Obergericht

«Nur» je sechs Jahre Freiheitsentzug für zwei Kokain-Dealer

Kokain wird sichergestellt. (Symbolbild)

Kokain wird sichergestellt. (Symbolbild)

Zwei nigerianische Drogenhändler wurden zu sechs Jahren Freiheitsentzug verurteilt. Die Vorinstanz hatte noch sieben Jahre verhängt. Die Dealer wurden im November 2009 von der Polizei in Solothurn verhaftete.

Am Ende einer zweimonatigen Observation verhaftete die Polizei in Solothurn im November 2009 drei Mitglieder eines europaweit tätigen, nigerianischen Netzwerkes von Drogenhändlern. Alle paar Tage schmuggelten sie kiloweise Kokain aus den Niederlanden nach Solothurn und verteilten die Droge im Mittelland und der Westschweiz.

Bei der Razzia im Solothurner Drogennest bot sich der Polizei ein ungewöhnliches Bild: Ein «Bodypacker» war gerade dabei, 1,6 Kilogramm Kokain aus dem Darm auszuscheiden. Die Droge hatte er als «Fingerlinge» verpackt geschluckt und in die Schweiz transportiert. Ein anderer Drogendealer versuchte derweil, Beweise zu vernichten, indem er 4320 Franken Drogengeld die Toilette hinunterspülen wollte. Aber die Banknoten schwammen obenauf.

Im November 2011 wurden Charlie S.* und Alan H.* vom Amtsgericht Solothurn-Lebern wegen Verbrechen gegen das Betäubungsmittelgesetz zu je sieben Jahren Gefängnis verurteilt, wobei das Verschulden als banden- und gewerbsmässig sowie mengenmässig schwer qualifiziert wurde. Dazu kam eine Verurteilung wegen bandenmässiger Geldwäscherei. Der geständige und in der Hierarchie des Netzwerkes tiefer eingestufte «Bodypacker» Jake H.* wurde zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren verurteilt.

Während der «Bodypacker» sein Urteil akzeptierte, waren der 34-jährige Charlie S. und der 30-jährige Alan H. mit ihrer harten Strafe nicht einverstanden. Sie wollten den Fall vom Solothurner Obergericht nochmals beurteilt haben. Neue Beweismittel, oder auch nur frische Argumente, hatten die Pflichtverteidiger der beiden Nigerianer aber nicht vorzulegen.

Gelogen bis zum bitteren Ende

«Sie haben immer abgestritten, dass sie etwas mit den Drogenlieferungen zu tun hatten. Bleiben sie dabei?», fragte also Oberrichter Hans-Peter Marti. «Ich bin nicht in alle Drogengeschäfte involviert, die mir vorgeworfen werden», antwortete Charlie S., «nur zweimal war ich dabei. Ich hatte den Auftrag, Jake H. in Empfang zu nehmen und bekam dafür 600 Franken.

Das zweite Mal, als ich dabei war, wurde ich schon verhaftet. Ich brachte ihn nur an den vereinbarten Ort und wäre meinen Weg weitergegangen. Aber die Polizei war zu schnell.» Auch für seine ungewöhnliche «Geldwäscherei» hatte Charlie S. eine Erklärung: «Ich wollte das Geld nicht die Toilette hinunterspülen. An diesem Tag regnete es und es wurde feucht. Ich legte es auf den Radiator zum Trocknen. Das Geld war gar nicht in der Toilette.»

Handel mit 13,7 Kilogramm

Staatsanwalt Philipp Rauber bezog sich in seinem Plädoyer auf die lange Telefonüberwachung und die Observationen der Polizei, die von den beiden Angeklagten ein eindeutiges Bild zeichneten. Er forderte eine Bestätigung des erstinstanzlichen Urteils, also eine Freiheitsstrafe von sieben Jahren. Die beiden Verteidiger betonten jeweils, dass ihr Mandant nur die Rolle eines Gehilfen gespielt hatte. Und es sei nicht so einfach möglich, die abgehörten Handynummern einer bestimmten Person zuzuordnen. Viele verschiedene Personen hätten die herumliegenden Handys benutzt, also seien diese Gespräche als Beweise nicht brauchbar.

Das Obergericht folgte wie die Vorinstanz weitgehend der Beweisführung der Staatsanwaltschaft und verurteilte beide Angeklagte wegen banden- und gewerbsmässigen sowie mengenmässig schweren Verbrechens gegen das Betäubungsmittelgesetz. Insgesamt betrachtete das Obergericht den Handel mit mindestens 13,7 Kilogramm Kokain in einem Zeitraum von zwei Monaten als bewiesen.

Nur die Stellung innerhalb des Drogennetzwerkes beurteilte das Obergericht etwas anders, weshalb es zu einer leicht milderen Strafe von sechs statt sieben Jahren kam: «Beide haben grosse Mengen Kokain in Empfang genommen, gelagert und weitergegeben», heisst es in der Urteilsbegründung. «Sie hatten keine grosse Entscheidungsgewalt. Das Kokain war jeweils markiert und die Abnehmer waren bereits durch die Zentrale in den Niederlanden vorbestimmt. Ihre Stellung innerhalb des Drogennetzwerkes war also untergeordnet und sie verfügten über wenig Handlungsspielraum. Aber sie gingen sehr professionell vor.»

* Name von der Redaktion geändert

Meistgesehen

Artboard 1