Das Privileg ist beschränkt: Jeder Parlamentarier kann nur zwei Personen Zugang zur Wandelhalle verschaffen. Im Gegensatz zum Solothurner alt Rocker aber will nicht jeder dieser Zutrittsberechtigten nur den Politikbetrieb vor Ort beobachten. Gewerkschafter, Lobbyisten und Verbandsvertreter nutzen den Zutritt in den nicht öffentlichen Teil des Bundeshauses, um ihre Anliegen einzuflüstern.

Seit Legislaturbeginn im Dezember hat sich auch bei den Zutrittsberechtigten der Solothurner National- und Ständeratsliste einiges geändert.

Blank waren im Dezember noch die Listen der beiden neuen CVP-Nationalräte Stefan Müller-Altermatt und Urs Schläfli. Die freien Plätze sind begehrt. Fünf bis sechs Anfragen habe er erhalten, sagt Schläfli. «Bei einigen konnte ich auf Anhieb sagen, dass es nicht infrage kommt.» Er habe sich bewusst Zeit gelassen. Ausgewählt hat der Deitinger Nationalrat bisher nur Dominik Feusi von der Dynamics Group. Die Agentur ist auf professionelle Kampagnen spezialisiert und gleich zu dritt im Bundeshaus vertreten. Eine weitere Partnerin der Agentur steht auf der Zugangsliste von CVP-Präsident Christophe Darbellay.

«Auf eine persönliche Empfehlung hin» habe er sich mit Feusi getroffen, sagt Urs Schläfli. «Zu seinen Einstellungen kann ich stehen.» Der zweite Platz ist noch leer. Schläfli möchte ihn in seinem Umfeld vergeben. Zwar sei er von seiner Partei auf den freien Platz hingewiesen worden. «Druck übt sie aber nicht aus», so Schläfli.

Auch Nationalrat Stefan Müller-Altermatt hat erst eine seiner Zutrittskarten vergeben. Er hat dem Grossverteiler Migros die Türen ins Bundeshaus geöffnet. Jürg Maurer, zuständig für Wirtschaftspolitik bei der Migros, steht auf Müllers Liste. Er sei von der Migros angefragt worden, sagt Müller. Zugesagt habe er, weil Maurer über viel Wissen in der Handelspolitik und in der Landwirtschaft verfüge. «Bei der ersten Person habe ich darauf geschaut, dass ich jemanden habe, der mir viel Know-how geben kann. Die zweite Zutrittsmöglichkeit möchte ich jetzt jemandem geben, der es wirklich gut gebrauchen kann.»

Die meisten Zutrittskarten überraschen kaum – sie stimmen mit den politischen Positionen der Parlamentarier überein: SP-Nationalrätin und Gesundheitspolitikerin Bea Heim verschafft zwei Frauen aus dem Gesundheitssektor Zutritt. Zum einen der Vizepräsidentin von Curaviva, dem Dachverband von über 2400 Heimen in der Schweiz. Zum anderen führt Heim ihre persönliche Mitarbeiterin Elsbeth Wandeler auf der Liste. Wandeler, die seit dem 30. Juni pensioniert ist, war zuvor Geschäftsführerin des Schweizer Berufsverbandes der Pflegefachleute. Solothurner SP-Mitglieder bahnen besonders gern dem öffentlichen Verkehr den Zugang ins Bundeshaus: Nationalrat Philipp Hadorn und Ständerat Roberto Zanetti haben je eine Person der Gewerkschaft des Verkehrspersonals (SEV) auf ihrer Liste, Zanetti zudem Bernhard Meier von den SBB.

SVP-Nationalrat und Töfffahrer Walter Wobmann hat neben seinem persönlichen Mitarbeiter auch Andreas Burgener, Direktor von Auto Schweiz, auf seiner Liste. Sein SVP-Kollege und Kampfjet-Experte Roland Borer hat neben dem persönlichen Mitarbeiter auch Hans Rudolf Hüssy auf der Liste. Dieser war zuvor Zentralpräsident von Avia, der Gesellschaft der Schweizer Luftwaffen-Offiziere.

CVP-Ständerat Pirmin Bischof zählt Marco Taddei, Vertreter des Schweizerischen Verbandes freier Berufe, zu seinen ständigen Gästen im Bundeshaus. Ein Alpiq-Vertreter, wie er in der letzten Session auf Bischofs Liste war, fehlt bisher. FDP-Nationalrat Kurt Fluri verschafft dem Sprecher der Solothurner Regierung, Dagobert Cahannes, und Michael Schmid vom Verband der Schweizerischen Gasindustrie Zutritt in die Wandelhallen.

Die Liste wird monatlich ergänzt und ist unter www.parlament.ch einsehbar.