Drei Polizisten betraten den Gerichtssaal und legten einem der Angeklagten Handschellen an. Wegen Fluchtgefahr ordnete das Obergericht die sofortige Festnahme des Kosovaren an. Alle fünf Mitglieder der berüchtigten – und noch deutlich grösseren – Räuberbande waren für ihre Taten im Baselbiet und im Aargau bereits rechtskräftig verurteilt worden. Das Obergericht musste noch über Zusatzstrafen für Verbrechen befinden, die diese in der Region Olten begangen hatten. Das Gericht folgte dabei weitgehend den Anträgen der Staatsanwaltschaft. Einzig im Fall eines versuchten Raubes an einem Drogendealer, wurden die Freisprüche des Amtsgerichts Olten-Gösgen bestätigt.

Zusatzstrafen 6 bis 30 Monate

So wurden die fünf Männer wegen bandenmässigen Raubes, räuberischer Erpressung und weiterer Delikte zu Zusatzstrafen zwischen 6 Monaten und 30 Monaten verurteilt.

Dann wurde deutlich, wie unterschiedlich sich diese Strafen auswirken werden: Der Bandenchef, bereits zu sechs Jahren verurteilt, muss entsprechend länger im Gefängnis bleiben. Der vorläufig als Flüchtling aufgenommene Libanese wird weiterhin in einer geschlossenen Anstalt therapiert. Der eine der jungen Kosovaren durfte zurück zu Frau und Kind, obwohl er zu einem Jahr unbedingt verurteilt wurde. «Die positive Entwicklung erlaubt es, die Freiheitsstrafe mittels elektronischem Monitoring zu verbüssen, damit er die Arbeit nicht verliert und nicht aus seinem sozialen Umfeld gerissen wird», erläuterte Oberrichter Hanspeter Marti.

Ob der andere, bereits des Landes verwiesene Kosovare, seine Zusatzstrafe je antreten wird, ist fraglich. Derweil wurde der junge Mann, der extra für den Prozess aus dem Kosovo angereist war, wegen Fluchtgefahr verhaftet und ins Gefängnis überführt. Sein Argument gegen die Anordnung der Sicherheitshaft: «Ich werde (...) die Strafe vollziehen, denn es ist für mich besser, hier im Gefängnis nahe bei meiner Familie zu sein als im Kosovo leben zu müssen.»