Viele fahren täglich daran vorbei, nicht wenige machen Halt. Auf einer Fläche von 6000 Quadratmetern bedienen im Freubad jeden Tag zwischen 25 und 40 Prostituierte Kunden aus der ganzen Schweiz.

365 Tage ist der Betrieb geöffnet. An Weihnachten und Silvester werden wieder Hunderte an die Partys strömen. Für Recherswil ist der Betrieb lukrativ: Steuergelder und Gebühren für den Wasserverbrauch der grossen Bassins und Sprudelbäder fliessen reichlich in die Gemeindekasse.

Allgegenwärtig im Betrieb ist Thomy Baur. Seit 26 Jahren arbeitet er für den Bordellbesitzer Peter Curti, der den Betrieb mittlerweile an seinen Sohn André Sascha Curti übergeben hat.

Früher baute Baur Kulissen für eine Eisrevue, danach war er im Römerbad Oberbuchsiten und in der ehemaligen Disco A1 in Recherswil tätig. Seit einigen Jahren schaut er im Freubad nach dem Rechten.

Jeden Tag ist er anwesend. Gibt es ein Problem, ist der freundliche Tausendsassa zur Stelle. Selber nennt er sich «Badmeister». Der Geschäftsführer hat sich für das Gespräch entschuldigt.

Gemäss der Betreiberfirma ist das Freubad ein Wellness- und Saunabetrieb. Ist das nicht eine eigenartige Bezeichnung für ein Bordell?

Thomy Baur: Es geht bei uns ja nicht bloss um Sex. Die Gäste kommen nicht für eine schnelle Nummer vorbei und gehen dann wieder nach Hause. Hier kann man sich vergnügen. Oft kommen auch Gruppen von Geschäftsleuten, essen zusammen ein Fondue chinoise. Am Wochenende gibt es hier Discos mit DJ’s, manchmal treten Bands auf. Nicht jeder, der reinkommt, muss mit einer Frau aufs Zimmer. Die Leute wollen heute mehr als einfach nur das eine.

Wie pflegen Sie bei aller Diskretion den Kontakt zur Öffentlichkeit?

Mit der Gemeinde Recherswil haben wir ein gutes Verhältnis. Wir machen jedes Jahr bei der Aktion Schweiz bewegt mit, dann ist das Bassin offen für das Publikum. Jeweils 20 bis 30 Frauen aus Recherswil machen hier dann Wassergymnastik. Vor einigen Jahren haben wir auch einen Tag der offenen Tür durchgeführt. Heute gibt es Schnuppertage zu reduzierten Preisen oder mit Gratiseintritt.

«Schweiz.bewegt»: Wassergymnastik im Recherswiler Erotik-Tempel Freubad

«Schweiz.bewegt»: Wassergymnastik im Recherswiler Erotik-Tempel Freubad

Nun ist die Festzeit da und der 13. Monatslohn bald auf den Konti. Herrscht Hochkonjunktur?

Es gibt sicher mehr Eintritte. Aber mit dem goldenen Löffel können auch wir nicht mehr schaufeln. Diese Zeiten sind vorbei. Wenn die Wirtschaft kriselt, Firmen schliessen und die Leute Angst haben, dann wirkt sich das auch auf unser Geschäft aus. Unser Vorteil ist das erweiterte Angebot mit Essen, Show und Unterhaltung. Bei einem Nischenprodukt wäre die Gefahr grösser, nichts zu verkaufen.

Das tönt nach einem Geschäft wie jedes andere.

Unsere Firma funktioniert genau gleich wie andere Firmen. Wenn das Produkt gut ist, dann verkauft es sich, egal, ob es sich nun um Sex oder um Schuhe handelt.

Wie viele Eintritte zählen Sie pro Tag?

Das variiert. Zwischen 30 und 60 sind es im Schnitt, an den Wochenenden mehr. Manche haben auch Coupons oder Abonnemente. Dank unserer zentralen Lage an der Autobahn haben wir Kunden aus Solothurn, Bern, dem Aargau, Luzern und Basel. Das Wichtigste sind auch für unsere Firma die Stammkunden. Sie kommen zum Teil alle zwei, drei Tage zu uns.

Das Freubad Recherswil liegt direkt neben der Autobahn

Das Freubad Recherswil liegt direkt neben der Autobahn

Bei Eintrittspreisen von 60 Franken der Kunden und dem Eintrittspreis der Prostituierten kommt eine stolze Summe zusammen. Der Bordellbetrieb scheint ein gutes Geschäft zu sein.

