Sturmschäden

Nicht so schlimm wie «Lothar», aber schlimmer als «Joachim»: Das sind die Nachwehen der «Burglind»

Die Förster und Dachdecker im Kanton sind gefordert: Die Schäden, die «Burglind» im Solothurnischen verursachte, beschäftigen sie sicher noch bis im Frühling.

«Totalschaden.» Der Sturm «Burglind» zog diesen Mittwoch durch den ganzen Kanton – in einigen Regionen hinterliess er besonders grosse Verwüstung. So in Flumenthal. Vor Ort war dort gestern Thomas Studer, Revierförster Leberberg. Mit seinem Team band er Bäume fest, die eine «Gefährdung für Häuser» darstellen, und räumte Strassen für den Verkehr frei.

Im Wald konnten die Forstarbeitenden noch nicht aufräumen. Es sei zu nass, die Fahrzeuge würden im Boden versinken, so Studer. Ein Bild vor Ort konnte sich der Revierförster aber schon machen, was eben zu der Bilanz «Totalschaden» führte. «Burglind» sei in einem richtigen «Zug» aus Richtung Riedholz über Flumenthal nach Hubersdorf gefegt und habe eine ganze Fläche Wald herausgerissen.

Im gesamten Gebiet Leberberg hat der Sturm nach Schätzungen Studers etwa 5000 Kubikmeter Wald zerstört. Das entspricht etwa der Menge Holz, die das Revier in einem halben Jahr fällt.

«Wir spielen Feuerwehr»

Nach dem Sturm Lothar, der 1999 auch über Solothurn fegte, begannen Förster, Sturmholz zu verscherbeln – was sich auf den Holzpreis niederschlug. Hat auch «Burglind» Auswirkungen auf den Markt? «Der Holzpreis ist eh schon tief», meint Studer nur, «viel tiefer kann er gar nicht mehr sinken.» Man dürfe jetzt nur nicht panisch reagieren. «Wir arbeiten Stück für Stück, dort, wo es am meisten brennt – wir spielen ein bisschen Feuerwehr.» Die Reviere des ganzen Kanton müssten nun zusammenarbeiten, so der Revierförster aus dem oberen Kantonsteil.

Im unteren Kantonsteil ist Markus Lüdi zuständig. Auch er berichtet von einem Totalschaden, kurz und knapp. Lüdi ist seit Mittwoch ebenfalls im Einsatz. Zu fünft kümmerten sie sich zuerst einmal um die Strassen. Im ganzen Niederamt – von Gretzenbach bis Gösgen – habe «Burglind» gewütet. Bis alle Schäden aufgenommen und behoben seien, kann es laut Lüdi Sommer werden.

«Nicht so schlimm wie Lothar»

Welche Auswirkungen Sturm «Burglind» auf das Solothurner Forstwesen hat, könne man wohl erst in den nächsten Tagen abschliessend sagen, so Kantonsoberförster Jürg Froelicher. Bis dahin sammelt er Rapporte der einzelnen Forstreviere. Froelicher schätzt, dass «Burglind» dem Solothurner Wald weniger geschadet hat, als Lothar. «Burglind war wohl in einzelnen Regionen genauso schlimm wie Lothar – über den ganzen Kanton hinweg kann ich mir das aber nicht vorstellen. Es gibt wohl eher Streuschäden.»

Auch von Seiten der Solothurnischen Gebäudeversicherung (SGV) heisst es, «Burglind» käme nicht an Lothar heran, welcher Schäden von über zehn Millionen verursachte. Die Nachwehen der «Burglind» seien dafür «bei Weitem» schlimmer als die des «Joachims», der im Dezember 2011 wütete und Sachschaden von fünf Millionen hinterliess. Stand jetzt seien 600 Meldungen zu «Burglind» eingegangen, heisst es in der gestrigen Mitteilung der SGV. «Mit Schadenmeldungen ist noch die ganze erste Jahreshälfte zu rechnen.» Wie viele Kunden betroffen seien, wisse man noch nicht.

«Das Telefon glüht»

«Burglind» fegte im Kanton Ziegel von Gebäuden, hob das ganze Dach einer Scheune ab, und hinterliess bei einer Photovoltaikanlage einen Schaden von einer halben Million Franken, teilt die SGV weiter mit. Auf Anfrage heisst es, auch zu Stromausfällen sei es gekommen – aber nur vereinzelt im Bezirk Bucheggberg, nicht flächendeckend. Wegen des vielen Regens bestehe zudem die Gefahr von Wasserschäden. «Bei Einigen regnet es ins Haus, Andere haben Angst davor», bestätigt Reto Huber, Mitglied der Geschäftsleitung der Solothurner Werner Huber Bedachungen und Gerüstbau AG. Bis gestern wurden dort rund 400 Sturmschäden gemeldet. «Das Telefon läutet nicht nur regelmässig – es glüht», schildert Huber.

Am Abend des Sturms habe man sogar mit der Feuerwehr zusammengearbeitet, als eine Tanne bei einem Gebäude an der Solothurner Bergstrasse das ganze Dach zerstörte. Am Donnerstag war Huber auch an grösseren Gebäuden – wie dem Solothurner Landhaus – mit Reparaturen beschäftigt. Obwohl er noch bis zum 8. Januar Ferien geplant hätte. Bereits am Mittwochnachnachmittag habe er erste Mitarbeiter aufbieten können, gestern waren schon 13 Mann in der Region Solothurn im Einsatz. Bis die Schäden behoben seien werde es wohl März oder April. «Ja, dieser Sturm hat gewütet, das kann man echt so sagen», sagt der Geschäftsführer.

In Grenchen ging das Ganze laut Erich Dürig, Geschäftsleiter der Dürig Spenglerei, noch glimpflich aus. Er und sein Team hätten es vor allem mit fortgewehten Ziegeln zu tun. «Zu Wasserschäden ist es glücklicherweise nicht gekommen.» Eigentlich hätten auch er und sein Team bis nächsten Montag noch Ferien gehabt. «Aber in so einem Fall sind wir natürlich zur Stelle.» Zu viert reparierten sie Schäden von Grenchen bis Lengnau. Am Tag nach dem Sturm sei es bereits wieder ruhiger gewesen. «Wir machen, was wir können – und warten, was als Nächstes auf uns zu kommt», so Dürig.

In Oensingen waren Dachdecker ebenfalls gefragt. Der Geschäftsleiter von Ryf Holzbau und Bedachungen war bis Redaktionsschluss nicht zu erreichen. Er sei unterwegs, erklärte seine Frau am Telefon: «Sturmschäden.»

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