Gastronomie
Noch längere Beizen-Schliessung? – «Es ist eine Katastrophe, was jetzt geschieht»

Der Bund könnte den Mini-Lockdown für Beizen bis Ende Februar verlängern. Peter Oesch, Präsident von Gastro Solothurn ist bedrückt. Er hofft auf eine rasche finanzielle Lösung und spricht nächste Woche bei der Regierung vor.

Lea Durrer
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Die Restaurants bleiben wohl noch länger geschlossen. Peter Oesch wünscht sich endlich finanzielle Entschädigung.

Die Restaurants bleiben wohl noch länger geschlossen. Peter Oesch wünscht sich endlich finanzielle Entschädigung.

bar/pl

Vor Weihnachten verhängte der Bundesrat einen Mini-Lockdown bis zum 22.Januar 2021. Am Mittwoch liess er verlauten, dass womöglich die Schliessung bis Ende Februar verlängert wird. Das bedeutet noch mehr Druck auf die Gastronomen, die momentan nur Take-Away anbieten dürfen.

Doch dieses Angebot erweist sich im Winter mit vermehrtem Home-Office als schwierig. «Es sagen mir fast alle Betriebe, dass Take-Away ein riesiger Aufwand ist. Manche haben schon wieder aufgehört.» Das sagt Peter Oesch, Präsident vom Verband Gastro Solothurn. Er spricht von einer tragischen Situation. «Es ist eine Katastrophe, was jetzt geschieht.»

Das sei eine scharfe Kritik im Namen aller Solothurner Wirte. Diese wüssten nämlich immer noch nicht, wie die Entschädigungen aussehen. Das Wasser stehe den Betrieben bis ganz oben; es tröpfle schon fast aus der Nase heraus, beschreibt es Oesch. Er kann nicht verstehen, weshalb das Staatssekretariat für Wirtschaft Seco nicht fähig ist, ein Abrechnungssystem zu schaffen, welches der Branche entspreche.

Ein richtiges Raster erstellen

Regelmässig erhält er Reaktionen von Berufskollegen mit heftiger Kritik. Von oben werde heute schon ein Budget fürs 2021 verlangt. «Wie soll das gehen?», fragt er sich. «Die kennen die Branche einfach nicht. Die Art und Weise wie mit uns umgegangen wird, ist eine Katastrophe.» Warum man keine Gastronomie-Experten hinzuziehe, kann er nicht nachvollziehen. «Gastro Consulting hat ein riesiges Hintergrundwissen.»

Peter Oesch ist klar, dass man kein Geld zum Fenster hinaus werfen wolle für sonst schon serbelnde Betriebe. Aber man könne doch ein richtiges Raster erstellen. «Da habe ich das Gefühl, dass man möglichst schnell Gelder sprechen kann.» Dieses sei dringend nötig. BVG- und AHV-Beiträge, Lieferanten und der 13. Monatslohn; gerade gegen Ende Jahr kämen viele finanzielle Verpflichtungen auf die Betriebe zu.

«Es brennt im Dachstock», betont der Gastro-Profi. Die Feuerwehr – hier meint er Kanton und Bund – müssten schnell reagieren für Zahlungen. «Es bedrückt mich sehr, wie die Branche kaputt geht», sagt der leidenschaftliche Gastronom. Wenn keine Lösung komme, würden auch gute Betriebe verschwinden.

Seinen Unmut wird Oesch nicht auf der Strasse ausdrücken. «Ich komme mit Argumenten und Lösungsvorschlägen an den Tisch. Diskutieren müssen wir jetzt nicht mehr.» Er versteht aber die Leute, die etwas machen wollen.

Gespräch mit der Regierung

Der Gastronom hat auch festgestellt, «dass der grösste Teil der Leute gar nicht weiss, was in der Gastrobranche wirklich abgeht». Er fand die Aktion des Zürcher Gastrounternehmens Bindella, welches sich mit einem in der Sonntagspresse abgedruckten offenen Brief an den Bundesrat wendete, sehr gut. Er kann sich vorstellen, etwas Ähnliches zu tun. «Wir müssen die Leute wohl so wachrütteln.» Dies wird sicherlich Thema an einer aussergewöhnlichen Sitzung mit Gastro Suisse, die am Freitag ansteht.

Am Montag will sich Oesch und der Verbandssekretär dann mit der Solothurner Volkswirtschaftsdirektorin Brigit Wyss treffen und die Lage besprechen. «Ich mache mir grosse Hoffnungen, dass wir da etwas schaffen können.»

Am Mittwoch wird dann der Bund sagen, wie es weitergeht. «Dann muss er aber auch sagen, wie er die Härtefallentschädigung regeln will», so Oesch.

Der Präsident von Gastro Solothurn hofft auf eine Öffnung der Restaurants nach dem 22.Januar. «Aber man muss Realist sein», meint er. Er glaube nicht, dass die Kantone eine andere Richtung einschlagen würden.