Gastkolumne

Nur noch Frauen in den Bundesrat!

Die Frauendominanz im Bundesrat Anfang 2010 mit vier Frauen dauerte nur kurz.

Die Frauendominanz im Bundesrat Anfang 2010 mit vier Frauen dauerte nur kurz.

Gastkolumne von Lisa Christ zum Thema Gleichstellung. Die Slam-Poetin und Autorin lebt in Olten.

Nachdem der Bundesrat mehrere Jahrzehnte erlebt hat, in denen er rein männlich besetzt war, kam es vor 8 Jahren erstmals zu einer Frauenmehrheit. Der «Blick» titelte: «Vier Frauen im Bundesrat. Leuthard eröffnet am ersten Tag den Zicken-Krieg!» Na, zum Glück war der Spuk nach 15 Monaten schon wieder um. Männermehrheit wiederhergestellt. Aber wo blieb die Blick-Schlagzeile? Weit und breit kein Macho-Kampf oder Schwanzvergleich.

Ich wäre ja für eine Wiedergutmachung: zum Ausgleich die nächsten 40 Jahre nur noch reiner Frauenbundesrat. Sobald sich das Matriarchat eingelebt hätte, würden sich Veränderungen einschleichen: Die Pille für den Mann würde trotz Nebenwirkungen auf den Markt kommen und den Jungen ab 16 grosszügig verschrieben werden. Immer mehr Männer würden sich dazu entschliessen, nicht mehr zu arbeiten und stattdessen zu Hause zu bleiben und sich um die Kinder zu kümmern. Dass ihnen aufgrund der wirtschaftlich besseren Position ihrer Partnerin fast nichts anderes übrig bleibt, hielte man für ein Gerücht: Wenn Männer wirklich arbeiten wollten, dann könnten sie das schliesslich auch mit Kindern.

In offiziellen Dokumenten gälte nun das generische Femininum, Männer natürlich immer mitgemeint. Plötzlich empfänden es einige Männer als scheisse, ein Mann zu sein. Dass die meisten Club-Eintritte für sie jetzt gratis wären und Frauen ihnen oft Getränke spendieren würden – manchmal sogar ohne Hintergedanken! –, wäre ihnen nicht genug. Unverständlich, wie viele Frauen fänden. Immerhin würden Männer Frauen ja ständig manipulieren: Selbst ranghohe Politikerinnen und CEOs grosser Konzerne könnten sich vor der brachialen sexuellen Ausstrahlung ihrer männlichen Kollegen kaum retten.

Apropos Aussehen: Männer in der Politik würden nun vermehrt lange Haare tragen. Böse Zungen behaupteten, das sei, damit sie ihre Gesichter besser verstecken könnten, denn wenn ein Mann in der Politik nicht hübsch sei – was sei er dann?
Natürlich wäre also nicht alles besser, wenn Frauen an der Macht wären. Aber immerhin würden alle einmal im Monat bluten. Vielleicht würde sich ja das gesamte Bundeshaus aufeinander einpendeln und alle würden gleichzeitig menstruieren. Das verbindet über alle Parteigrenzen hinweg!

Auf jeden Fall würden sich Männer unterrepräsentiert vorkommen. Einige würden gar eine Quote fordern. Bei konservativen Politikerinnen stiesse diese Forderung jedoch auf ein klares Nein, schliesslich schadete eine Quote der Wirtschaft.

Aber das ist ja alles ganz realitätsfremd, nicht wahr? Gleichstellung braucht eben Zeit. Vor allem in der Schweiz. Im Dezember eröffnet sich der Bundesversammlung aber die Möglichkeit, erneut eine knappe Frauenmehrheit in den Bundesrat zu wählen. Und der Blick hätte die Chance, nicht noch einmal eine sexistische Schlagzeile zu drucken. Obwohl meine Hoffnungen da gering sind: Die 20 Minuten titelt nämlich über die Nachfolger-Kandidatin Schneider Ammanns – über Karin Keller-Suter: «Mein Mann sagt, ich solle das jetzt machen.»

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