In der Bildung wird gespart, auch im Kanton Solothurn. Da erstaunt doch die folgende Zahl: Um über 150 Stellen hat der Kanton an der Volksschule aufgestockt. Auf den zweiten Blick gibt es eine Erklärung dafür: 2014 wurden die fünf heilpädagogischen Schulen im Kanton (Olten, Solothurn, Grenchen, Breitenbach und Balsthal) kantonalisiert – das erklärt 133,5 der Stellen.

Aufgrund höherer Schülerzahlen an den Zentren, wo etwa Kinder mit einer Behinderung zur Schule gehen, gab es vom Kanton in einem Schub 11,5 zusätzliche Stellen, in einem zweiten dann nochmals 16. Dies geht aus der Antwort der Regierung auf eine Interpellation von Jacqueline Ehrsam (ehemals SVP Kantonsrätin, Gempen) zurück, die sich dafür interessierte, wieso und wo der Staat Stellen schaufelt. Dies in Zeiten des Heilpädagogenmangels; in welchen Regelschulen Mühe haben, einzelne Stellen mit Fachpersonen zu besetzen.

Derzeit arbeiten rund 200 Lehrpersonen an den Zentren für Kinder mit Sonderschulstatus. Der Kanton gilt als attraktiver Arbeitgeber – der Heilpädagoge als attraktiver Beruf, mit höheren Löhnen als in den Nachbarskantonen etwa. Und doch: «Auch wir spüren den ausgetrockneten Markt im Bereich Heilpädagogik – wenn auch indirekt», sagt Pascal Estermann, der die fünf Zentren seit der Kantonalisierung leitet, wo der Kanton eben Stellen geschaffen hat. Warum war das eigentlich nötig? Und: Können die Stellen überhaupt besetzt werden?

Mehr Kinder an der Regelschule brauchen Begleitung

Laut Jahresberichten der HPSZ haben die Schülerzahlen über die letzten Jahre leicht zugenommen. Vor allem aber findet eine Verlagerung statt: So waren es per 31. Juli 2015 299 Schüler – 56 davon hatten eine «individuelle sonderpädagogische Massnahme». Das heisst: Sie werden in der Regelschule individuell begleitet und gefördert; im Gegensatz zu den restlichen Kindern, die separativ in eines der Zentren zur Schule gehen. Bereits zwei Jahre später waren es insgesamt 316 Kinder – 113 hatten eine individuelle Massnahme. Laut Estermann findet also eine «Veränderung im Einsatz» der Heilpädagogen statt. Das Behindertengleichstellungsgesetz macht sich hier bemerkbar – weniger Kinder sollen separiert werden. Mehr Kinder werden an der Regelschule integriert – und es braucht mehr Fachpersonen für die Begleitung.

In den integrativ beschulten Fällen nämlich werden die Kinder also von einer Fachperson der Schulen des HPSZ begleitet. Je nachdem kauft man auch Leistungen bei Heilpädagogen ein, die bereits an der Regelschule der jeweiligen Wohngemeinde arbeiten.

So haben die Zentren die zusätzlichen Stellen gebraucht. Besetzt werden können sie bisher ebenfalls. Laut Estermann ist es ein Vorteil, dass man beim Kanton fixe, grosse Pensen bieten kann, Weiterbildungen organisiert werden und auch Austausche zwischen den Zentren stattfinden. «Das gibt uns in einem ausgetrockneten Arbeitsmarkt viele Vorteile», so Estermann.

Die Alarmstufe sei wohl nicht auf rot, wie an Regelschulen. Dort arbeiten ebenfalls Heilpädagogen mit Kindern, die etwa Lernschwierigkeiten haben. Oft sind es aber nicht ausgebildete Fachleute, weil es schlicht keine passenden Bewerbungen gibt. Aber auch an den HPSZ können nicht nur gänzlich ausgebildete Personen eingestellt werden.

Zu 60 bis 85 Prozent qualifizierte Fachpersonen

Im separativen Bereich – also an den Sonderschulen – arbeiten mehrheitlich qualifizierte Fachpersonen. Laut Estermann machen diese 85 Prozent aus. Den Rest machen Primarlehrpersonen und Heilpädagogen in Ausbildung aus. Im Integrativen Bereich – also als unterstützende Kraft an der Regelschule – sind nur 60 Prozent heilpädagogisch ausgebildet. Etwa ein Viertel der Personen hat das Lehrerdiplom, ein kleinerer Teil hat keine entsprechende Ausbildung.

Laut Estermann muss das aber auch nicht immer sein. So gebe es unter den 200 Kindern mit integrativen Massnahme an der Regelschule auch solche, die körperlich behindert sind und deswegen beispielsweise nur im Turnen Unterstützung brauchen. Hier brauche es einfach eine «helping hand» – und nicht zwingend ein Heilpädagogik Studium, so Estermann. Das seien aber Einzelfälle.

«So kommen wir gerade so durch», so Estermann zur Situation bei den HPSZ. Was aber auch er feststellt: Viele Mitarbeitende sind älter. Es brauche wohl keine neuen Stellen mehr beim Kanton – dafür aber genügend junge Fachkräfte, welche die Pensen dann auch besetzen können.