Für die Grünliberalen Kanton Solothurn ist die bisherige Auswahl an Regierungsratskandidaturen mit sieben Personen nicht gross genug: Sie haben sich entschieden, mit einer eigenen, achten Kandidatur anzutreten: Damit solle im Wahlgang vom 12. März 2017 eine «echte Auswahl» ermöglicht werden, heisst es in einer Mitteilung.

Kampfkandidatin aus Grenchen

Auf Nachfrage konkretisiert Parteipräsident Georg Aemisegger dieser Zeitung gegenüber, dass sich Kantonsrätin Nicole Hirt (Grenchen) für eine Kampfkandidatur zur Verfügung gestellt hat. Die 52-jährige Lehrerin soll am 28. November im Rahmen einer ausserordentlichen Mitgliederversammlung offiziell nominiert werden. Hirt vertritt die Grünliberalen seit 2013 – zusammen mit drei weiteren Personen – im Kantonsrat. Dort gilt ihre Aufmerksamkeit insbesondere Bildungsfragen.

Die Grenchnerin will ihre Kandidatur «mit voller Energie und Motivation anpacken», wie sie auf Anfrage unterstreicht. «Bildung, Energiefragen und der ganze Cleantech-Bereich zählen zu den Schwerpunkten meiner Interessen – da könnte ich sicher einiges einbringen», sagt Hirt. Das Volkswirtschaftsdepartement würde sie vor diesem Hintergrund stark interessieren, doch sei sie bei einer allfälligen Wahl «natürlich für alles offen».

Mit ihrer Ratsarbeit habe sie gezeigt, dass sie «weder gegen links noch rechts Berührungsängste» habe, hofft Nicole Hirt auf Unterstützung «über die Parteigrenzen hinaus».
Die GLP biete den Wählerinnen und Wählern «eine klare Haltung an, die nur die Grünliberalen bieten können», wirbt seinerseits Präsident Aemisegger.

Was heisst das konkret? «Eine wirtschaftsfreundliche, liberale Politik, für die auch Selbstverantwortung und wenig Bürokratie wichtige Werte sind, die aber zukunftsgerichtet unsere Umwelt schützt, wo es wichtig und notwendig ist.»

Die GLP fordere seit Jahren den Einsatz erneuerbarer Energien statt der Verbrennung fossiler Brennstoffe und setze sich gegen die damit verbundene Klima-Zerstörung und die Abhängigkeit von den Förderstaaten ein: «Deshalb wollen wir der Bevölkerung eine Kandidatin unserer Partei zur Wahl stellen.»

Anschub für Parlamentswahlen

«Der GLP ist es mit der Kandidatur Hirt sehr ernst – dies ist keine Schattenkandidatur», betont Präsident Aemisegger mit Nachdruck. Er weist die Einschätzung zurück, dass es hier primär um den Versuch gehe, der Partei bei den Kantonsratswahlen 2017 mehr Schub zu geben. Gerade das könnte durchaus nötig sein, wie ein Blick auf die Resultate der Grünliberalen bei aktuellen kantonalen Wahlgängen im Land zeigt.

Bei den letzten Solothurner Kantonsratswahlen, 2013, hatte die GLP einen Wähleranteil von 5,3 Prozent und damit vier von 100 Parlamentssitzen (+2) erzielt.

Bei den Gesamterneuerungswahlen 2017 treten zwei Bisherige nicht mehr an: Esther Gassler (FDP) und Peter Gomm (SP). Mit Hirt steht nun die achte Kandidatur fest– vier Frauen und vier Männer. Es sind dies die drei bisherigen Regierungsräte Roland Heim und Roland Fürst (beide CVP) sowie Remo Ankli (FDP). Von ihren Parteien nominiert sind folgende bisherigen Kantonsratsmitglieder: Marianne Meister (FDP, Messen); Susanne Schaffner (SP, Olten), Brigit Wyss (Grüne, Solothurn) sowie Manfred Küng (SVP, Kriegstetten).