Patientenschutz
«Nur in weniger Fällen läuft es in Spitälern wirklich schief»

Laut Margrit Kessler, der Präsidentin der Patientenschutzorganisation, sollen die schlimmsten Fälle, welche in Spitälern passieren, nicht als Massstab genommen werden, um die Sicherheit der Schweizer Spitäler zu beurteilen.

Samuel Thomi
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Margrit Kessler

Margrit Kessler

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Wie sicher, Margrit Kessler, sind Schweizer Spitäler?

Vorweg: Krank sein ist grundsätzlich unsicher. Ebenso klar ist: Könnte ich wählen, würde ich am liebsten in der Schweiz behandelt. Zwar passieren auch bei uns Fehler. Bei einer Million Behandlungen pro Jahr läuft es aber nur in wenigen Fällen wirklich schief. Kleinere Fehler kann der Körper meist von selber beheben. Daher wäre es falsch, wenn ich die schlimmsten Fälle, die bei uns landen, als Massstab für die Sicherheit der Schweizer Spitäler nähme.

Was können Sie zu Solothurn sagen?

Im Detail kann ich mich nicht äussern. Wenn man am Bürgerspital nun aber gegen die hohe Infektionsrate aktiv wird und darüber öffentlich informiert, kann damit das Vertrauen zurückgewonnen werden.

Der Redaktion wurden in den letzten Tagen mehrere Berichte über schlechte Erfahrungen zugetragen ...

... daraus lässt sich aber nicht schliessen, dass es auch wirklich mehr Probleme gibt. Wir beobachten oft, dass sich in solchen Situationen viele an frühere negative Erlebnisse erinnern und diese plötzlich melden.

Wie soll ein Spital darauf reagieren?

Zentral ist eine gelebte Fehlerkultur. Ärzte sollen zu Fehlern stehen und mit Patientendas Gespräch suchen. Laut unserer Erfahrung akzeptieren das die meisten Patienten.

Warum betreffen die uns gemeldeten Fälle meistens Frauen?

Das muss purer Zufall sein. Ich kenne zwarkeine Statistik dazu, würde aber behaupten, dass Frauen sensibilisierter sind, wenn etwas schiefläuft, und sich eher wehren.