken und es war dunkel.» Ihr Sichtfeld sei eingeschränkt gewesen, sie könne darum unmöglich mit Bestimmtheit behaupten, ihr Klient habe auf das Opfer eingeschlagen. Zudem sei ihre Kollegin direkt neben ihr gestanden und habe nicht gesehen, wer auf den am Boden liegenden Securitas einschlug. Die junge Frau wolle sich an ihrem Klienten rächen, weil sie in ihn verliebt gewesen sei und er nur sein Vergnügen wollte. Sie forderte einen Freispruch oder bei einer Verurteilung eine Verminderung der Strafe auf 12 Monate bedingt.

Staatsanwaltschaft mit Strategie

Obwohl Staatsanwältin Melanie Wasem vor Amtsgericht «nur» eine Gesamtstrafe von 18 Monaten teilbedingt gefordert hatte, verteidigte sie gestern vor Obergericht das erstinstanzliche Urteil von 30 Monaten unbedingt. Sie warf Besim H. vor, das Urteil weiter gezogen zu haben, weil er Angst habe, dass ihm die Niederlassungsbewilligung entzogen werden könnte. «Ich denke, nach der Urteilsverkündung durch das Amtsgericht wurde ihm das erste Mal klar, dass dies auch rechtliche Folgen für seinen Aufenthalt in der Schweiz haben könnte.»

In der Folge erwähnte sie, dass Besim H., seit er 1991 in die Schweiz gekommen war, nie wirkliches Interesse gezeigt habe sich zu integrieren. «Er war nur sieben Jahre in der Schule, hat nie eine Lehre gemacht oder geschweige denn eine Arbeitsstelle längere Zeit behalten.» Brillieren könne er einzig mit seinem Strafregisterauszug. Für einen allfälligen Entzug der Niederlassungsbewilligung sei aber einzig die Ausländerbehörde zuständig. «Es ist nicht am Gericht die Situation zu beurteilen oder sich davon beeinflussen zu lassen», so Wasem.

Während der Befragung ...

Besim H. hat, mehr als drei Jahre nach der Mordnacht, weder eine eigene Wohnung noch eine Arbeitsstelle. Er wohnt bei seinen Eltern, die ihn finanziell unterstützen. Währen der Woche hilft er oft seiner berufstätigen Schwester und deren Mann bei der Betreuung ihrer vier Kinder. «Ich versuche wieder Fuss zu fassen in der Arbeitswelt, aber es ist schwer», sagte er am Anfang der Verhandlung. Er erwähnte ein einjähriges Praktikum (Start September) bei einer Gartenbaufirma. Er wolle dabei viele Erfahrungen sammeln, sodass er in diesem Beruf bleiben könne, denn er sei abwechslungsreich und er selbst sei gerne draussen. In Zukunft plane er sich von Partys und Veranstaltungen fernzuhalten, da sich diese für ihn stets negativ auswirkten. Er wolle sich in der Schweiz integrieren und eine Familie gründen. Die Oberrichter wollten von Besim H. wissen, was es für ihn bedeuten würde, wenn er ins Gefängniss müsste. ««Eine Welt würde zusammenbrechen», antwortete dieser.

Name von der Redaktion geändert