Der Sohn schoss im Familienzwist zweier Familien kosovarischer Herkunft einen drittbeteiligten Mann mit einem Sturmgewehr an und machte sich des Versuchs der vorsätzlichen Tötung schuldig. Er ist weiter des Mordes schuldig, weil er mit dem Sturmgewehr den Ehemann seiner Schwester und ihren Schwiegervater erschoss. Sein Vater wurde wegen Mordes verurteilt, denn obwohl der Sohn alle Schuld auf sich lud, legte das Gericht dar, dass auch der Vater als Mittäter mit der Pistole getroffen hat.

Die beiden Männer verstrickten sich in etliche Lügen. Die umfangreiche Erforschung des Tathergangs entlarvte sie jedoch. Oberrichter Hans-Peter Marti hielt fest, dass sie «besonders skrupellos» vorgegangen seien, «kaltblütig und planmässig». Es sei «eine eigentliche Hinrichtung» gewesen. Es sei nicht im Affekt passiert, und es sei keine Notwehr. Oberrichter Daniel Kiefer gab zu bedenken, dass die Täter die Sache, worum es gegangen sei, nämlich die schlechte Behandlung der Frau, anders hätten regeln können. Hier stehe Rache im Vordergrund. Eigentlich hätten die beiden längere Strafen verdient, fand das Obergericht. Aber es galt ein Verschlechterungsverbot, das heisst, es durfte keine höheren Strafen aussprechen, weil nur die Angeklagten das Urteil angefochten hatten, nicht aber Staatsanwalt Martin Schneider.

Vater blieb Urteilsverkündung fern

Der Vater erschien auch nicht an der Urteilsverkündung. Er reiste vor der Verhandlung ferienhalber in den Kosovo, wo er angeblich erkrankte. «Da dies in der Öffentlichkeit zu Diskussionen führte, äussern wir uns zur Frage, warum man keine Sicherheitshaft beantragte», sagte Oberrichter Marcel Kamber. Nach der Tat habe der Haftrichter auf Antrag des Staatsanwaltes die Verlängerung der Untersuchungshaft angeordnet. Als er einen Monat später wiederum eine Verlängerung beantragte, habe das Haftgericht diese abgewiesen. Mit der Begründung, der Mann lebe seit 1981 in der Schweiz, sei seit 2009 eingebürgert, beziehe IV-Rente, habe ein Eigenheim in der Schweiz. Er habe immer mit den Behörden kooperiert.

Schneider beantragte am Montag Sicherheitshaft, das Gericht erlässt einen Haftbefehl. Der Fluchtreiz sei nun erhöht. Schneider meinte nach dem Prozess: «Im Nachhinein ist man immer klüger. Auch das Amtsgericht oder nun das Obergericht hätten von sich aus Sicherheitshaft beantragen können.» Der Entzug des Passes hätte eine Flucht nicht verhindert. Kaum aus dem Gerichtssaal getreten, gab es eine lautstarke Auseinandersetzung zwischen den Familien.

Oensinger Mörder auf freiem Fuss

Oensinger Mörder auf freiem Fuss

Doppelmord von Oensingen: 20 und 17 Jahre für den Sohn und seinen Vater. Letzter blieb auch der heutigen Urteilsverkündung fern. Er befindet sich im Kosovo.