Kanton Solothurn
Nur Ausnutzung? Praktikum-Praxis in Kitas wird unter die Lupe genommen

Kantonsrätin Barbara Wyss Flück verlangte in einem Auftrag die umstrittene Praktikum-Praxis in der Kinderbetreuung zu regeln.

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Für den Regierungsrat stellt sich die Frage, ob es sich bei der Praktikum-Praxis wirklich um eine Eignungsabklärung handelt oder nicht eher um Fälle von Lohndumping. (Symbolbild)

Für den Regierungsrat stellt sich die Frage, ob es sich bei der Praktikum-Praxis wirklich um eine Eignungsabklärung handelt oder nicht eher um Fälle von Lohndumping. (Symbolbild)

Kindertagesstätten bieten häufig Praktikantenstellen an, wobei ein absolviertes Praktikum noch keine Garantie für eine Lehrstelle zur Ausbildung als Fachfrau/Fachmann Betreuung gibt. Die Zeitdauer dieser (schlecht bezahlten) Praktika kann recht lang sein. Für den Regierungsrat stellt sich damit die Frage, ob es sich hier wirklich um eine Eignungsabklärung für die Vergabe von Lehrstellen handelt oder nicht eher um Fälle von Lohndumping. Das schreibt er in der Antwort auf einen Vorstoss von Kantonsrätin Barbara Wyss Flück (Grüne, Solothurn).

Diese Zeitung hatte im Januar darüber berichtet, dass in Solothurner Kindertagesstätten rund 30 Prozent der Stellen von Praktikant(inn)en besetzt sind und manche ein ganzjähriges Praktikum verlangen, bevor sie eine Lehrstelle anbieten. Obwohl man anders als früher die Berufslehre Fachfrau/Fachmann Betreuung heute direkt nach der Schule antreten kann, nicht erst mit 18.

Darauf verlangte Kantonsrätin Wyss in einem Auftrag, die Praktikum-Praxis zu regeln: maximal einjährige Praktika nur in Kombination mit schulischer Bildung, ohne schulische Bildung maximal sechsmonatige Praktika.

Dies lehnt der Regierungsrat aber ab. Aus grundsätzlichen Überlegungen: Für eine sachgerechte berufliche Grundbildung zur Fachperson Betreuung brauche es nämlich weder von der Nachfrage noch vom Angebot her ein Berufsvorbereitungsjahr mit schulischer Bildung. Deshalb lehne man aus bildungspolitischer Sicht auch eine Reglementierung der Praktika ab.

Hingegen hat die tripartite Kommission der kantonalen Arbeitsmarktpolitik beschlossen, im Rahmen der Arbeitsmarktbeobachtung die Branche fokussiert zu kontrollieren, wie die Regierung mitteilt. Dabei seien ein Referenzlohn für Praktika in Kindertagesstätten festgelegt und deren Dauer auf maximal zwölf Monate begrenzt worden. «Die Problematik ist somit erkannt», schreibt der Regierungsrat. Nach der Auswertung er Ergebnisse der fokussierten Arbeitsmarktbeobachtung in diesem Jahr werde das weitere Vorgehen festgelegt. (mou)