Zuchwil
Noch nicht alle Scintilla-Angestellte haben neuen Job

Die im Herbst 2013 angekündigte Verlagerung der Fertigung von Elektrowerkzeugen vom Scintilla-Werk nach Ungarn mit dem Abbau von 330 Jobs ist praktisch abgeschlossen. Die Bosch-Tochter will aber in Zuchwil bleiben – vielleicht gar in einem Neubau.

Franz Schaible
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Bosch bleibt mit ihrer Scintilla auch nach Verlagerung der Fertigung in Zuchwil.

Bosch bleibt mit ihrer Scintilla auch nach Verlagerung der Fertigung in Zuchwil.

Hansjörg Sahli

Im November 2013 schockte die Geschäftsleitung der Bosch-Tochter Scintilla in Zuchwil mit einer Hiobsbotschaft. Die gesamte Fertigung von Elektrowerkzeugen inklusive Entwicklung wird in ein anderes, kostengünstigeres Bosch-Werk in Ungarn verlagert. 330 Angestellte waren betroffen. Davon haben inzwischen mindestens 71 Prozent eine Anschlusslösung gefunden, wie Alexander Jahn, Leiter Personal bei der Scintilla, an einem Anlass mit Vertretern der Sozialpartner und der kantonalen Wirtschaftsförderung Bilanz zog.

Dazu gehören auch die Lernenden, vorzeitige Pensionierungen, interne Versetzungen und jene, die selbst gekündigt haben. Und von den 29 Prozent oder rund 100 Betroffenen, die bis dato keine Anschlusslösung haben, seien deren 45 noch mit "an Bord". 19 seien im Werk beschäftigt, 26 in der Entwicklungsabteilung. Deren Stellen würden bis Ende dieses Jahres aber auch noch nach Ungarn und Deutschland verlagert, hielt Entwicklungsleiter Stefano Delfini fest.

Tatsächliche "Erfolgsquote" ist höher

Die tatsächliche "Erfolgsquote" bei den Anschlusslösungen dürfte aber, so Jahn, höher liegen. Von den derzeit noch beschäftigten Betroffenen würden einige frünpensioniert oder es zeichneten sich interne oder externe Lösungen ab. Zudem habe man nicht mit allen gekündigten Mitarbeitenden Kontakt, die den Betrieb verlassen haben. Da gebe es solche, die inzwischen ebenfalls eine neue Arbeitsstelle gefunden hätten.

Unter der Federführung der Beratungsunternehmung Boston Consulting suchten die Scintilla-Verantwortlichen während fast zwei Jahren intensiv nach Investoren. Ziel war es, dass diese Fläche und Mitarbeitende übernehmen oder gar zusätzliche Arbeitsplätze schaffen, wie Ute Lepple, Bosch-Repräsentantin in der Schweiz und Mitglied der Scintilla-Geschäftsleitung, darlegte. Vor einem Jahr sind dann wie berichtet die letzten beiden potenziellen Investoren abgesprungen.

Jobcenter wird weiter betrieben

Parallel dazu sei allerdings einiges gelaufen, ergänzte Alexander Jahn. Er erinnerte beispielsweise an die Verlagerung der Motorenfertigung mit sieben Arbeitsplätzen an die Dulliker Spemot AG. Und die individuelle Unterstützung der Betroffenen mit dem Betrieb des Jobcenters sei erfolgreich gewesen. "Diese Dienstleistung, ergänzt mit einer Sozialberatung, wird weiterbetrieben", sagte Jahn. Derzeit würden monatlich rund 70 Mitarbeitende das Jobcenter aufsuchen.

"Ein schaler Nachgeschmack"

Beat Uhlmann, Vizepräsident der Angestelltenkommission, zeigte sich mit Einschränkungen zufrieden mit den Bemühungen, für möglichst alle Betroffene eine akzeptable Lösung zu finden. "Gut ist es nicht, aber man hat im Grossen und Ganzen das Beste daraus gemacht." Speziell hob er die geschaffene Sozialplan-Kommission hervor. Diese könne bei Härtefällen durchaus Hilfe leisten. Uhlmann glaubt aber, dass insgesamt noch mehr möglich gewesen wäre. Er erwähnte als Beispiel das geplatzte Management-Buy-Out für die Wellenfertigung mit 22 Arbeitsplätzen. Obwohl es von allen Beteiligten zu Beginn als vielversprechend beurteilt worden sei, habe Bosch dann doch entschieden, die Wellenfertigung ebenfalls nach Ungarn zu verlagern. "Das hinterlässt heute noch einen schalen Nachgeschmack", sagte Uhlmann.

Dagegen gibt es erfreulichere Aussichten für die von der Verlagerung nicht betroffenen Bereiche. Bosch bleibe auch nach der Verlagerung der Fertigung in Zuchwil präsent, erklärte Ute Lepple. Die Scintilla AG beschäftige mit dem globalen Headquarter für das Elektrowerkzeug-Zubehör (220 Arbeitsplätze) sowie mit Servicefunktionen (110) weiterhin insgesamt 330 Angestellte in Zuchwil. "Es gibt keine Pläne, das Zubehörgeschäft zu verlagern. Es ist ein klares Bekenntnis zum Standort Solothurn", versicherte Lepple. Das Geschäft laufe sehr gut und die vorübergehend eingeführte Arbeitszeitverlängerung sei Ende 2015 aufgehoben worden. Hinzu kämen 40 Arbeitsplätze im Bereich Vertriebsaktivitäten bei der Bosch Schweiz AG.

Bosch denkt über Neubau nach

Auch für die Zukunft des Industrieareals von rund 35'000 Quadratmeter Fläche, welches nach der Verlagerung nur noch zum Teil genutzt wird, gibt es Pläne. Lepple skizzierte zwei Alternativen. Entweder werde das gesamte Areal verkauft und Scintilla/Bosch miete sich für die benötigten Flächen ein. Oder das Areal wird verkauft und auf dem Parkplatz neben dem Personalrestaurant auf der anderen Strassenseite werde ein Neubau für die verbliebenen Aktivitäten erstellt.

Über den Zeitplan könnten keine Angaben gemacht werden. Es gebe aber mehrere Interessenten und entsprechende Gespräche würden geführt, so Lepple. Zwar gebe es in der Region einige Industriebrachen, ergänzte Scintilla-Finanzchef Benjamin Jäggi. Vorteil des Scintilla-Areals sei aber, dass für eine Nutzung nicht zuerst riesige Investitionen in die Infrastruktur nötig seien.

Biogen mit "Strahlwirkung"

Zudem sei die Lage ausgezeichnet und man sei angesichts der diversen Anfragen sehr zuversichtlich, einen Investor zu finden, so Jäggi. Ferner übe das Bauvorhaben des US-Biopharmakonzerns Biogen in Luterbach "eine Strahlwirkung" aus. Das bestätigte Sarah Koch, Leiterin der kantonalen Wirtschaftsförderung. "Der Standort Region Solothurn ist dank dem Biogen-Projekt attraktiver geworden." Generell erhalte man viele Anfragen für Ansiedlungen.

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