Briefabstimmung
Nur zwei Stimmen machen den Unterschied: Die CVP nominiert Müller und Kolly für die Regierungsratswahlen

Die Mittepartei nominiert Sandra Kolly und Thomas A. Müller für die Regierungsratswahlen – Georg Nussbaumer scheidet als Überzähliger aus.

Urs Mathys
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Thomas A. Müller und Sandra Kolly-Altermatt kandidieren für die Regierungsratswahlen.

Thomas A. Müller und Sandra Kolly-Altermatt kandidieren für die Regierungsratswahlen.

zvg

Es ist die Zeit der knappen Wahlresultate. Nicht nur in den USA, sondern auch bei der CVP des Kantons Solothurn: Zwei Stimmen mehr entschieden darüber, mit wem – neben Parteipräsidentin Sandra Kolly (Neuendorf) – die Partei nächsten März in die Regierungsratswahlen ziehen wird. Zwei Delegiertenstimmen mehr (129) gingen nämlich in der coronabedingt schriftlich durchgeführten Wahl für Thomas A. Müller, den Gemeindepräsidenten von Lostorf, ein.

Für den dritten Mitbewerber, Kantonsrat Georg Nussbaumer (Hauenstein), gingen 127 Stimmen ein. Auch er lag damit über dem absoluten Mehr von 123 Stimmen, schied aber als überzählig aus. Denn die Nomination von Sandra Kolly war eine klare Sache: Sie ging mit 191 Stimmen klar als Erste über die Ziellinie.

«Hinter die beiden Kandidaturen geschart»

Von den 348 Delegierten nahmen 244 an der Ausmarchung teil – also gut 70 Prozent. Partei-Vizepräsident und Nationalrat Stefan Müller-Altermatt sah darin am Freitag bei der Resultatpräsentation denn auch eine «hohe Legitimation» des Verfahrens. Der Wahlkampf wird erst recht für die CVP zur Herausforderung.

Sie steht vor der Herkulesaufgabe, die Sitze ihrer beiden amtsmüden Regierungsräte Roland Heim und Roland Fürst zu verteidigen. Stefan Müller-Altermatt spricht deshalb von einer «echten Herausforderung». Absehbar sei, dass sich der Wahlkampf in Zeiten von Corona deutlich in den virtuellen Bereich verlagern werde: «Wir sind eifrig daran, Konzepte und Strategien zu entwickeln.»

Weil im nächsten März die FDP mit Kantonsrat Peter Hodel (Schönenwerd) einen zweiten Regierungssitz anstrebt und die SVP mit Kantonsrat Richard Aschberger (Grenchen) erstmals in die Exekutive einziehen will, kann eine bürgerliche Allianz kein Thema sein. Dass beide CVP-Kandidaturen aus dem unteren Kantonsteil kommen, mag Müller-Altermatt nicht als Handicap ansehen: «Die FDP hat ja die gleiche Ausgangslage.»

An der Parteibasis wisse man genau, worum es bei den Regierungsratswahlen für die CVP gehen wird. Das Resultat der Nominationsabstimmung zeige, dass «unsere Leute bereits munitioniert sind und sich hinter die Kandidierenden geschart haben», so der Vizepräsident. Mit den beiden nun Nominierten biete jedenfalls die CVP «Stimmengewalt und Kompetenz» auf einem Wahlzettel an.

Mit «Stimmengewalt und Kompetenz»

Für «Stimmengewalt» soll primär Sandra Kolly sorgen, die bei Nationalratswahlen bereits zweimal auf dem ersten Ersatzplatz gelandet ist. Die Kauffrau ist kaufmännische Leiterin und Mitglied der Geschäftsleitung der Emmenegger Fides Treuhandunternehmung in Olten. Sie ist seit 2009 Kantonsrätin, seit 2013 Kantonalpräsidentin.

Sie selbst zeigte sich «froh und dankbar» über die Nomination. «Politik ist meine grosse Leidenschaft», unterstrich die 50-Jährige. Sie wolle in der Regierung mithelfen, «die Stärken des Kantons zu stärken und Schwächen auszumerzen». Auch in Zeiten von Corona eine verantwortungsvolle Finanzpolitik – «damit wir nicht in die Schuldenfalle geraten» –, eine nachhaltige Energiepolitik und gute Rahmenbedingungen für Familien und Mittelstand nennt sie als erstrangige Anliegen.

Kolly dürfte als «Vertreterin der Mitte der Mitte» charakterisiert werden. Sie bezeichnet sich als über Parteigrenzen hinaus gut vernetzt, will in der Regierung regieren und nicht verwalten, sagt aber, dass «Kompromiss» für sie «kein Unwort, sondern auch Notwendigkeit» sei. Ihr – je nach Standpunkt – grösster «Makel» oder Vorteil: Sie ist eine Frau. In der Regierung sitzen bereits deren zwei, die wiedergewählt werden dürften. Und mit Kolly gäbe es eine Frauenmehrheit im Fünfergremium.

Die Kandidaten der CVP präsentierten sich in einer virtuellen Versammlung.

Die Kandidaten der CVP präsentierten sich in einer virtuellen Versammlung.

Hanspeter Bärtschi

«Kompetenz» sieht Müller-Altermatt besonders im Zusammenhang mit Thomas A. Müller. Der promovierte Jurist ist selbstständiger Rechtsanwalt und Präsident des kantonalen Steuergerichts. Bis 2013 war er Kantonsrat, seither Gemeindepräsident von Lostorf.

Müller macht keinen Hehl daraus, dass er das Regierungsamt aufgrund von Ausbildung, Kompetenzen und Führungserfahrung «als auf mich zugeschnitten» erachtet. Angesichts kommender Herausforderungen werde «Krisenmanagement nötig» sein. Schwerpunkte will der 56-Jährige bei der Bewältigung der Coronafolgen legen, ebenso in der Finanzpolitik, wo «der Kanton in ein Defizit hineinläuft und ein Entlastungspaket nötig» sein werde.

Müller vertritt klar den rechten Flügel der CVP und plädiert insbesondere für eine straffe Finanzpolitik. Im Nominationsverfahren betonte er seine guten Beziehungen zum bürgerlichen Lager. Von dort will er denn auch «Signale erhalten» haben, dass er hier die – vielleicht entscheidenden – Zusatzstimmen für die Verteidigung der CVP-Doppelvertretung holen könnte.