Weissenstein-Tunnel
Noch gibt es Hoffnung auf tiefere Kosten für Tunnelsanierung

Die Ergebnisse aus den Untersuchungen und den Studien über den Zustand und den Erneuerungsbedarf des Weissensteintunnels von 2011 bis 2013 sind plausibel. Es braucht aber weitere Studien.

Elisabeth Seifert
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Der Weissensteintunnel auf der Strecke zwischen Solothurn und Moutier ist in einem schlechten Zustand.

Der Weissensteintunnel auf der Strecke zwischen Solothurn und Moutier ist in einem schlechten Zustand.

Hanspeter Bärtschi

Pünktlich liegt das Ergebnis einer unabhängigen Untersuchung zum Sanierunsbedarf des Weissensteintunnels auf der BLS-Strecke Solothurn–Moutier vor. Die Expertise von Tunnel-Spezialist Peter Zbinden aber fällt für den Kanton, den Bezirk Thal und weite Teil der Solothurner Öffentlichkeit – jedenfalls auf den ersten Blick – ernüchternd aus.

Anders nämlich als vom Kanton erhofft, der die Studie gemeinsam mit der BLS Ende letzten Jahres in Auftrag gegeben hatte, sind die von der Streckenbetreiberin BLS geschätzten Kosten von rund 170 Mio. Franken nicht überhöht. «Unsere klare Hoffnung diesbezüglich ist nicht eingetroffen», kommentierte Kantonsingenieur Peter Heiniger gestern die vorliegenden Resultate.

Zustand der Tunnelsohle prüfen

So kommt Peter Zbinden, ehemaliger CEO der Alp Transit Gotthard AG, zum Schluss, dass die Untersuchungen zum Erneuerungsbedarf des Weissensteintunnels, wie diese die BLS in den Jahren 2011 bis 2013 durchgeführt hat, «nachvollziehbar und plausibel» seien. Und die daraus sich ergebende Kostenschätzung bezeichnet der Experte in seinem Bericht als «dem Stand der Planung angemessen».

Ist also an den 170 Mio. Franken für eine Sanierung des Tunnels sowie die Aufwendungen für Bahntechnik und Baunebenkosten nicht zu rütteln? Mit nötigen Investitionen in dieser Höhe dürfte es sehr schwierig werden, die Besteller der Bahninfrastruktur – in erster Linie ist dies der Bund – für einen Weiterbetrieb der Bahnlinie zu bewegen. Noch besteht allerdings eine gewisse Hoffnung, dass die Kosten doch etwas tiefer ausfallen werden.

So hat Peter Zbinden bezüglich der «Genauigkeit der vorliegenden Kostenschätzung» nämlich einen «Vorbehalt» angebracht. Noch fehlen, wie Peter Heiniger ausführt, «genauere Kenntnisse über den Zustand der Tunnelsohle und auch über die zeitliche Entwicklung der Schäden im Tunnelgewölbe». Das kantonale Amt für Verkehr und Tiefbau und die BLS haben sich deshalb darauf geeinigt, in den kommenden Wochen ergänzende Untersuchungen an die Hand zu nehmen. Durchgeführt werden diese von der BLS. Bis Ende Jahr sollen dann die Ergebnisse vorliegen. Und diese könnten durchaus zu einem geringeren Sanierungsaufwand führen. Die BLS habe, so Heiniger, in ihrer Kostenschätzung tendenziell einen zu hohen Sanierungsbedarf angenommen. Eine Einschätzung, der BLS-Sprecherin Helene Soltermann nicht widerspricht. Bei einer ersten Kostenschätzung bewege man sich immer auf der sicheren Seite. Von den geschätzten Kosten in der Höhe von 170 Mio. Franken entfällt gemäss Helene Soltermann zudem der «Löwenanteil» auf die Sanierung der Tunnelsohle sowie des Tunnelgewölbes. Die präzisere Erhebung des entsprechenden Sanierungsbedarfs hat also womöglich durchaus spürbare Auswirkungen auf die Gesamtkosten. Aufgrund der genanten Untersuchungen sowie weiterer detaillierter Berechnungen könne die BLS, so Soltermann, Ende Jahr eine genauere Kostenschätzung vornehmen. Stand jetzt beträgt die mögliche Abweichung 30 Prozent, Ende Jahr soll sie dann bei 20 Prozent zu liegen kommen.

Ebenfalls bis Ende 2015 sollen dann auch die Resultate einer Angebotsprüfung vorliegen, mit welcher der Bund sowie die beiden betroffenen Kantone Bern und Solothurn demnächst starten werden. Zum einen wolle man abklären, so Peter Heiniger, ob die Auslastung der Solothurn-Moutier-Bahn durch ein verbessertes Fahrplanangebot erhöht werden kann. Eine bessere Auslastung der Eisenbahn erhofft sich der Kanton insbesondere von der neuen Gondelbahn auf den Weissenstein. In der bahnfreien Zeit ist der Kostendeckungsgrad der BLS-Strecke Solothurn–Moutier unter die kritische Grösse von 30 Prozent gefallen. Zudem soll mit der Angebotsprüfung die Wirtschaftlichkeit der Alternativen zum Bahnbetrieb genauer unter die Lupe genommen werden, wie Peter Heiniger erörtert. Konkret spricht er hier eine Busverbindung über Balsthal und Oensingen an.

Die Ergebnisse der genaueren Untersuchung insbesondere der Tunnelsohle sowie der Angebotsplanung bilden dann die Grundlage für einen Entscheid über die Zukunft des Weissensteintunnels. Wann der Beschluss genau getroffen werden soll, steht zur- zeit noch nicht fest.

Nicht gesichert: Einsatz bis 2020

Entgegen bisherigen Vermutungen ist Stand jetzt auch nicht klar, ob die Solothurn-Moutier-Bahn immerhin bis mindestens Ende 2020 in Betrieb sein wird. Dies ist neben den nach wie vor hoch veranschlagten Sanierungskosten die zweite Enttäuschung für alle Nutzerinnen und Nutzer der Bahn. In den letzten Wochen war vonseiten der kantonalen Behörden nämlich zu hören, dass sich die BLS und der Kanton wohl darauf einigen werden, die Bahn bis 2020 einsatzbereit zu halten. Gemäss Kantonsingenieur Peter Heiniger und BLS-Sprecherin Helene Soltermann ist bis jetzt nur Folgendes gesichert: Der Bahnbetrieb wird bis Ende 2016 aufrechterhalten. Gegenwärtig inspiziert die BLS den Zustand des Tunnels und wird dann im Sommer entscheiden, ob die Bahn bis mindestens Ende 2017 weiterfahren kann. Das gleiche Spiel wiederholt sich dann in den Folgejahren. Es gehe bei diesen Inspektionen jeweils um eine Überprüfung der Sicherheit, hält die BLS-Sprecherin fest. Ob auch bestimmte minimale Sanierungen an die Hand genommen werden, lässt sie offen. Für Peter Heiniger als Vertreter des Kantons steht ausser Frage: «Wir werden alles unternehmen, damit der Weissensteintunnel im Minimum bis 2020 geöffnet ist.» So sei es unmöglich, schon früher ein Ersatzangebot zur Verfügung zu stellen.