«Nur weil man etwas neunmal falsch gemacht hat, muss es nicht aussichtslos sein», sagt Nicolas Berg. Der Solothurner Unternehmer weiss, wovon er spricht: Laut Statistik braucht ein Unternehmer zehn Versuche, bis er mit einer Idee den Durchbruch schafft.

Nicolas Berg sitzt auf dem schwarzen Ledersofa in seiner Dachwohnung und erzählt, wie er sich die Olympischen Winterspiele 2026 in der Schweiz vorstellt. Gemeinsam mit sieben Bekannten entwickelt er ein Konzept, mit dem sie zuerst Swiss Olympic und dann die Bevölkerung überzeugen wollen. Er will wagen, woran andere vor ihnen gescheitert sind. «Die Schweiz braucht wieder einmal einen Kick, sie ist faul und bequem geworden», findet der Unternehmer.

Hier und dort

Das Olympia-Konzept der Gruppe setzt auf Dezentralisierung und die Nutzung der vorhandenen Infrastruktur. Damit sind vor allem die Wettkampfstätten und das Schweizer Bahnnetz gemeint: Letzteres ermöglicht, innert weniger Stunden vom einen Ende des Landes zum anderen zu fahren. «Alle Eissportarten und Feierlichkeiten könnten in Städten im Mittelland stattfinden, die Wettkämpfe an Orten, die wettkampferprobt und bequem mit dem Zug erreichbar sind.»

Findet die Winterolympiade an verschiedenen Orten statt, trage zudem nicht ein einziger Kanton das ganze Risiko. «Die Lasten werden verteilt – genauso der Nutzen.» Ausserdem werde ein Anlass, der in der ganzen Schweiz stattfindet, für Sponsoren viel interessanter. Und Sponsoren sind wichtig: «Je weniger die Winterspiele kosten, desto eher sagen auch die Rappenspalter unter den Schweizern Ja.»

Die Zukunft im Blick

Dass ein solcher Grossanlass trotz vorhandener Infrastruktur auch in der Schweiz ohne Bagger, Kräne und Investitionen nicht möglich ist, weiss Nicolas Berg. «Aber wir müssen das olympische Dorf einfach so bauen, dass man die Gebäude nach den Spielen weiternutzen kann – zum Beispiel als Alters- oder Studentenwohnungen.»

Auch Sportanlagen, wie eine Eisschnelllaufhalle und eine Rodelbahn, müssten gebaut werden: «Hier könnte man allenfalls überlegen, nach Bayern auszuweichen.» Und wenn das mit den Nachbarländern nicht klappt, könnte eine extra gebaute Eishalle nach den Winterspielen einfach als Kongress-, Konzert- oder Eventhalle weitergenutzt werden.

Sollte es Nicolas Berg und seinem Team in einem ersten Schritt gelingen, Swiss Olympic von ihrem Konzept zu überzeugen, bleibt immer noch eine kritische Bevölkerung. Die ist «mehrheitlich nicht besonders sportbegeistert, nicht mutig und etwas geizig». Die Winterspiele sollen deshalb zum Volksfest werden. Neben sportlichen Veranstaltungen müssten sie auch kulturell Interessierten ein Programm bieten – «zum Beispiel eine ‹Olympic Opera›».

Ein Risikofreund vermisst Mut

Aber zurück zum Mut. Dieser fehle nicht nur im Hinblick auf die Olympischen Winterspiele, findet Berg, sondern in der Wirtschaft im Allgemeinen. An innovativen Ideen mangle es in der Schweiz zwar nicht und auch nicht am dafür nötigen Geld. «Die meisten investieren aber in Immobilien, klassische Aktien und Obligationen.» Neben erfolgreichen Ex-Jungunternehmern fördern höchstens Künstler und Sportler Start-ups: «Sie sind die Einzigen, die Mut haben und ein Risiko eingehen.» Von 200 000 Millionären in der Schweiz seien das vielleicht 2000 – ein Bruchteil.

Nicolas Berg selber hat keine Mühe, Geld in innovative Projekte zu stecken: Als er im Jahr 2000 seine Anteile an der Online-Plattform Borsalino, die er mitgegründet hatte, für drei Millionen Franken an Ringier verkaufte, hat er das Geld «flutsch wieder in 16 neue Unternehmen investiert». Es stört ihn nicht, wenn jemand mit seinem Geld scheitert. «Ich bin nur böse, wenn ich angelogen werde, die Leute keine Ausdauer haben oder sich keine Mühe geben.»

Die Jungen wissen, was cool ist

Er sei relativ mutig und wirke dabei gelassen. «Vielleicht bin ich auch etwas chaotisch, weil ich mich oft von meiner Intuition leiten lasse.» Und weil sich die meisten Unternehmer «an der Grenze zwischen Genie und Wahnsinn» befinden, habe wohl auch er «en Egge ab». Aber gerade am Anfang einer Idee seien Visionäre und Spinner wichtig. Ein gutes Team setze sich immer aus verschiedenen Charakteren zusammen, und «befehlen und entscheiden sollte nicht immer der Mutigste von ihnen».

Als Unternehmer profitiere er davon, dass er sehr viel Zeit mit seinen beiden Kindern (16 und 18 Jahre) und deren Freunden verbringt. «Wer als Unternehmer keinen Kontakt zu 12- bis 18-Jährigen hat, hat keine Chance. Um herauszufinden, was cool ist, musst du nicht einen 35-Jährigen fragen.»

Als er selber noch Jungunternehmer war, sei das noch anders gewesen: «Da habe ich mir einen Älteren, Grauhaarigen für den Verwaltungsrat gesucht. Einen mit Erfahrung und Netzwerk.» Unterdessen ist er mit 56 Jahren meistens mit Abstand der älteste in den Unternehmen, in die er investiert.

Krimis zum Vergnügen

An der Wand gegenüber dem Sofa steht ein gutgefülltes Bücherregal. Nicolas Berg steht auf, zieht ein Buch aus dem Regal. «Ich lese zwei pro Woche.» Was im Regal keinen Platz hat, lagert er in seiner Zweitwohnung in Gstaad oder in Kisten. Früher las er vor allem Fachliteratur und Biografien. «Heute nur noch, was Spass macht.» Zum Beispiel nordische Krimis. Vom Vorgehen eines Ermittlers könne ein Unternehmer einiges lernen: «Der macht auch nicht alles analytisch, sondern braucht seine Beobachtungsgabe und Intuition.»