Es ist für ältere Menschen oft speziell schwierig, einen neuen Arbeitsplatz zu finden. Das bestätigt ein Blick in die Statistik über den Solothurner Arbeitsmarkt. Im Durchschnitt des vergangenen Jahres waren monatlich 424 Langzeitarbeitslose registriert, also Menschen, die länger als ein Jahr einen Arbeitsplatz suchen. Das entspricht einem Anteil am Total der Arbeitslosen von rund 11 Prozent.

Die Aufteilung nach Altersgruppen ergibt folgendes Bild: 10 der 424 Langzeitarbeitslosen oder 2,3 Prozent waren 15-bis 24-jährig, 93 Betroffene oder 21,9 Prozent 45- bis 54-jährig. Und 182 oder 43 Prozent aller Langzeitarbeitslosen fallen in die Alterskategorie 55 bis 65 Jahre. Hinzu kommt: Je länger die Arbeitslosigkeit dauert, desto kleiner ist die Chance, einen Job zu finden und umso grösser wird die Gefahr, nach zwei Jahren ausgesteuert zu werden. Pro Monat sind es im Kanton Solothurn regelmässig 90 bis 100 Betroffene, die ihren Anspruch auf Unterstützung durch die Arbeitslosenversicherung verlieren.

Vielfach wird behauptet, dass diese dann allesamt bei der Sozialhilfe landen. Dem ist aber nicht so, wie David Kummer, Leiter Sozialleistungen und Existenzsicherung im kantonalen Amt für soziale Sicherheit, erklärt. «Die Formel – Aussteuerung bei der Arbeitslosenversicherung gleich nachfolgender Sozialhilfebezug – ist nicht haltbar.» Die Gründe, welche zum Sozialhilfebezug führten, seien in aller Regel einiges komplexer.

Kummer nennt beispielsweise persönliche Schwierigkeiten wie Trennungen, Scheidungen oder längerdauernde Krankheiten. Die Aussteuerung könne dabei ein zusätzlicher Faktor sein. Arbeitslosigkeit und Aussteuerung seien in der Sozialhilfe aber selten die einzigen massgebenden Faktoren. «Letztlich muss nur ein relativ kleiner Anteil von rund 20 Prozent der ausgesteuerten Personen Sozialhilfeleistungen beanspruchen.» Er macht dafür mehrere Gründe geltend:

Vermögenswerte Aussteuerung bedeute nicht direkt materielle Bedürftigkeit. Oft bestünden noch genügend Vermögenswerte oder Einkünfte des Ehepartners, welche verhindern, dass eine Sozialhilfebedürftigkeit entstehe.

Arbeitsplatz Es gebe Betroffene, welche auch nach der Aussteuerung noch einen neuen Arbeitsplatz finden. Häufig finde hier wohl auch ein Wechsel in eine schlechter bezahlte Anstellung statt.

Rückzug Ausgesteuerte zögen sich vom Arbeitsmarkt zurück, zum Beispiel über die frühzeitige Pensionierung oder mithilfe der Unterstützung durch Verwandte.

Andererseits sei auch klar, dass Verschärfungen in den Sozialversicherungen letztlich tendenziell immer zu Mehrbelastungen in der Sozialhilfe führten, so David Kummer weiter. Das lässt sich auch aus der Sozialhilfestatistik ableiten. 2011 wurden im Rahmen der Revision der Arbeitslosenversicherung die Bedingungen für Betroffene deutlich verschärft, insbesondere wurde die Bezugsdauer für Taggelder gekürzt.

Das hatte zur Folge, dass viele Langzeitarbeitslose ihren Anspruch auf Unterstützung auf einen Schlag verloren hatten. Während 2011 im Kanton Solothurn 8111 Personen von der Sozialhilfe unterstützt wurden, waren es 2013 fast 9000 (aktuellere Zahlen sind noch nicht erhältlich). Auch die Anzahl der Fall-Dossiers stieg laut Kummer von 5153 auf 5744.