Biker

(Noch) Keine Bike-Strecke am Weissenstein – es droht Zoff statt Erholung

Ein Mountainbike-Fahrer bei der Talstation der Seilbahn Weissenstein in Oberdorf.

Ein Mountainbike-Fahrer bei der Talstation der Seilbahn Weissenstein in Oberdorf.

Alle wollen auf den Berg – auch die Biker. Nicht alle bleiben auf der veralteten Strecke. Jäger und Wanderer sprechen von Chaos. Sorgt bald eine neue Lösung für Entspannung?

Der Weissenstein, Solothurner Hausberg, Naherholungsgebiet, im Winter oft Insel im Nebelmeer. Seit die neue Gondelbahn hochfährt, drängen bei schönem Wetter 1000 und mehr Menschen rauf. «Wir haben die Stadt direkt vor dem Berg, die Anfahrtswege sind kurz. So hat es immer mehr Leute auf beschränktem Raum. Das ist bei uns schon extrem», sagt Konrad Stuber. Er ist Geschäftsführer der Seilbahn Weissenstein AG und der Ansturm auf den Berg wäre für ihn eigentlich Grund zur Freude.

Doch mehr Menschen bedeuten letztlich auch mehr und unterschiedliche Bedürfnisse. Da sind die Ausflügler, die Wanderer, die Jäger und natürlich die Biker. Seit der Mountainbike-Sport Ende der 80er-Jahre in die Schweiz kam, entwickelte er sich vom Freak- zum Massen-Phänomen. Rund eine halbe Million Mountainbiker gibt es in der Schweiz. Und Solothurn hatte mal so etwas wie eine Pionier-Rolle inne.

Mit Stacheldraht gegen Biker

Anfang der Nullerjahre machte sich eine Gruppe um den Bellacher Kuno Probst am Berg zu schaffen. 2002 erhielten sie eine Bewilligung von Kanton und Bürgergemeinde. Dem Frieden am Berg zuliebe. Friedlich aber ging es auch dann nicht wirklich zu. Es gab Sabotage-Akte mit Stacheldraht an der Strecke. Es kam zu Konfrontationen mit Wanderern und Jägern. «Die Einsprachen und Reklamationen aus dieser Zeit füllen etwa zwei Bundesordner», sagt Hans Küpfer. Er ist Markierungschef des Vereins Solothurner Wanderwege und befasst sich seit den ersten Problemen mit der Bike-Strecke.

Auf Rechtsstreitereien hatten die Pioniere offenbar keinen Bock. Irgendwann kümmerte sich niemand mehr um den Unterhalt der Strecke, der Wildwuchs begann. Gewisse Biker begannen die Wanderwege für sich zu beanspruchen, fuhren querfeldein. Hauptsache schnell, Hauptsache runter.

Die Seilbahn übernahm die umstrittene Bewilligung – aus touristischen Überlegungen. Die Winter werden immer kürzer, der Schnee auf dem Weissenstein immer knapper. Die Biker, so sieht das auch Schweiz Tourismus, können zum Ausgleich beitragen. Also kontaktierte Bahnchef Stuber 2008 die Streckenbauer des Gurtentrails. Und so plante man beim Neubau der Gondelbahn fix mit den Mountainbikern.

Dann aber verzögerte sich der Bau wegen Einsprachen. Erst 2014 wurde die neue Gondelbahn eröffnet – mit einem separaten Eingang und einem kleinen Abfahrtsweglein für die Biker. Doch die Bike-Strecke gibt es noch immer nicht. Entsprechend wird auch nicht dafür geworben. Warum?

Solothurn setzt Latte hoch

Gurten-Pionier Samuel Hubschmid sagt: «Die Messlatte im Kanton Solothurn wird sehr hoch gesetzt. Ich habe selten einen so detailliert ausgearbeiteten Streckenplan vorlegen müssen wie hier.» Hubschmid hat sich seit seinen ersten Erfahrungen am Berner Hausberg einen Namen gemacht im Geschäft. In der ganzen Schweiz hat er Projekte umgesetzt. Jetzt berät er die Seilbahn Weissenstein bei der Umsetzung ihres Projektes.

Er weiss aber um die Geschichte. Weiss, wie unkompliziert damals alles lief, dass es Probleme gab danach. Solothurn ist ein gebranntes Kind.

Allerdings: Solange es keine neue Strecke gibt, herrscht Wildwuchs. «Sie fahren heute überall runter nur nicht auf der Strecke», sagt etwa Markus Blaser, Präsident der Jagdgesellschaft Weissenstein. Auch die Wanderwege werden nach wie vor beansprucht. Und so sagt Hans Küpfer: «Das können wir nicht akzeptieren. Damit es zu keinen Konfrontationen kommt, müsste der Weg mindestens 1,70 Meter breit sein und davon gibt es auf dem Weissenstein praktisch keine.»

Jäger drohen mit Einsprache

Die Lage also ist angespannt. Das weiss man auch auf dem Amt für Raumplanung. «Keine Frage, es braucht wieder eine solche Anlage», sagt Stephan Schader, Leiter Nutzungsplanung, «aber wir wollen nicht noch einmal ein solches Wackelverfahren wie damals.» Darum wird minuziös geplant: Die gefährliche Kreuzung der Weissensteinstrasse soll eliminiert werden, Bachläufen wird ausgewichen, Wander- und Bike-Wege werden entflochten.

In den nächsten Tagen soll die Projekteingabe für die neue Strecke erfolgen. Sie soll mehr oder weniger dem alten Verlauf folgen. Man möchte sie aber auch entschärfen. «Es soll auch ein Vater mit seinem 12-jährigen Sohn hier runterfahren können», sagt Hubschmid. Daneben sollen aber auch die Cracks mit Sprüngen und Hindernissen bei Stange gehalten werden. Er und Stuber sind optimistisch, dass im Frühling mit den Ausbauarbeiten begonnen werden kann.

Doch schon jetzt zeichnet sich Widerstand ab. Jäger Blaser sagt: «Der Weissenstein ist ein schützenswertes Gebiet von nationaler Bedeutung. Sobald es bauliche Massnahmen gibt, erheben wir Einsprache.» Was dann geschieht, ist ungewiss. Bahnenchef Stuber sagt bloss: «Wenn sie uns noch einmal so knebeln wollen wie damals beim Bau der Bahn, dann hören wir auf. Die ganze Sache hat uns schon so sehr viel Geld gekostet.» Die Biker aber würden immer noch hochgehen auf den Weissenstein – und dann einfach fahren, wo sie Lust haben. Es droht Zoff statt Erholung am Berg.

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