Ja, es läuft. Auch wenn sich bei den zahlreichen Angeboten die Leute mehr verteilen als noch vor Jahren. Früher kamen an Silvester, als wir Pärcheneintritte hatten, jeweils 150 Paare. Aber auch heute haben wir an den Weihnachtstagen und Silvester viele Gäste an unseren Partys.

Sind auch Minderjährige darunter?

Kaum. Da wir nur mit dem Auto erreichbar sind, versuchen bei uns weniger jugendliche Gruppen hineinzukommen. Viele schreckt wohl auch der Eintrittspreis ab.

Wie sieht es aus mit Anstandsregeln?

Es kam schon vor, dass wir betrunkene Gruppen, die von der HESO oder der Fasnacht kamen, nicht hereinliessen. Wenn diese dann im Club herumtorkeln, ist es einfach nur gefährlich. Es kommt aber kaum vor, dass wir jemanden an der Tür abweisen müssen.

Es wäre kaum zum Wohl der Frauen.

Die Frauen sind bei uns sicher. Sie bezahlen Eintritt und können dann auf eigene Rechnung in einem geschützten Rahmen arbeiten. Sie können essen, trinken oder die Waschmaschine benutzen. Und sie entscheiden selber, mit wem sie aufs Zimmer gehen. Wir schreiben keiner vor, was sie zu tun hat. Ausserdem gibt es Sicherheitspersonal, und der Eingang ist videoüberwacht.

Kommen auch Ehefrauen vorbei, die ihre Männer suchen?

Ja, das ist auch schon vorgekommen. Das gehört zum Geschäft.

Was sagen Sie zu Leuten, die sagen, Ihr Geschäft sei unmoralisch?

Das bekomme ich schon zu spüren. Es gibt zum Beispiel eine Person in einem Laden, die bedient mich kaum, weil sie weiss, dass ich hier arbeite. Das akzeptiere ich. Jeder soll seine Sache machen, so lange er niemanden dabei stört. Es gibt viele andere Sachen, die wirklich sittenwidrig sind.

Ein Problem ist in der Branche der Menschenhandel. Sind sie sicher, dass die Frauen nicht ausgebeutet werden?

Das ist bei uns kein Thema. Die Frauen kommen meist alleine, niemand wird hier von einem Zuhälter zur Arbeit gezwungen. Ich weiss von Bordellbetrieben, da laden Typen eine Frau ab, und dort muss sie dann arbeiten, bis sie wieder abgeholt wird. Bei uns wird niemand ausgenutzt. Würden wir dies zulassen, würden hier nicht zwischen 25 und 40 Frauen arbeiten. Die Nachfrage bei den Frauen nach dem Freubad ist hoch.

Es gibt Länder, da ist der Kauf von Sex verboten.

Verbietet man die Prostitution, dann passiert sie eben in der Illegalität. Die Frauen würden in Privatwohnungen anschaffen und die Polizei hätte grosse Mühe, sie aufzuspüren und zu kontrollieren. Das gibt einen riesigen Aufwand. Mit einem Verbot kommt man nirgends hin.

Hätten Sie eine Tochter, würden Sie ihr empfehlen, in dieser Branche zu arbeiten?

Nein, man muss sehen, dass wir in der Schweiz die Möglichkeit auf Arbeit und ein Auskommen haben. In Tschechien oder Rumänien ist die Familiensituation oft anders. Die Frauen haben oft Kinder zu Hause. Sie arbeiten 10 Tage, gehen dann wieder zurück, kommen wieder. Mit den Einnahmen unterstützen sie ganze Familien, weil es in diesen Ländern viele Arbeitslose gibt. Sie sind froh, dass sie diese Möglichkeiten haben, um Geld zu verdienen.

Kontrollieren Sie die Arbeitsbewilligungen der Frauen? Es gab ja auch schon Anzeigen deswegen.

Natürlich kontrollieren wir das. Problematisch sind die Anmeldungen für Frauen aus Rumänien und Bulgarien. Da gelten noch bis nächstes Jahr spezielle Zulassungsbeschränkungen. Die Anmeldungen sind im Kanton Solothurn teurer als etwa im Kanton Zürich, und es dauert lange, bis die Papiere da sind. Aus Ungarn, Tschechien, Frankreich, Deutschland oder Italien kann die Arbeitsbewilligung innert 24 Stunden problemlos eingeholt werden. Die Frauen können dann 90 Tage arbeiten.

Woher kommen die Frauen, die bei Ihnen arbeiten?

Aus vielen Ländern. Bloss Schweizerinnen gibt es in diesem Geschäft kaum mehr. Das war früher anders.