Kantonspolizei

Nur jeder zehnte Einbruch wird aufgeklärt

Nach den Einbrüchen fragt die Polizei bei den Opfern nach, um zu erfahren, wie es ihnen geht. Die Rückbefragungen wurden auf Wunsch der Betroffenen eingeführt. ZVG

Nach den Einbrüchen fragt die Polizei bei den Opfern nach, um zu erfahren, wie es ihnen geht. Die Rückbefragungen wurden auf Wunsch der Betroffenen eingeführt. ZVG

Die Saison der Dämmerungseinbrüche hat begonnen. Pünktlich dazu hat die Kantonspolizei nicht nur über ihre Massnahmen informiert, sondern auch einen Film zum Thema gedreht.

«Der Einbrecher ist ein rationales Wesen. Er überlegt sich sehr genau, wie hoch das Risiko ist, erwischt zu werden.» Das erklärte gestern der Kommandant der Kantonspolizei, Thomas Zuber. Die Kapo hatte eingeladen, um ihren neuen Kurzfilm zum Thema Einbrüche zu präsentieren. Und dabei lieferte sie viele Informationen zur aktuellen Lage im Kanton.

Erfreulich ist, dass die Zahl der Einbrüche 2014 kantonsweit rückläufig ist – das lässt sich jedenfalls aus den bisherigen Zahlen schliessen. Mit etwa zehn Prozent weniger Fällen als 2013 rechnet Major Urs Bartenschlager, der Chef der Kriminalabteilung. Nicht alle Regionen sind dabei gleich betroffen: Die Gebiete Solothurn, Lebern, Bucheggberg und Wasseramt weisen einen Rückgang auf. Stabil sind die Zahlen in der Region Ost. Nördlich des Juras, insbesondere im Bezirk Dorneck, wo die Zahlen seit 2011 bereits stark gestiegen sind, gibt es auch 2014 einen erneuten Anstieg. Im Schwarzbubenland seien deshalb zusätzliche Stunden «im vierstelligen Bereich» geleistet worden, erklärte Thomas Zuber. Ab dieser Woche verfügt die Polizei gar über eine spezielle Truppe, die bei Bedarf einfach und flexibel aus dem üblichen Dienstplan ausgelöst werden kann. Bereits der bisherige Einsatz zeige Erfolge, erklärt Zuber: Nachdem Verdächtige angehalten oder verfolgt worden waren, sei in den darauffolgenden Tagen jeweils ein Rückgang der Einbrüche feststellbar gewesen. «Das zeigt uns, dass wir richtig aufgestellt waren und an den richtigen Orten standen.» Nach wie vor am meisten Erfolge habe die Polizei aber, wenn sie Hinweise aus der Bevölkerung erhalten würde.

(Quelle: youtube/Kanton Solothurn)

Der neue Polizeifilm «Spuren»

Spuren sind oft einziger Hinweis

Die Aufklärungsquote beträgt bei Einbruchsdelikten lediglich zehn Prozent. «Das kommt daher, dass Einbrüche sehr schwer zu ermitteln sind», erklärt Kripo-Chef Bartenschlager. Zwischen Opfer und Täter besteht in der Regel kein Zusammenhang. «Einbrecher kommen von irgendwoher, gehen für den Einbruch irgendwohin und verschwinden danach irgendwohin.» Zunutze käme ihnen dabei die gute Verkehrsinfrastruktur. Und wird ein Bandenmitglied angehalten, sei «der Kooperationswille nicht sehr stark ausgeprägt.» Für die Kantonspolizei sind die Spuren deshalb der einzige verlässliche Anhaltspunkt. 900 Mal hat sie im letzten Jahr bei Einbrüchen den Kriminaltechnischen Dienst aufgeboten – und dabei trotz knapper Ressourcen bewusst nicht die Kosten gescheut, wie Zuber erwähnt. 231 Mal sind Fingerabdrücke genommen worden, 984 Schuhspuren und 2143 DNA-Spuren sind gesichert worden.

Rund 2000 Einbrüche pro Jahr

«Der Einbrecher ist nicht einfach der Mann, der nachts mit einer schwarzen Maske kommt», sagt Ermittler Christoph Reize im Film. «Das kann durchaus auch am Nachmittag sein, das kann ein Kind sein, ein Jugendlicher, das kann eine Frau sein. Es gibt nicht den typischen Einbrecher.» Rund 2000 Einbrüche gab es 2013 im Kanton. «Als Polizist ist es manchmal schon etwas frustrierend. Man hat das Gefühl, es hört nicht auf», sagt Reize im Film.

Opfer leiden

Ein bis drei Minuten würden Einbrecher in der Regel investieren, um in ein Gebäude zu gelangen, erklärt Thomas Zuber. Nur schon zwölffränkige Kontaktsensoren aus dem Baumarkt, die beim Öffnen des Fensters Lärm machen, könnten ausreichen, um Einbrecher zu vertreiben.

«Ich bin jedes Mal überrascht, welche Nachwirkungen so ein Einbruch haben kann», sagt Polizist Peter Heri im gestern präsentierten siebenminütigen Kurzfilm zum Thema Einbrüche. Jedes fünfte Opfer sei während Wochen extrem belastet, habe Ängste oder könne nicht mehr schlafen. Man sei sich bewusst, dass jeder Einbruch für die Opfer eine starke Belastung sei, sagt Thomas Zuber. Seit einigen Jahren macht die Kantonspolizei aktiv Rückbefragungen bei Opfern. «Wir waren überrascht und betroffen, wie stark Einbruchsopfer leiden.»

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