Lehrlinge
Noch nie so viele neue Lehrverträge im Kanton Solothurn ausgestellt

72 Prozent der Schulaustretenden im Kanton Solothurn wählten in diesem Jahr den Weg der beruflichen Ausbildung – so viele wie noch nie. Der Anteil ist in der Vergangenheit stetig gestiegen. Im nationalen Vergleich ist Solothurn damit absolute Spitze.

Franz Schaible
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Solothurn ist ein Berufsbildungskanton: 72 Prozent der Schulaustretenden im Kanton Solothurn wählten in diesem Jahr den Weg der beruflichen Ausbildung (Symbolbild)

Solothurn ist ein Berufsbildungskanton: 72 Prozent der Schulaustretenden im Kanton Solothurn wählten in diesem Jahr den Weg der beruflichen Ausbildung (Symbolbild)

Keystone

«Die Ausbildungsbereitschaft in den Unternehmen im Kanton Solothurn bleibt unverändert sehr hoch», erklärt Renato Delfini, Leiter der Berufs-, Studien- und Laufbahnberatung beim Kanton. Die Sensibilisierung gegenüber dem Fachkräftemangel sei gestiegen. Das führte dazu, dass die berufliche Ausbildung für die Schulaustretenden der mit Abstand am meisten beschrittene Weg nach der obligatorischen Schulzeit ist.

In diesem Jahr waren es 72 Prozent der rund 2630 Schulaustretenden. Der Anteil ist in den vergangenen Jahren stetig gestiegen, 2008 lag dieser noch bei 64 Prozent. Dieser Wert stelle im nationalen Vergleich absolute Spitze dar, sagt Delfini und interpretiert: «Solothurn ist ein Berufsbildungskanton.»

Insgesamt sind auf das Lehrjahr 2013/14 nach aktuellstem Stand 2442 neue Lehrverträge unterzeichnet worden. Darin eingeschlossen sind jene Lernenden, die von der Kantonsschule her oder einer Zwischenlösung im Vorjahr heraus eine Lehre starten oder nach einem Lehrabbruch eine neue Ausbildung in Angriff nehmen. Insgesamt sind damit 6549 Lehrverträge in Kraft.

Beide Kennzahlen bedeuten im Kanton Solothurn Rekord. Nur gerade 4,5 Prozent der Schulaustretenden hätten Ende Juli keine Anschlusslösung gehabt. Dieser Anteil habe sich dank Coachingmassnahmen bis Ende August noch etwas mehr als halbiert, erklärt Delfini.

Trotzdem macht sich auch im Solothurnischen die demografische Entwicklung bemerkbar: Der Rückgang der Zahl der Schulabgänger führt dazu, dass die Besetzung der Lehrstellen schwieriger wird. So waren beim Kanton zum Abschluss der möglichen Lehrstellenvergaben Ende August noch 144 offene Lehrstellen gemeldet. Im Vorjahr waren es zum gleichen Zeitpunkt 79. Und dies trotz Schulaustretenden ohne Anschlusslösung.

Das Matching von Angebot und Nachfrage stimme in der Praxis eben nicht in jedem Fall überein, kommentiert Renato Delfini. Leistungsschwache, sozial auffällige oder generell Jugendliche mit mehreren Defiziten hätten weiterhin schwierige Startbedingungen. Und dass ein dünner Schulrucksack nicht das grösste Handicap sein muss, belegt Delfini anhand der Umfrage – Wodurch zeichnen sich gute Lernende aus? – unter Lehrfirmen. In einer Skala von sehr wichtig bis sehr unwichtig rangieren «Fleiss und Pflichtbewusstsein», «Pünktlichkeit und Ordnung», «Fähigkeit zur Zusammenarbeit», «Sauberkeit und Sorgfalt» sowie «Angenehme Umgangsformen» mit Abstand an der Spitze.

Auf der anderen Seite leiden etliche Branchen unter einem schlechten Image. Insbesondere das Metzgergewerbe kämpft mit Nachwuchssorgen. Oft zu Unrecht, wie ein Besuch bei der Metzgerei Scholl in Selzach zeigt. Der Familienbetrieb kennt kaum Rekrutierungsprobleme und bildet immer drei Lernende aus.