Nicole Reusser startet ihre Kaffeemaschine in ihrer Küche auf dem Bauernhof Zelgli in Biezwil. Sie bringt dann neben dem Kaffee auch ein Stück selbstgemachten Haselnuss-Choko-Cake mit. Das Babyphon ist eingeschaltet; die kleine Siri hält ihren Nachmittagsschlaf. Die vierjährigen Zwillinge Luana und Noëlle sind im Kindergarten, der zehnjährige Damian und die achtjährige Ronja in der Schule.

Seit vergangenen Freitag Abend ist die gebürtige Gächliwilerin mit ihrem Mann Fritz und den Kindern eine «nationale Berühmtheit». Zu diesem Zeitpunkt wurde nämlich ihr «Menü-Kochen» bei der SRF-Sendung «Landfrauenküche» ausgestrahlt. Die Serie, in der sieben Bauersfrauen aus verschiedenen Regionen der Schweiz für- und gegeneinander kochen, ist derzeit der Quotenhit des Schweizer Fernsehens.

Dementsprechend hoch war nach der Ausstrahlung der Sendung das Echo, das Familie Reusser auslöste. «Gerade heute Morgen hat mich eine Frau beim Einkaufen intensiv angeschaut, um sich danach zu entschuldigen: Sie sind doch die Landfrau vom Fernsehen?» Für Nicole Reusser sind solche Begegnungen kein Problem. «Wir wurden vom Produktionsteam des Fernsehens darauf vorbereitet», sagt die ausgebildete Ernährungsberaterin.

Zunächst ein Jahr verschoben

Nicole Reusser hatte sich schon 2013 zum Mitmachen bei den «Landfrauen» gemeldet. «Unsere Kinder waren eigentlich die treibende Kraft.» «Mami, do muesch du au mitmache», habe es geheissen. Doch im vergangenen Jahr war sie gerade zur Drehzeit mit ihrer jüngsten Tochter Siri hochschwanger. «Mich hätte das zwar nicht gestört, doch das Fernsehteam riet mir, es im kommenden Jahr nochmals zu versuchen.» Nicole Reusser ist wichtig zu betonen, dass sie trotz des vorangegangenen Castings, das Auswahlprozedere für diese Ausgabe nochmals habe durchlaufen müssen.

Die sieben ausgewählten Frauen hätten sich dann im Fernsehstudio in Zürich getroffen und danach zwei Tage auf dem Ballenberg verbracht, um sich und die Abläufe kennenzulernen. «Inzwischen kann ich sagen, dass wir alle gut befreundet sind.»

«Die siebenwöchige Drehzeit, die Mitte August bis Ende September gedauert hat, schweisste uns schon auch zusammen.» Doch für ihre Kinder und vor allem für ihren Mann sei es eine anstrengende Zeit gewesen. «Sieben Wochenende am Stück war ich nicht zu Hause. Da muss man schon gut planen.»

Raffiniertes Schokoschälchen

Zusätzlich zu ihren Bewerbungsunterlagen habe sie auch drei Menüvorschläge einreichen müssen, berichtet sie weiter. «Für mich war klar, dass es Schweinefleisch geben soll, Früchte und Gemüse aus dem eigenen Garten und Nüsse mit dabei sein sollen. Reusser ist zusammen mit ihrer Schwester eine routinierte Gastgeberin, doch sie sei alles andere als eine Kochbuchkocherin. «Ich koche am liebsten spontan.» Am meisten zu reden gibt noch nach der Sendung Nicole Reussers Dessert: Das Schokoladenschälchen, für welches sie kleine Luftballone als Formgeber benötigte. «Ich habe unglaublich viele Reaktionen zu diesem Dessert bekommen, denn es sieht einfach toll aus». Doch, wie sie auch im Film beschreibt, war es nicht einfach, das richtige Verfahren auszutüfteln.

Eine ganze Woche lang habe für die Film-Aufnahmen «ihrer Woche» und das abschliessende Kochen ein dreiköpfiges Fernsehteam auf dem Hof von Reussers gelebt. «Die Drei haben vieles aus unserer Familie miterlebt und erfahren. Am Ende haben sich alle mit dem ausgestrahlten Beitrag sehr gut identifizieren können», freut sie sich.

Ein emotionaler Moment

Der vergangene Freitagabend, als die ganze Familie zusammen mit Nicoles Schwester Ramona sich den Beitrag angeschaut hat, sei dann schon ein sehr emotionaler Moment gewesen. «Wir wussten ja, was gedreht wurde. Allerdings wussten wir nicht, was dann auch wirklich gesendet wird.» Das Resultat sei aber typisch «reusserisch» gewesen, habe ihr danach eine Bekannte geschrieben.

Welche der sieben Landfrauen am kommenden 9. November dann als Siegerin der diesjährigen Landfrauen-Serie erkoren wird, weiss Nicole Reusser auch noch nicht. Doch eines sagt sie noch mit Nachdruck: «Es war eine sehr strenge, aber auch lehrreiche Zeit für uns alle.