Arbeitslosigkeit
Noch keine Panik auf dem Solothurner Arbeitsmarkt

Die Arbeitslosigkeit im Kanton Solothurn ist im Dezember gestiegen. Die Quote stieg von 2,5 auf 2,7 Prozent. Trotzdem ist die Lage auf dem Arbeitsmarkt deutlich besser als im Vorjahr.

Franz Schaible
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Noch sprühen die Funken in der Solothurner Industrie. Aber die Abschwächung schlägt langsam auf den Arbeitsmarkt durch. Archiv/AZ

Noch sprühen die Funken in der Solothurner Industrie. Aber die Abschwächung schlägt langsam auf den Arbeitsmarkt durch. Archiv/AZ

«Zwar ist die Zahl der Menschen im Kanton Solothurn ohne Arbeit seit August stetig gestiegen. Aber insgesamt sieht die Bilanz auf dem Arbeitsmarkt für das ganze Jahr 2011 gut aus», erklärt Jonas Motschi, Leiter des kantonalen Amtes für Wirtschaft und Arbeit (AWA). Trotz Massenentlassungen, beispielsweise bei der Papierfabrik Biberist oder beim Buntmetallwerk in Dornach, liege die Arbeitslosigkeit weiterhin deutlich unter dem Vorjahr.

Nach Angaben des AWA waren im Dezember 3568 Männer und Frauen ohne Arbeit registriert. Dies waren 302 mehr als im Vormonat, die Arbeitslosenquote erhöhte sich von 2,5 auf 2,7 Prozent. Damit liegt der Kanton Solothurn weiterhin deutlich unter dem schweizerischen Durchschnitt. Landesweit lag die Quote Ende Dezember bei 3,3 Prozent. Erstmals seit Dezember 2009 ist die Quote im Solothurnischen im vergangenen August gestiegen, und zwar von 2,3 auf 2,4 Prozent.

Arbeitsmarkt ist nicht tot

Das Beispiel der Papierfabrik Sappi zeige, dass der Arbeitsmarkt noch sehr beweglich sei und durchaus Stellen neu besetzt werden, sagt Motschi. Nach Angaben der Papierfabrik haben über 80 Prozent der rund 500 von der Schliessung betroffenen Beschäftigten eine Anschlusslösung (inklusive Frühpensionierungen) gefunden. «Die durchschnittliche Arbeitslosigkeit betrug im vergangenen Jahr 2,6 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahr entspricht dies einer Verbesserung von über 30 Prozent», hält Motschi fest. Auch hier liegt Solothurn deutlich unter dem Schweizer Durchschnitt von 3,1 Prozent.

Für Roland Fürst, Direktor der Solothurner Handelskammer, ist das erfreulich. «Von einer Wirtschaftskrise war noch nicht viel zu spüren.» Es gebe weiterhin sehr viele Betriebe mit vollen Auftragsbüchern. Der starke Franken drücke zwar massiv auf die Margen. Das habe aber noch nicht in grösserem Ausmass auf den Arbeitsmarkt durchgeschlagen. Das bestätigt Jonas Motschi, der auf die regionale Entwicklung der Arbeitslosigkeit im Dezember hinweist. Gerade in den Regionen Grenchen und Solothurn mit vielen Exportfirmen habe sich die Lage nur wenig verschlechtert (siehe Tabelle). Warum dagegen die Zahl der Arbeitslosen und Stellensuchenden im Raum Olten überdurchschnittlich anstieg, sei vorerst nicht ersichtlich.

Auch Markus Baumann, Leiter der Sektion Solothurn der Gewerkschaft Unia, beobachtet, dass sich die Unternehmen bei Restrukturierungen noch zurückhaltend zeigten. «Dagegen kam es bei mehreren Firmen zu Lohnkürzungen und zu verlängerten Arbeitszeiten.» Insgesamt herrsche grosse Unsicherheit über die weitere Entwicklung der Konjunktur. Stichworte seien Wechselkurs und Schuldenkrise. «Ich befürchte deshalb, dass 2012 ein schwieriges Jahr mit vermehrten Restrukturierungen werden wird.»

Binnenwirtschaft läuft gut

Gedämpft optimistisch äussert sich Jonas Motschi zur weiteren Entwicklung. Das Wirtschaftswachstum werde sich zwar deutlich abschwächen, aber ein Abgleiten in eine Rezession erwartet er nicht. Die jüngsten Meldungen aus Deutschland und auch den USA seien teilweise ermutigend. So sei die Arbeitslosigkeit in Deutschland – dem wichtigsten Absatzmarkt für die hiesige Industrie –, auf den tiefsten Stand seit 20 Jahren gesunken. Zudem befinde sich die Binnenwirtschaft in einem nach wie vor guten Zustand. Der Baubranche gehe es gut und auch der Detailhandel laufe dank «einem erfreulichen Weihnachtsgeschäft» gut.

Die Zahl der Arbeitslosen werde im ersten Halbjahr 2012 weiter leicht ansteigen, aber bereits im zweiten Halbjahr komme es zur Gegenbewegung, wagt Motschi eine Prognose. Die durchschnittliche Arbeitslosigkeit werde bei rund 3,1 Prozent liegen, glaubt er.

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