Wenn drei Regierungsräte nach 100 Tagen im Amt über ihren neuen Job reden, sollte uns das eigentlich interessieren. Tut es aber mässig, wie die Besucherzahlen auf unserer Homepage solothurnerzeitung.ch belegen. Und wie steht es mit der hoch emotionalen 1:12-Debatte im Solothurner Kantonsrat? Sie müsste doch für Klicks en masse sorgen. Nochmals Fehlanzeige.

Sex sells

Spitzenreiter dieser Woche waren «Pornodreh mitten auf Oensinger Strasse» und «Lehrer filmt nackte Knaben in Garderobe». Das erstaunt Sie nicht wirklich? Uns auch nicht. Der Begriff Sex (in welchem Zusammenhang auch immer) oder das Bild einer angedeuteten Po-Backe reichen, um im Netz uneingeschränkte Aufmerksamkeit zu erzielen.

Es stellt sich somit die nicht ganz unwesentliche Frage, wie Geschichten zu solchen Reizthemen (die offensichtlich umso heftiger reizen, jemehr wir gereizt werden) medial angegangen und der Öffentlichkeit präsentiert werden sollen.

Die Relevanz der Oensinger Zuckung war es nicht weiter wert, Druckerschwärze zu verschwenden. Anders die Entwicklung im Fall des Mümliswiler Pädagogen, der sich mit einem Nackt- (?), sicher jedoch Nachtbad, begleitet von zwei Buben, um seine Stelle gebracht hat. Hier mussten und wollten wir genauer hinschauen.

Ein junger, auf den ersten Blick hoffnungsvoller Lehrer entpuppte sich als grosse Enttäuschung: Er interessierte sich mehr für den Körper als den Geist seiner ihm anvertrauten Kinder. Während seiner Laufbahn nicht bloss einmal, nicht zweimal, sondern vielfach, wie Recherchen ergeben haben. Ein multipler Vertrauensbruch, der bei Direktbetroffenen tiefe Spuren hinterlassen hat. Gleichzeitig erstaunen gewisse Reaktionen auf der Beobachterseite doch schon sehr.

Verkehrte Welt?

Eigentlich müsste man davon ausgehen, dass das Herstellen von kinderpornografischem Bildmaterial unisono auf Ablehnung stösst. Dem ist jedoch nicht so, wie Zuschriften zu entnehmen ist, die sich auf unsere Berichterstattung beziehen – eine breit abgestützte, faktenorientierte Darstellung des Sachverhaltes.

Kritisiert wurde einerseits das resolute Durchgreifen der zuständigen Stellen, andererseits schafften es tatsächlich einige, die Handlungen des Lehrers zu verharmlosen respektive ihn, den Täter, als Opfer hinzustellen.

In diesem Zusammenhang ist generell festzustellen, dass sich in Fällen von Annäherungen oder Übergriffen auf Kinder auch hierzulande regelmässig relativierende Stimmen zu Wort melden. Die Pädophilen-Aufarbeitungsdebatte von Rot-Grün in Deutschland lässt grüssen.

Da halten wir es mit dem Präsidenten des Fussballklubs, bei dem der fehlbare Ex-Lehrer als Juniorentrainer angeheuert hatte: Der Chef wandte die viel beschworene Nulltoleranz an und entliess den Nachwuchsbetreuer auf der Stelle. Richtigerweise. In solchen Fällen ist Toleranz schlichtweg unverhandelbar. Wohlverstanden, wir sprechen hier nicht von erwachsenen Menschen, die gemeinsam und im gegenseitigen Einvernehmen (oder halt auch alleine) ihren Trieben folgen.

Täter betreibt Verharmlosung

Dass der pädophile Ex-Lehrer anders tickt, kann man online bei Tele M1 verfolgen. Dort spricht er unverblümt über seine Neigungen und versucht sich herauszuwinden (was Sie möglicherweise gar nicht hören wollen). Auch dieser Auftritt macht bestimmt Quote. Das Gute daran, er zeigt schonungslos auf, weshalb wir unsere Kinder wenn immer möglich vor falsch eingespurten Betreuern schützen müssen.