Kanton Solothurn

Noch nicht studierfähig? Ungenügende Kantischüler sollen in die Nachhilfe

Unsicher in Deutsch oder Mathik? Solche Kantischüler sollen künftig zusätzlich gefördert werden, um nach der Kanti wirklich studierfähig zu sein.

Unsicher in Deutsch oder Mathik? Solche Kantischüler sollen künftig zusätzlich gefördert werden, um nach der Kanti wirklich studierfähig zu sein.

In Deutsch und Mathe haben einige Schülerinnen und Schüler auch bei Abschluss der Kantonsschule Lücken. Deswegen wurden im Kanton die Lehrpläne angepasst – wer gewisse basale Kompetenzen nicht erfüllt, muss nun zusätzlich büffeln.

Wer die Matur im Sack hat, kann studieren, was er oder sie will: Meeresbiologie, Mathematik oder Germanistik. Theoretisch. Denn: Der Abschluss sagt zwar aus, dass ein Schüler oder eine Schülerin studierfähig ist. Immer wieder fehlt es Maturandinnen und Maturanden aber an genügenden Deutsch- oder Mathe-Kenntnissen. Das ist nicht neu, bereits 2008 ging dies aus einem Bericht hervor.

Die eidgenössische Konferenz der Erziehungsdirektoren hat reagiert. In einem Bericht von 2016 heisst es: «So ist ein Teil der Schweizer Maturandinnen und Maturanden wohl zum allgemeinen Hochschulzugang berechtigt, verfügt aber in wichtigen Bereichen von Mathematik und Erstsprache nur über ungenügendes Wissen und Können.» Deshalb wurden Massnahmen ausgearbeitet, welche die EDK den Kantonen zur Umsetzung empfiehlt. Die erste wurde nun umgesetzt – auch im Kanton Solothurn. Sogenannte «Basale fachliche Kompetenzen für die allgemeine Studierfähigkeit» wurden auf dieses Schuljahr hin in die Lehrpläne aufgenommen. Diese müssen alle Klassen erfüllen, damit sie wirklich studierfähig sind.

Einzelne Fächer sausen lassen – «wird nicht mehr geduldet»

Ein Beispiel für eine basale Kompetenz im Fach Mathematik aus dem ersten Jahr: Die vier Grundoperationen anwenden – schriftlich und im Kopf. Im vierten und letzten Jahr kommen dann Kompetenzen wie etwa das Differentialrechnen dazu.

Wer bisher in einem Fach – etwa Mathe – abgehängt hat und an den Maturprüfungen ungenügend abschnitt, konnte das jeweils locker kompensieren – etwa mit einer guten Note in Deutsch. Oder aber umgekehrt: Wer in Mathe sehr gut war, brauchte nicht zwingend die Note 4 im Fach Deutsch, um durch die Matur zu kommen.

Ein Fach weniger ernst nehmen, bei gewissen Themen abhängen, das wolle man künftig nicht mehr dulden, so Christina Tardo, Konrektorin an der Kantonsschule Solothurn. Sie war bei der Überarbeitung des Lehrplans in Solothurn dabei. «Die Kompetenzen müssen einfach alle beherrschen.» Denn: Man wisse, dass Schülerinnen und Schüler, die nur mit der Note 4 oder auch weniger gerade so durchrasseln, später Mühe im Studium haben. Und je nach Fachbereich an der Universität Lücken haben, die sie aufholen müssen. Diese Lücken sollen nun bereits früher gefüllt werden.

So sollen die Kompetenzen im Unterricht erworben werden. Einmal pro Lehrgang wird geprüft, bei wem dies nicht der Fall ist. Diese Schülerinnen und Schüler haben dann Nachholbedarf, müssen etwa zusätzliche Kurse belegen oder Übungen machen. Wie genau diese Fördermassnahmen aussehen, wisse man noch nicht, so Tardo. Wohl bis zu den Herbstferien beschäftige man sich noch mit der Ausarbeitung.

Weiter als in Zürich, noch nicht so weit wie in Langenthal

Ob mit den neuen Lehrplänen und entsprechenden Massnahmen dann auch mehr Schülerinnen und Schüler wirklich studierfähig sind, wird sich erst später zeigen. Es handle sich hier «um eine grosse Übung», so Sibylle Wyss, Rektorin der Kantonsschule Olten. Wohl erst in vier Jahren erkenne man, ob dank Fördermassnahmen die definierten basalen fachlichen Kompetenzen besser erfüllt werden.

Diese müssen schweizweit – also an allen Kantonsschulen – erfüllt werden. Solothurn ist bei dieser Vorgabe schon weiter als etwa Zürich. Dort arbeiten die einzelnen Fachschaften derzeit an Konzepten, während man in Solothurn Kompetenzen bereits in den Unterricht aufgenommen hat. In Zürich ist auch das «Lernnavi» Thema. Eine Online-Plattform, wo Schülerinnen und Schüler Kompetenzen selbst testen – und, wenn sie sie nicht erfüllen, gleich Übungen dazu machen können. In Solothurn war die Plattform bereits Thema, wie Tardo berichtet. Man warte noch auf die Freigabe des Pilotprojekts aus dem Kanton St. Gallen, dann wolle man es auch in Solothurn testen.

Eine weitere mögliche Fördermassnahme wäre zusätzlicher Stützunterricht für diejenigen, die in Deutsch oder Mathematik Lücken aufweisen. Dieses Modell hat man im Kanton Bern schon eingeführt. So heisst es bei der Kantonsschule Langenthal auf Anfrage: «Es ist richtig, dass Schülerinnen und Schüler, welche bei für viele Studienrichtungen wichtigen Kompetenzen in Deutsch und Mathematik Lücken haben, ab nächstem Schuljahr Förderangebote besuchen müssen.» Diese fänden ausserhalb der normalen Unterrichtszeit statt.

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