100 Jahre Waffenlauf

Nostalgie: Zum Jubilläum wurde noch einmal der «Wiedlisbacher» durchgeführt

Erwin Haas aus Langenthal ist vermutlich der letzte Sieger des Hans-Roth-Gedenklaufs. Rund 500 Personen nahmen am Waffenlauf teil. Bis 2008 fand der Lauf Jahr für Jahr statt. Nun haben sich die Zeiten geändert und so war dieser «Wiedlichsbacher» wohl der letzte.

Seit 100 Jahren gibt es offiziell Waffenläufe in der Schweiz. Um das grosse Jubiläum würdig zu feiern, wurde am Sonntag noch einmal der legendäre «Wiedlisbacher» durchgeführt – von Wiedlisbach nach Solothurn und wieder zurück nach Wiedlisbach. Der Langenthaler Erwin Haas gewann überlegen – und wird vermutlich als der allerletzte Sieger des Hans-Roth-Gedenklaufs in die Geschichte eingehen.

500 Personen waren mit dabei

Etwas mehr als 30 Kilometer Nostalgie. So fühlte sich der «Wiedlisbacher» an, der am Sonntag zum letzten Mal ausgetragen wurde. Gesamthaft über alle Kategorien hinweg nahmen rund 500 Personen teil, darunter auch etliche Frauen. Rund die Hälfte davon waren «echte» Waffenläufer, die in Uniform und mit Armeegepäck auf dem Rücken die Strecke meisterten.


«In der Offiziersschule marschierte ich 100 Kilometer und dachte, den ‹Wiedlisbacher› mit seinen 30 Kilometern schaffe ich locker», schwelgte Rolf Hofer am Strassenrand in Feldbrunnen in Erinnerungen. «Dann habe ich aber recht gelitten. Die Strecke ist sehr hart.» Siebenmal sei er den «Wiedlisbacher» gelaufen. «Am schönsten war es, aus der Verenaschlucht herauszukommen und von vielen Zuschauern mit Applaus belohnt zu werden», meinte Hofer.


Dann rannte Erwin Haas mit schmerzverzerrtem Gesicht beim Schloss Waldegg, dem Kilometer 21, vorbei – er hatte Seitenstechen. «Es war, wie wenn mir einer ein Messer hinengestossen hätte», sagte Haas im Zielraum. «Ich musste wirklich beissen.» Trotzdem hielt er den Abstand zu Daniel Hermann bei zwei und auf Philipp Bütikofer bei drei Minuten. «Als ich die letzte Steigung geschafft hatte und beim Wallierhof vorbeikam, das wusste ich, dass ich gewinnen kann.»

Sein Rennen sei frei nach dem militärischen Motto «Die Planung ersetzt den Irrtum durch den Zufall» verlaufen. «Ich wollte es eigentlich zurückhaltend beginnen und mit der Zeit steigern», erklärte der Sieger seine Taktik. «Aber dann rannte André Nussbaumer den Berg rauf wie eine Rakete und da musste ich mitgehen. Als es wieder flacher wurde, überholte ich ihn.» Von da an habe er es «piano» genommen und sei sein eigenes Tempo gelaufen.


Dem Wandel der Zeit geopfert

Die Mentalität hat sich gewandelt. Am Jubiläumslauf nahmen viele im Trainer und ohne sportliche Ambitionen teil. Die Läufer in Uniform mit Rucksack sind seltener geworden. Und nun sind die Zeiten des Gedenklaufs für den Rumisberger Hans Roth definitiv vorbei. Roth soll Solothurn im Jahr 1382 vor einem Überfall der Habsburger gewarnt haben, indem er rückwärts durch den Schnee von Wiedlisbach bis in die Stadt gelaufen ist. 1954 fand der Gedenklauf ein erstes Mal statt. Jahr für Jahr wurde er dann bis 2008 durchgeführt. Gestern jetzt, aus Anlass des 100-Jahr-Jubiläums der Schweizer Waffenläufe, haben ambitionierte Sportler die legendäre Strecke wohl ein letztes Mal unter die Füsse genommen. Selbst die Erlaubnis, den Jubiläumslauf noch einmal durch die Verenaschlucht zu führen, wurde den Organisatoren verwehrt. Und wo früher Hundertschaften am Strassenrand Schwämme und Getränke verteilten, verloren sich nur noch ein paar wenige Zuschauer.

Den Wandel der Zeit will Pius Segmüller, einst Oberst im Generalstab und heute Chef ausserdienstliche Tätigkeiten, nicht wegreden: «Die schönen Erinnerungen kommen heute wieder auf und ich sehe viele bekannte Gesichter aus meiner aktiven Zeit als Waffenläufer. Trotzdem glaube ich nicht, dass es noch einmal einen ‹Wiedlisbacher› geben kann. Die Organisation auf dieser Strecke ist einfach zu kompliziert.» Für den Waffenlauf im Allgemeinen sieht Segmüller aber eine positive Zukunft. «Er wird nicht mehr die Massen bewegen wie in der Hochblüte. Aber die Zahl der Waffenläufe ist von fünf wieder auf zehn angewachsen.»

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