Umfrage
Noch bieten regionale Banken keine Hypotheken online an

Banken in der Region setzen auf Beratung. Der neue Absatzkanal der Online-Hypotheken ist (noch) kein Thema. Dieses Angebot sorgt aber für Druck, wird es denn auf breiter Front eingeführt.

Franz Schaible
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Mit wenigen Clicks auf hypomat.ch zur Hypothek.

Mit wenigen Clicks auf hypomat.ch zur Hypothek.

Hanspeter Bärtschi

Das Einkaufen per Internet ist heute Alltag. Es gibt wohl kaum jemanden, der noch nie online Bücher, CDs, Früchte, Gemüse und Wein gekauft oder eine Ferienreise gebucht oder auf einer Auktionsplattform ein Schnäppchen gemacht hat. Inzwischen ist fast alles im Internet erhältlich. Sogar gewichtigste Investitionen wie eine Wohnbauhypothek sind neuerdings online möglich. Seit vergangenem Herbst betreibt etwa die Glarner Kantonalbank die Plattform Hypomat.ch. Darauf kann ein Kunde mit wenigen Clicks und geringem Zeitaufwand einen Vertrag über eine Wohnbauhypothek abschliessen.

Die Abwicklung über die Online-Plattform entspreche klar einem Kundenbedürfnis, erklärt Banksprecher Patrik Gallati. «Im ersten Halbjahr haben wir Hypotheken für 100 Millionen Franken abgeschlossen.» Bei einem gesamten Hypothekenbestand von drei Milliarden Franken ein hohes Volumen (siehe Kasten).

Hypomat: Glarner weiten Angebot aus

Die Glarner Kantonalbank baut ihr Angebot für Online-Hypotheken aus. Auf der Online-Plattform Hypomat.ch können ab sofort auch Neugeschäfte abgeschlossen werden. Bislang war nur die Ablösung bestehender, erstrangiger Hypotheken bis 65 Prozent möglich. Das erweiterte Angebot gilt auch nur für erstrangige Hypotheken. Der Kunde kann alle nötigen Angaben für einen Grundpfandkredit eingeben. Er erhält nach Abschluss des Prozesses den definitiven Kreditentscheid und einen verbindlichen Zinssatz direkt auf der Plattform. Voraussetzung ist, dass die gemachten Angaben korrekt sind, wie Banksprecher Patrik Gallati erklärt. Das Risiko sei aufgrund der strengeren Vergaberichtlinien überschaubar. «Die Kostenvorteile wegen Automatisierung und wegfallendem Beratungsaufwand geben wir den Kunden zurück.» So liegen die Online-Zinssätze 0,4 bis 0,5 Prozentpunkte unter den «normalen» Zinssätzen. Ein ähnliches Online-Angebot bietet die Basellandschaftliche Kantonalbank seit Sommer 2011 an. Neu setzt auch die Migros Bank auf diesen Absatzkanal. Der Kunde kann eine Hypothek online beantragen, geprüft werden die Dokumente immer noch manuell. Auch gelten dieselben Konditionen wie im klassischen Hypogeschäft. Der Kunde erhält lediglich einen Rabatt von 300 Franken. Die Zürcher Kantonalbank hat ihren Online-Start für diesen Sommer angekündigt. (FS)

Beratung als Geschäftsstrategie

Werden also künftig Online-Hypotheken auch in unserer Region Einzug halten? Vorerst nicht, wie eine Umfrage zeigt. Für die Baloise Bank SoBa stehen Online-Hypotheken nicht auf dem «kurzfristigen Radar», erklärt Mediensprecher Marco Sauser. Ein solcher Absatzkanal würde nicht in die Geschäftsstrategie der Bank passen. «Wir müssen uns entscheiden: Entweder investieren wir in ein neues Online-Portal für Hypotheken oder wir bleiben unserer Strategie im Hypothekargeschäft – der umfassenden Beratung – treu und bauen sie weiter aus.»

Der Entscheid sei klar, die SoBa setze auf die Beratung. Zudem sei die Banktochter des Baloise-Versicherungskonzerns nicht auf die Erweiterung des Marktgebietes über den Online-Kanal angewiesen. Denn dank der Zusammenarbeit mit den Basler Versicherungen agiere die SoBa bereits heute schweizweit.

Lokal und regional tätig

Auch Markus Boss, Chef der Regiobank Solothurn, winkt ab. «Die Einführung des Verkaufs von Hypotheken über ein Online-Portal ist für uns keine Option.» Das Modell funktioniere nur bei hochstandardisierten Hypothekargeschäften. Und das sei heute nur ein kleiner Teil am gesamten Kreditgeschäft. «Der Grossteil der vermittelten Finanzierungen ist durch individuelle Unterschiede geprägt.» Deshalb brauche es auch individuelle Beratung, was von den Kunden durchaus nachgefragt werde.

Zudem sei das Marktgebiet bewusst auf die nähere Region beschränkt. Ähnlich argumentiert Gerardo Grasso. «Wir sind sehr lokal tätig, deshalb steht für uns der persönliche Kontakt mit den Kunden im Vordergrund», sagt der Chef der Spar- und Leihkasse Bucheggberg in Lüterswil. Ein Online-Verkauf würde dem Geschäftsmodell der umfassenden Beratung widersprechen. Zudem verfolge die Landbank den Ansatz, nach Möglichkeit jede belehnte Immobilie persönlich «anzuschauen» oder die Pläne zu begutachten.

Stehen Banken unter Zugzwang?

Trotzdem. Auf alle Zeiten ausschliessen mögen die Banken den Online-Verkauf von Hypotheken nicht. Wenn auf breiter Front auf diesen Absatzkanal gesetzt werde, dann käme jede Bank unter Zugzwang und müsste die Situation neu beurteilen, sagt SoBa-Sprecher Sauser. Zudem sei offen, wie sich das «Einkaufsverhalten» bei Hypotheken verändern werde. Für die Strategie der SoBa sei das Kundenbedürfnis entscheidend. Die Erfahrungen zeigten, dass der Kunde grossmehrheitlich mehr wissen wolle als die Höhe des Zinssatzes.

Auch Regiobank-Chef Boss will die Entwicklung im Markt und das Kundenverhalten beobachten. «Wenn sich das Online-Modell durchsetzt, dann steigt der Druck an.» Die Regiobank werde aber sicherlich nicht ein «First Mover» sein. Gerardo Grasso spricht aktuell noch von einem Nischenmarkt, will aber ein Nachziehen auch nicht kategorisch verneinen. Er zieht eine Parallele zum E-Banking, dem zuerst ebenfalls breite Skepsis entgegenschlug. «Wenn wir diese Dienstleistung nicht anbieten würden, hätten wir heute ein Problem.»